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Langenfeld: So kommt die Dachbegrünung voran

Dachbegrünung zur Klimaverbesserung in den Städten : Der Weg zum grünen Dach

Seit einem Jahr gibt es in Langenfeld ein städtisches Förderprogramm für die Bepflanzung von Wohn- und auch Gewerbebauten. Oliver Krawczyk hat sein Garagendach begrünt.

Heiße Sommer und ausbleibender Regen belasten das Klima und die Menschen in den Innenstädten. Pflegeleichte Vorgärten mit Plattenbelag, öde Flachdächer, Asphalt statt Grün – all dies verschärft die Situation. „Stadtbegrünung“ soll Abhilfe schaffen. Städtische Klimaschützer, Planer und Gärtner arbeiten daran, bisherige Steinwüsten und Brachflächen aufzuhübschen, im Idealfall mit hitzebeständigen und bienenfreundlichen Gewächsen. So wie auf dem abgebildeten Garagendach von Oliver Krawczyk am Ulmenweg unterstützt die Stadt Langenfeld private Initiativen zur ökologischen Dachbegrünung seit Juli 2019 mit Zuschüssen aus einem Förderprogramm.

Nach Angaben des städtischen Klimaschutzkoordinators Jens Hecker sind dank dieses Programms bislang rund 600 Quadratmeter neues Grün in der Stadt entstanden. Nach der corona-bedingten Pause für etliche öffentlichkeitswirksame Kampagnen wolle das Rathaus für diese Förderung der Dachbegrünung noch einmal die Werbetrommel rühren. Oft sind es Hecker zufolge zunächst Garagen, die von umweltinteressierten Bürgern als „niederschwelliges Angebot“ wahrgenommen werden. „Das bedeutet: kein großes Gerüst und überschaubare Kosten.“ Durch Retentions- und Verdunstungseffekte begrünter Dächer soll zusätzlich der Abfluss des Regenwassers zeitlich verzögert und verringert werden. „Das entlastet Kanalisation, Kläranlage und Vorfluter“, ergänzt Hecker.

Auch Oliver Krawczyk am Ulmenweg entschied sich, den unattraktiven Kies auf dem Dach der Fertigbetongarage zu entfernen. Jetzt blickt er stattdessen aus seiner Wohnung in Stefenshoven auf eine blühende Fläche. Der auch handwerklich versierte Softwareentwickler beschäftigte sich indes nach eigenen Angaben fast ein Jahr lang intensiv mit dem Thema. „Ich kenne fast alle Anbieter und Hersteller.“

Hilfe geben Dachdecker oder Garten- und Landschaftsbauer

Die Standard-Lösung, Sedumsprossen in einem Granulat, wollte Krawczyk nicht. Er bestellte einen Bausatz, den er Anfang Mai selbst montierte.

Die größte Herausforderung war es nach seinen Worten, die in Säcken gepackten 950 Kilogramm Lava/Bims-Granulat aufs Dach zu bringen. Im Gegenzug schaffte Krawczyk die Kieselsteine eimerweise vom Dach. Dann pflanzte er einzeln rund 400 bienenfreundliche Pflanzen auf die rund 15 Quadratmeter Fläche. Die in der ersten Trockenphase notwendige intensive Pflege erleichterte eine direkt mitverlegte Bewässerung durch einen porösen Schlauch. Krawczyk investierte insgesamt rund 900 Euro, zwei Nachmittage plus die vorige Recherche. Sein Fazit: „Es hat Spaß gemacht“. Soviel Spaß, dass er am 14. Juni sogar ein Video über seine Begrünung in die sozialen Medien (Facebook-Gruppe Langenfeld) stellte.

Wer fachmännische Hilfe sucht, hat die Wahl zwischen Dachdecker und Garten- und Landschaftsbauer. Thomas Willmes, Innungs-Obermeister der Dachdecker, dessen Firma zuletzt das neue Dach der Kopernikus-Schule begrünte, bestätigt das zunehmende Interesse privater Kunden an umweltgerechter Dachbegrünung. Die erste Frage bezieht sich auf die Traglast der Dächer. Eine acht bis zehn Zentimeter dicke Granulatschicht, vollgesogen nach Regenfällen oder mit Schnee, ist nicht unproblematisch. Im Zweifel sollten an einer Dachbegrünung Interessierte laut Willmes den Hersteller fragen. „Auch die Abdichtung der Garage muss für diese Nutzung ausgelegt sein.“

Bezuschusst mit 50 Prozent der anerkannten Kosten wird über das städtische Förderprogramm die Dachbegrünung bei Neubauten und auch die Nachrüstung älterer Gebäude. Keinen Zuschuss gibt es für die zum Zeitpunkt der Bewilligung bereits begonnenen Dachbegrünungen; bei unzureichender Qualität; für im Bebauungsplan ohnehin festgesetzte Dachbegrünungen; für ausschließlich aufgestellte Pflanzkübel, Kiesschüttungen oder Dachterrassen mit Holz-oder Plattenbelag.