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Langenfeld: Sonja Wienecke ist neue Fachbereichsleiterin für Jugend, Schule und Sport im Rathaus

Fachbereichsleiterin im Langenfelder Rathaus : Neue Chefin für großes Amt

Die Stadtverwaltung meldet einen weiteren Neuzugang: Sonja Wie­necke ist die neue Leiterin für den Fachbereich Jugend, Schule und Sport. Sie zieht sechs Kinder groß und kennt die Freuden, Sorgen und Nöte von Müttern.

Sonja Wienecke spricht gerne in Bildern. „Mein Geheimnis ist, dass ich ganz viel Erfahrung im Rucksack habe“, sagt die 40-Jährige. Sie ist gelernte Diplomverwaltungswirtin, arbeitete ihr halbes Leben bei der Stadt Solingen. Und leitet jetzt im Langenfelder Rathaus den Fachbereich Jugend, Schule und Sport. „Ich weiß, was es heißt, Vollzeit zu arbeiten und Kinder zu haben. Wie das ist, nachts raus zu müssen, um ein Kind zu wickeln und morgens eine Powerpoint-Präsentation zu halten“, sagt sie. Sie lebt in einer Patchworkfamilie, zieht sechs Kinder im Alter zwischen neun und 20 Jahren groß. Die neue Chefin von insgesamt 280 Mitarbeitern des Fachbereich spricht leise und schnell.

Während ihrer Zeit in Solingen arbeitete sie lange im Bereich Soziales, war unter anderem mit den Bereichen Jugend, Gesundheit und Jobcenter befasst. Zuletzt leitete sie das Jugendamt. „Manche Situationen nehme ich mit und muss schon schlucken, wenn ich abends nach Hause fahre“, sagt Sonja Wienecke. „Es gibt Fälle, bei denen schwinge ich sehr stark mit.“ Was sich abspielt in den Amtsstuben, wenn es um nicht intakte Familien, um Kindeswohlgefährdung geht, wie groß der gesellschaftliche und auch der seelische Druck ist, der auf den Schultern der Verantwortlichen in den Behörden lastet, können sich nur wenige vorstellen. Sonja Wienecke erinnert sich an einen Vater, der sein Kind aus einer Pflegefamilie entführte und ins Ausland brachte. Und an ein vier Monate altes Mädchen, das vom eigenen Vater beinahe totgeschüttelt worden wäre. „Der Mann war sehr aggressiv, er hat mich beschimpft, sogar meine Autoscheibe eingeschlagen“, erzählt die 40-Jährige, „das war einer meiner ersten großen Fälle, mich hat all das sehr belastet.“

Ihre frühere Chefin in Solingen, die Beigeordnete Dagmar Becker, zuständig für das Ressort Jugend, Schule, Integration, Kultur und Sport, lobt den Neuzugang im Langenfelder Rathaus: „Mit Sonja Wienecke hat eine tolle und kompetente Mitarbeiterin und Kollegin das Jugendamt verlassen. Ich habe sehr gerne mit ihr zusammengearbeitet. Für Solingen ist der Wechsel auf jeden Fall ein Verlust, aber ein Gewinn für unsere Nachbarstadt.“ Auch Langenfelds Bürgermeister Frank Schneider (CDU) ist begeistert: „Solch einen Typus Mensch habe ich hier im Rathaus noch nicht erlebt.“ Die so Gelobte sitzt gut zwei Meter vom Bürgermeister entfernt und lächelt. Sie hatte sich in Langenfeld beworben. „Ich hatte immer mal wieder Kontakt zu meinem Vorgänger Ulrich Moenen und dabei festgestellt, dass wir eine ähnliche Haltung zu den Themen haben“, sagt sie. Außerdem sei sie beinahe jeden Tag von ihrem Zuhause in Baumberg zur Dienststelle in Solingen am Langenfelder Rathaus vorbeigefahren. „Ich finde, das ist eine schöne Stadt mit einer tollen Sozialstruktur. Und eine lebhafte Stadt, in der es viele gute Ideen gibt“, schwärmt sie.

Wenn es um Kinder geht, reagiert Sonja Wienecke emotional. Und zitiert Johann Wolfgang von Goethe: „Kinder brauchen Wurzeln und Flügel. Wir müssen ihnen Freiraum lassen und für sie da sein, wenn es darauf ankommt“, sagt sie. „Familie muss zum richtigen Zeitpunkt funktionieren.“ Sie selbst spricht mit großem Respekt von ihren Eltern: „Ich komme aus einfachen Verhältnissen. Mein Vater war bei der Feuerwehr, meine Mutter hatte als Altenpflegerin gearbeitet. Ich bin demütig und dankbar für das, was ich im Leben habe.“ Sie hat ein Abendstudium abgeschlossen, gilt als sehr gut organisiert und verantwortungsbewusst. „Ich sehe immer das große Ganze“, sagt sie. Bürgermeister Frank Schneider hört das gerne. Recht schnell wird klar, was es bedeutet, wenn Sonja Wienecke von einem Rucksack voller Erfahrung spricht: Lebensklugheit.