Langenfeld: Züchter befürworten Brieftauben als nationales Kulturerbe

Züchter in Langenfeld : Brieftauben auf den Weg zum Kulturerbe

Die Taubenzuchtvereine werben für die Aufnahme des Brieftaubenwesens in die Liste des nationalen Kulturerbes. Auch die Züchter im Kreis Mettmann sind dafür.

Siegfried Lenz ist Mitglied der Reisevereinigung Hilden Rhein-Wupper und züchtet seit mehr als 50 Jahren Brieftauben. Der Langenfelder Unternehmer (69) hat ein Grundstück an der Stadtgrenze zu Leverkusen auserwählt, um seinem Hobby ungestört nachgehen zu können. An der Bonner Straße hat er wenig Nachbarn, die sich durch sein Hobby gestört fühlen könnten. Hier wohnen, verteilt auf mehrere Schläge, derzeit 88 Zucht- und Reisetauben auf seinem großen Grundstück.

„Ich bin durch einen Freund zu dem Hobby gekommen. Mit zwölf hatte ich die ersten. Die haben wir damals mit dem Fahrrad weggebracht, um sie zu trainieren.“ Erst habe ihm sein Onkel eine Voliere gebaut, die auf dessen Hühnerhof stand. Später habe der Vater ihm einen Taubenschlag eingerichtet. Seit 1964 ist er Mitglied in einem Taubenzuchtverein. Lenz würde es begrüßen, wenn die Brieftauben nationales Kulturgut würden: „Tauben wurden schon in der Antike als fliegende Boten genutzt. Sie symbolisieren den Frieden und mit der Aufnahme in die Liste der nationalen Kulturgüter könnte man etwas für ihren Ruf tun.“

Lenz holt eine Taube aus dem Schlag und zeigt sie: „Meine Tauben sind nicht die schnellsten, aber die treuesten“, sagt der Unternehmer im Ruhestand. „Sie haben alle ihren eigenen Charakter. Meine Kinder hatten immer viel Spaß im Umgang mit ihnen.“

Die Taubenzucht bedeutet über das Jahr viel Pflege und Arbeit

Ist er verhindert, werden die Tauben von seiner Tochter versorgt. Übernehmen will sie sie aber wohl nicht. Lenz kann das verstehen: „Der Taubensport ist sehr zeitaufwendig und urlaubsfeindlich, denn die meisten Wettflüge finden statt, wenn andere in den Urlaub fahren – im Juli.“ Er habe schon mehrfach beim Verband angeregt, die sogenannten Reisezeiten familienfreundlicher zu gestalten, vergeblich.

Überhaupt werden die Rahmenbedingungen für den Brieftaubensport immer schlechter, findet der Hildener Taubenvater Willi Mahnert, Besitzer von 50 Tauben und ebenfalls Mitglied der Reisevereinigung Hilden Rhein-Wupper. Auch er fände es gut, wenn Brieftauben nationales Kulturerbe werden würden: „Zurzeit haben die ja einen schlechten Ruf. Sie werden als Ratten der Lüfte bezeichnet und mit den Straßentauben gleichgesetzt.“ Das sei unfair, findet er, und zeuge von Ahnungslosigkeit: „Brieftauben sitzen entweder in ihrem Schlag oder sind in der Luft. Die hängen nicht auf Dächern herum und scheißen alles voll, so wie die Stadttauben.“

Mahnert, der seit Jahrzehnten Tauben züchtet und sie an Wettflügen teilnehmen lässt, macht sich allerdings keine Illusionen über die Zukunft seines Hobbys: „Früher war der Taubensport ein richtiger Volkssport. Es gab noch kein Fernsehen und kein Handy. Da hat man noch in die Luft geguckt. Heute haben die doch alle ein Handy vor der Nase.“ Die meisten hören auf, glaubt er und der Nachwuchs sei rar gesät. Er vertritt auch die These, dass die Tauben bei ihren Flügen durch Strahlen von Funkmasten irritiert werden und dann nicht mehr nach Hause finden.

Auf Initiative des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter ist das Brieftaubenwesen in NRW als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Gegen die Bewerbung als nationales Kulturerbe hagelte es Proteste: Die Wettflüge seien für die Tauben Quälerei, argumentieren Tierschützer. Viele würden sie nicht überleben. Daran seien die Greifvögel Schuld, die es wieder in großer Zahl gebe, sagen die empörten Taubensportler. Sie täten alles für das Tierwohl und würden ihre Lieblinge nicht überfordern: „Die kommen nur zurück wegen ihres Partners, der im Schlag auf sie wartet und wegen des guten Futters“, sagt Lenz. Ihm kommen nur selten Tauben abhanden. Seine ‚fliegen’ auf
Erdnüsse.