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Langenfeld So managt Familie Vollweiler die Corona-Krise

Auch mal raus : Die Vollweilers halten zusammen

Weil sie wegen Corona das Haus kaum verlassen, organisieren Liga und Dirk Vollweiler ihren Alltag zuhause, so gut es geht.

Eine Etagenwohnung mit Mini-Balkon, zwei Jungs (7 und 3) seit zwei Wochen ununterbrochen zu Hause, Papa schon drei Wochen im Kinderzimmer-Homeoffice, Mama musste ihre Umschulung zur Kauffrau unterbrechen – in Corona-Zeiten eine Herausforderung, der nicht jede Familie gewachsen wäre. Familie Vollweiler aus Langfort schon: mit Kreativität, Gelassenheit und der uneingeschränkten Zuwendung zu den beiden Söhnen.

„Den ganzen Tag im Schlafanzug rumgammeln wie am Wochenende gibt es nicht“, sagt Liga Vollweiler (38). Sie hat die Rolle der Lehrerin und Erzieherin in einer Person übernommen. „Um 9 Uhr sind alle fertig angezogen. Lars geht an den Wohnzimmertisch zum Basteln. Das ist seine Kita. Und Nils lernt mit mir. Wir haben eine kleine Tafel aufgestellt, das ist sein Unterricht.“ Der Siebenjährige, der in die zweite Klasse der Paulusschule geht, wäre lieber dort, mit seinen Freunden und seiner Lehrerin. „Mama macht das zwar ganz gut“, findet er, „aber die Lehrerin kann es einfach besser. Schließlich hat sie ja auch eine Ausbildung gemacht.“

Der dreijährige Lars vermisst die Kita nicht. Er genießt offenbar das Zusammensein mit den Eltern. Dass man nun auch während des Tages auf Papa zugreifen kann, mit ihm eine Partie Karten spielt, ihm das Lego-Bauwerk vorführen kann und schon ab 17 Uhr auf der Wiese am Wohnhaus Frisbee oder Fußball mit den Eltern spielt, gefällt beiden Jungen.

Die Eltern teilen sich die anfallenden Arbeiten auf

Und nicht nur ihnen. Auch der Papa, in einer Kölner Firma im Marketing für den ÖPNV tätig, schätzt die neue Situation. „Wenn die Kinder um 8 Uhr aus dem Haus wären, wäre das Homeoffice eine echte Alternative“, sagt er, nachdem er die Arbeitsversuche auf dem Küchenstuhl mit Laptop, Nacken- und Rückenschmerzen hinter sich gelassen hat. Mit einem großen Bildschirm seiner Firma und einem Bürostuhl ist er jetzt sehr zufrieden. In der Mittagspause kauft er für die Familie ein. „Dafür muss man zurzeit ja schon zwei Stunden einkalkulieren“, sagt er. Trotzdem schafft er sein Arbeitspensum und hat die Anfahrtszeit gespart.

„Wir haben uns direkt am ersten Tag der Kontaktsperre vorgenommen, dass wir weiterleben, wie bisher“, sagt Liga: „Und ich muss sagen, die erste Woche war richtig schön und entschleunigt. Allerdings vergessen wir nicht, dass wir in einer glücklichen Situation sind: Mein Mann kann von zuhause aus arbeiten und Geld verdienen, während ich mich um die Kinder kümmere.“ Im Hause Vollweiler wurde nie so viel gebastelt wie in diesen Tagen. Ostern ist da nur ein willkommener Anlass. Nils hat seiner Giraffe sogar eigenhändig einen Schal gehäkelt, den er genauso stolz vorzeigt wie den selbstgebauten Lego-Feuerwehrwagen.

Unterstützung bekommt der Schüler auch von seiner Klassenlehrerin, die täglich Links schickt mit Sport-Videos, Lern- und Beschäftigungsanleitungen und einmal wöchentlich mit der Klasse skypt, damit Schüler und Lehrer einander nicht vergessen. Das ist für den Siebenjährigen ein großer Moment. Und etwas liegt ihm ganz besonders am Herzen: das Weihnachtsfrühstück, das wegen der Krankheit der Lehrerin auf Ostern verlegt wurde, nun wegen Corona immer noch nicht stattfinden kann. „Das darf sie aber nicht vergessen“, sagt er.

Dass das Familienleben derzeit so glatt läuft, hängt aber von einem Faktor ganz besonders ab, betont Dirk Vollweiler. „Nämlich, dass wir raus können mit den Kindern, wenn es drinnen zu eng wird. Wenn wir nur in der Wohnung bleiben müssten, wäre das eine Katastrophe. Wenn es brenzlig wird, gehen wir an die frische Luft und können uns mal ein halbe Stunde abreagieren.“

Auch wenn der Familie das ungewohnt enge Zusammenleben weniger zusetzt als anderen, wünschen sich die Eltern, dass die Schule bald wieder losgeht. „Wir können einen Lehrer nicht ersetzen“, sagt Dirk Vollweiler.