Langenfeld: Rettung auf „hoher See“

Langenfeld: Rettung auf „hoher See“

Übung: Für die Jugendfeuerwehr stand ein besonderer Einsatz an – auf einem See bei Gut Widdauen.

Langenfeld. Um 10.15 Uhr geht bei der Feuerwehr ein Notruf ein: "In einem See bei Gut Widdauen treibt eine leblose Person im Wasser." In Windeseile wird das Rettungsboot auf den Lkw der Feuerwehr geladen, und schon geht es los in Richtung Unglücksort. Dort angekommen, wartet bereits ein Augenzeuge, der die Feuerwehrleute an das Ufer des Sees führt.

Zum fünften Mal fand am Samstag der Berufsfeuerwehrtag der Langenfelder Jugendfeuerwehr statt. Dabei geht es für den Nachwuchs darum, einen Tag lang in den Alltag der "großen" Feuerwehrleute hineinzuschnuppern.

Dienstantritt war bereits um 8 Uhr in der Frühe. Nach einem kurzen gemeinsamen Frühstückging es auch schon raus zum ersten Einsatz auf Gut Widdauen. Dort sitzt dann jeder Handgriff, "Und das, obwohl ein solcher Einsatz in Langenfeld nur sehr selten vorkommt", sagt Dominic Brand. Der 23-Jährige ist selbst seit 13 Jahren bei der Feuerwehr und inzwischen Berufsfeuerwehrmann. Einen Wasserrettungseinsatz hatte er aber noch nie.

Mit einigen Kollegen beaufsichtigte er die Übung. "Es ist alles sehr gut gelaufen. So ein Einsatz kann aber auch schnell kompliziert werden, weil man auf fremden Gewässern nicht wissen kann, wie tief das Wasser ist und ob es starke Strömungen gibt. Sogar der Wind kann einem in die Quere kommen", so Brand. Das bekamen auch die Jugendlichen während der Übung zu spüren: Nachdem das Schlauchboot abgeladen, aufgeblasen und zu Wasser gelassen war, drifteten die beiden Nachwuchsretter immer wieder von ihrem Ziel, einem im Wasser treibenden Rettungsring, ab. Doch schließlich schafften sie es, erreichten den Reifen und zogen ihn ins Boot. Zurück am Steg, wurde der Rettungsring durch einen Dummy ersetzt, der nun den Platz des Patienten einnahm und ans andere Ufer gepaddelt wurde.

Enrico Lüdke ist seit zwei Jahren bei der Jugendfeuerwehr. Er saß mit Christian Hohenadel im Boot und paddelte kräftig gegen den Wind an. "Es war wirklich schwer, nah genug an die Person beziehungsweise den Rettungsring heranzufahren. Aber ich fahre selber gerne Boot - und da war das nach ein wenig Übung kein Problem", sagte der Elfjährige stolz. Er möchte später sein Hobby zum Beruf machen.

Darauf muss er allerdings noch einige Zeit warten. Denn Jugendliche werden erst mit 18 Jahren in die Berufsfeuerwehr aufgenommen. "Dann haben sie aber sofort den Status eines Feuerwehrmanns und sind nicht erst Anwärter", skizzierte Jan Wiesmann, der die Jugendfeuerwehr betreut.

Seltenheitswert haben bei der Feuerwehr immer noch die Frauen. Jessica Reiners (14) und Liz Sommer (17) waren beim Berufsfeuerwehrtag dabei und haben kräftig mitgeholfen. "Reiten tut jeder. Ich möchte lieber etwas tun, was auch anderen nützt", meinte Jessica Reiners.

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