Langenfeld : Kinder sollen bei Gewalt die „Kurve kriegen“

Die Stadt Langenfeld hat aufgrund von Zwischenfällen ein Sicherheitskonzept zur Gewaltprävention auffälliger Jugendlicher im öffentlichen Raum erarbeitet. Videoanlage am Kulturzentrum installiert.

Eine Jugendclique hatte 2017 am Langenfelder Kulturzentrum und in der Stadtmitte für einige Unruhe gesorgt, so wurde beispielsweise ein Dozent bedroht. Es gab Auseinandersetzungen mit Musikschülern. Und eine Schülerin setzte sich gegen einen Angriff eben dieser Jugendlichen mit Pfefferspray zur Wehr. Zwar habe sich die Gruppe vor dem Kulturzentrum „verflüchtigt“, sagte der Fachbereichsleiter Jugend, Schule und Sport Ulrich Moenen, der darüber „froh und dankbar“ ist. Die Zwischenfälle waren aber mit der Anlass für die Stadtverwaltung, ein Sicherheitskonzept zur Gewaltprävention auffälliger Jugendlicher im öffentlichen Raum zu erarbeiten. Die CDU hatte dies beantragt. Moenen stellte das Papier jetzt gemeinsam mit der Referatsleiterin Jugendarbeit, Elke Burg, im Jugendhilfeausschuss vor und erhielt dafür Zustimmung aus der Politik. „Wir haben ein großes, gut funktionierendes Gesamtpaket geschnürt“, umriss der Fachbereichsleiter die Zielsetzung.

Bewegungsmelder und Kameras am Kulturzentrum installiert

„Für uns ist es wichtig, vorbeugend zu arbeiten.“ So wurden am Kulturzentrum beispielsweise inzwischen Bewegungsmelder und eine Videoanlage im Empfangsbereich installiert. Kameras im öffentlichen Raum und an Schulen könnten hingegen nur in Absprache mit der Polizei aufgestellt werden. Und auch nur dann, wenn alle anderen Maßnahmen – wie beispielsweise das Einzäunen des Schulgeländes – ausgeschöpft seien.

Seit 2014 wurden in Langenfeld insgesamt rund 97 000 Euro für gewaltpräventive Maßnahmen aufgewendet. Der überwiegende Teil entfiel auf Projekte an den Schulen.
2014 bis 2018 waren das 51 000 Euro an weiterführenden Schulen und 17 000 Euro an Grundschulen. Für 2019 stehen erneut 20 000 Euro zur Verfügung. Regelmäßig gebe es Abfragen an Schulen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit, um Probleme frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

In den Schulen sei es Ziel, das soziale Klima in den Klassen zu verbessern, Gewalt und Mobbing zu erkennen und zu unterbinden. Lehrer und Eltern würden einbezogen. Als externe Beraterin und „Schulcoach“ unterstützt die ehemalige Polizeibeamtin Susanne Wiescher die Bildungseinrichtungen. Sie vermittelt beispielsweise bei Diebstahl, Körperverletzung, Beleidigungen und Cybermobbing im Schulalltag. Ein weiterer Schwerpunkt ist die aufsuchende Jugendarbeit. Die Mitarbeiter sprechen Heranwachsende gezielt an, suchen den Kontakt zu Cliquen, die sich auf öffentlichen Plätzen aufhalten und haben auch Kontakt zu den Schulen.

Sicherheitsdienst kümmert
sich um Ruhestörungen

Durch die immer wiederkehrende Problematik der Ruhestörung auf öffentlichen Plätzen – vor allem auf Schulhöfen – ist seit 2014 ein Sicherheitsdienst im Einsatz. Die Mitarbeiter gehen gerade abends zu Orten, an denen sich Jugendliche aufhalten. Sie weisen die Heranwachsenden darauf hin, dass sie weiter dort bleiben können, wenn sie sich angemessen verhalten und den Platz sauber verlassen. Schön gestaltete Plätze könnten dazu beitragen, auffälliges und zerstörerisches Verhalten zu reduzieren, heißt es in dem vorgelegten Papier.

Die Präventionsangebote im Jugendschutz seien inzwischen gut vernetzt, so das Fazit von Ulrich Moenen und Elke Burg. 2018 sei das Netzwerk Prävention gegründet worden, in dem unter anderem Lehrer und Sozialarbeiter vertreten seien. „Es ist ein großes, gut funktionierendes Gesamtpaket“, sagte Referatsleiter Carsten Lüdorf.

Sebastian Köpp (CDU) lobte die „tolle Arbeit in der Gewaltprävention“. Es sei gut, dass die Verwaltung auch auf andere Lösungen setze, statt eine Videoüberwachung in den Vordergrund zu stellen. Köpp schlug vor, die Strukturen bei den Jugendlichen weiter zu beobachten, auch wenn sich die brenzlige Situation am Kulturzentrum gelöst habe. „Ich möchte das Konzept gerne für die nächsten Jahre fortschreiben.“ Elke Hirsch-Biermann von den Grünen wollte wissen, ob der Schulcoach oft unterwegs sei und fand die Aussage der Verwaltung, mehr Erlebnisflächen trügen dazu bei, auffälliges Verhalten zu vermeiden, „gut“. Ulrich Moenen ergänzte, die Stadt Langenfeld brauche auf jeden Fall Plätze, die für alle Bürger interessant seien, auch für die Jugendlichen. „Wir weigern uns deshalb, Schulhöfe einzuzäunen, wollen sie stattdessen den Jugendlichen zur Verfügung stellen“, sagte Ulrich Moenen.

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