Langenfeld/Monheim : Abstand und Hygiene sind Pflicht in Läden

Langenfelder und Monheimer konnten sich mit den Regeln in den Geschäften anfreunden, die seit Montag offen sind.

Die Kundin ruckelt noch an der Maske. Die Brille beschlägt. Die Buchtitel verschwimmen. So ganz klappt es noch nicht mit dem empfohlenen Mundschutz. Doch Gabi Schacknies, Mitarbeiterin in der Monheimer Bücherstube Rossbach, weiß Rat. „Sie müssen den Draht über der Nase zusammen biegen“, sagt sie. „Dann klappt das auch.“ Schacknies ist auch Brillenträgerin und weiß wovon sie spricht. Ihr Schutz sitzt perfekt unter den Gläsern. So wie der kleine Buchladen öffnen in beiden Städten etliche Geschäfte nach der corona-bedingten wochenlangen Zwangspause. Die von Kritikern der Lockerungen heraufbeschworenen Bilder von Massen leichtsinniger oder rücksichtsloser Kunden bewahrheiten sich am Montag in beiden Städten nicht. In der Langenfelder City muss der Publikumsmagnet H&M wie C&A, Kult, Kik sowie der Elektrohändler Euronics wegen der vorgeschriebenen Maximalgröße von 800 Quadratmeter vorerst noch nicht öffnen. Dort, wo der vor einem Monat eingestellte Verkauf wieder startet, geht es gesittet zu.

So wie im Kochshop an der Langenfelder Hauptstraße, wo Filialleiterin Manuela Saul hinter einer Acryglasscheibe an der Kasse steht. „Alle Kunden haben sich heute rücksichtsvoll verhalten und sind auf Abstand geblieben“, berichtet Saul am Nachmittag. Maximal zehn Menschen dürfen sich in dem Haushaltswarenladen aufhalten, steht auf einem Plakat. Wie bei anderen Läden in der Langenfelder City können sich die Kunden am Eingang die Handflächen mit einem Desinfektionsmittel einreiben. Das Geschäft sei im Kochshop gut angelaufen, berichtet Saul. „Neben Töpfen und Geschenkartikeln habe ich heute sogar schon eine große Küchenmaschine verkauft. Viele Kunden hatten sich unser Sortiment zuvor durchs Schaufenster angesehen.“

Zum Selbstschutz und als Zeichen der Rücksichtnahme auf andere Menschen tragen viele Kunden einen Mundschutz. Petra Gärtner hat ihre hellblaue Baumwoll-Maske selbst genäht, sagt sie, nachdem sie mit einem Krimi und einem Kochbuch die Thalia-Filiale in der Stadtgalerie verlassen hat. „Ich wäre froh, wenn wirklich alle Menschen in den Geschäften einen Mundschutz tragen würden.“ Maximal 15 Kunden dürfen sich in der Buchhandlung aufhalten. Weil sie sich vor dem Stöbern einen der insgesamt 15 Einkaufskörbe nehmen müssen, lässt sich das leicht kontrollieren.

Aus der oberen Etage betrachtet Stadtgalerie-Managerin Nadine Schorn gemeinsam mit Ordnungsamtsleiter Christian Benzrath und Citymanager Jan Christoph Zimmermann eine lange Menschenschlange neben Thalia. Deren Ziel ist die Postagentur und der Rückstau erschwert den vorgeschriebenen Abstand vor anderen Ladeneingängen. „Damit sich nicht zu viele Menschen gleichzeitig in der Stadtgalerie aufhalten, haben wir schon den Zugang am Rathaus geschlossen“, sagt Schorn. An den Eingängen Galerieplatz und Kurt-Schumacher-Straße passt ein Wachdienst auf, dass es nicht zu eng wird. Und den Aufzug zur Tiefgarage dürfen nur jeweils zwei Personen nutzen.

„Mit mir dürfen sich in unserem Geschäft insgesamt vier Personen aufhalten“, sagt im Schuhladen Tamaris Verkäuferin Mareike Betzgen.

Alice Schmidt wiegt Teeblätter in ihrem Monheimer Laden. Foto: RP/Heike Schoog

Nach den Einbußen und der lange bestehenden Ungewissheit über den Neustart sei sie jetzt guter Dinge. Noch sei das Geschäft verhalten. „Wir warten jetzt auf die Lieferung von Sandalen.“

In der Monheimer Bücherstube sind noch die Handwerker aktiv. „Der Spritzschutz an der Kasse kommt noch im Laufe des Tages“, erläutert Schacknies und desinfiziert das EC-Kartenlesegerät. In der Bücherstube sind nicht nur die Kunden froh, dass sie sich vor Ort wieder beraten lassen können.

„Wir freuen uns auch, unsere Kunden wieder zu sehen“, sagt Linda Rossbach, die sich gerade mit dem Handwerker berät. Während bei Rossbach die Kunden ein und aus gehen – drei dürfen gleichzeitig im Laden sein – ist es bei Vicenza Lifestyle am Montagmorgen noch ruhig. Dafür nutzt im Teeladen eine Kundin die Gelegenheit, diverse Sorten Tee einzukaufen, die helfen sollen, den Blutdruck zu senken. „Ich darf bei Krankheiten allerdings nicht beraten“, sagt die neue Inhaberin Alice Schmidt, die erst Anfang März das Lädchen übernommen hat. Auch wenn sie gleich nach der Übernahme ihr Geschäft erst einmal wieder schließen musste, ist sie optimistisch: „Ich habe mir ein Lastenfahrrad gekauft und den Tee ausgefahren. Es gab viele online Bestellungen, auch Geschenke-Sets waren vor Ostern sehr gefragt.“ Gegenüber der Baustelle für den Monheimer Gesundheitscampus stehen die Kunden vor den Türen des Sanitätshauses, warten, bis sie reingeholt werden. Im Rathauscenter ist die Schlange vor dem Lottogeschäft lang. In der Boutique Bianco schauen die Kundinnen an den Ständern. Wer etwas kauft, bekommt einen Schal geschenkt. „Die Kunden sind diszipliniert“, sagt Verkäuferin Sarah Blaesing. Im Monheimer Tor ist ebenfalls mehr Leben als sonst. Allerdings haben dort Woolworth und Depot nicht geöffnet. In Langenfeld sind diese beiden Filialisten bereits am Start.