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Langenfeld Monheim Wenn sich der Corona-Gast als Mickey Maus ausgibt

Langenfeld/Monheim : „Hoffen, dass es etwas bringt“

Die Corona-Vorschriften sind komplex. Die meisten Gastronomen haben sie verinnerlicht. Manche Gäste nehmen sie dagegen wenig ernst.

Giuseppe Catania stammt aus einem Land, das von Corona besonders schlimm betroffen ist. Nicht nur deshalb ist das Einhalten der Hygiene-Regeln in seinem Eiscafé Florenz am Langenfelder Marktpatz eine Selbstverständlichkeit für ihn. Auch nach einem halben Jahr lästigen Alltags mit der Pandemie. Die Ordner mit den Adressen seiner Gäste hat er griffbereit. Vier Wochen muss er sie aufbewahren. Kartons voller neuer Zettel stapeln sich übereinander. „Natürlich ist das viel Arbeit, das ständige Desinfizieren der Stühle und Tische nach jedem Gast“, sagt er. „Es geht eben nicht anders. Wir hoffen, dass es etwas bringt.“ Immerhin ist er froh, dass er sich mit seinen Außensitzplätzen terrassengebührenfrei ausbreiten konnte. „Ich habe genau so viel Plätze wie vor Corona“, sagt er. Nachlässigkeiten erlaubt er sich da auf keinen Fall.

Auch Frank Clement, Chef der Monberg-Gastronomie in Monheim, und seine Mitarbeiter nehmen die Auflagen nach wie vor ernst. „Schließlich sollen die Gaste sich hier sicher fühlen“, sagt Clement. In den nächsten Tagen dürften harte Zeiten auf das Service-Personal zukommen. Mit Maske bei 38 Grad zu bedienen ist sicher kein Vergnügen. „Wir haben genug Masken, die immer wieder ausgewechselt werden“, sagt Clement, „natürlich läuft hier keiner mit einem patschnass geschwitzten Mundschutz rum.“

Ohne Mund-Nasen-Schutz gibt es keine Getränke

Außerdem bewege sich das Personal ausschließlich im Schatten. Nachlässig sei höchstens mal der ein oder andere Gast, der ohne Mundschutz an der Bar stehe. „Meist hat er ihn nur vergessen. Aber ohne Schutzmaske gibt es keine Getränk“, sagt der Chef. „Beim Personal macht sich keine Ermüdungserscheinung breit“, betont er. „Im Gegenteil. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wir haben die Regeln verinnerlicht.“ Zum Glück gebe es auf dem Monberg genug Platz, um auseinanderzurücken, und fast immer eine frische Brise, die die 150 Plätze umweht. Auch Toiletten gebe es genug, in sicherem Abstand zueinander.

In der Küche wurde schon vor Corona etwas umorganisiert. Handgespülte Gläser seien tabu. Sie werden alle bei 60 Grad in der Maschine gesäubert. Und Gäste-Kontrollen am Eingang verhindern, dass die erlaubten Zahlen überschritten werden. Mit den Aussagen der beiden Gastronomen aus Langenfeld und Monheim decken sich auch die Erfahrungen der Ordnungsamtsleiter der beiden Städte: „Ja, es klappt flächendeckend“, sagt Anke Bitsch aus Monheim. „Am Anfang war es für viele Wirte noch ungewohnt, sie waren irritiert und nicht so gut eingespielt. Aber jetzt gibt es keine Probleme mehr.“

Christian Benzrath, Ordnungsamtsleiter in Langenfeld, weiß von einzelnen Ignoranten unter den Langenfelder Gastwirten, die immer mal wieder auffallen, weil sie keine Kontrollzettel ausfüllen lassen oder die Maske mal vergessen. „Eigentlich sind es immer dieselben“, sagt er. Gemeldet werden sie meist von verärgerten Gästen, „die dort aber trotzdem essen“, sagt Benzrath. „Das verstehe ich nicht.“

Manch ein Bürger zeigt die schwarzen Schafe auch anonym an, weil er seinen Lieblings-Kneipier nicht vergrätzen will. Bei jedem Verstoß steigt die Strafgebühr bis in den vierstelligen Bereich und letztlich könne auch die Schließung drohen, weil so ein Gastwirt nicht als zuverlässig angesehen werden könne, warnt Benzrath. „Im Großen und Ganzen funktioniert aber alles“, betont Benzrath. Das ergeben ständige Stichproben-Kontrollen seiner Mitarbeiter. Wer die Gefahr des Virus manchmal nicht so ganz ernst nehme, seien dagegen die Gäste. „Da finden sich auf den Adresszetteln dann schon einmal Mickey Maus und Donald Duck“, sagt Benzrath. Auch das Anmahnen solcher Angaben muss der Gastwirt übernehmen. „Der Aufwand in den Lokalen ist schon enorm hoch“, räumt der Amtschef ein.