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Langenfeld/Monheim: Glyphosat - Städte zögern mit Verbot

Umstrittener Unkrautvernichter : Glyphosat: Städte greifen kaum ein

Die Landeshauptstadt greift in bestehende Pachtverträge ein. Langenfeld geht das Thema defensiv an.

Der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat gerät in NRW immer mehr in die Defensive. Viele Kommunen in NRW verzichten bereits seit längerem auf den Einsatz des Herbizids auf eigenen Grünflächen. Immer mehr Städte schreiben das auch bei der Verpachtung von Ackerflächen in ihrem Besitz vor. Die Stadt Düsseldorf nimmt dies auch in Nachträge zu bereits abgeschlossenen Verträgen auf: In denen verpflichtet sie die Pächter, keine Herbizide mit dem Wirkstoff Glyphosat auf den überlassenen städtischen Flächen einzusetzen. Das müssen sie auf Verlangen auch nachweisen. Wer gegen das Verbot verstößt, riskiert nicht nur eine Vertragsstrafe von bis zu 3000 Euro pro Glyphosat-Einsatz, sondern möglicherweise auch eine außerordentliche Kündigung. Mit 40 Pächtern habe man bereits eine Einigung über den Verzicht auf Glyphosat erzielen können, heißt es seitens der Stadt. Dies betreffe 74 Prozent der städtischen Ackerflächen. Mit den übrigen Pächtern liefen noch Verhandlungsgespräche über diese Nachträge.

In Langenfeld geht man mit dem Thema deutlich defensiver um. „Die Landpachtverträge sind nach dem BGB besonders geschützt, die müsste man alle kündigen – bei zwei Jahren Kündigungsfrist“, sagt Peter Petersen, kommissarischer Leiter des Ressorts Liegenschaften. Nur in neu abzuschließende Pachtverträge werde inzwischen ein Verbot, Pestizide und Herbizide zu nutzen, aufgenommen. „Wenn wir einen Hebel ansetzen können, machen wir es fest“, versichert er. Insgesamt aber sei die Verfügungsgewalt der Kommune sehr begrenzt. Die Stadt habe sich durch die Ausweisung neuer Gewerbegebiete von vielen ihrer landwirtschaftlichen Flächen trennen müssen, weil sie den betroffenen Landwirten im Tausch eigene Flächen anbieten musste. Die verblieben Flächen seien so klein, dass sie kaum eigenständig bestellt werden könnten.

Ortslandwirt Josef Aschenbroich geht beim Thema „Glyphosat“ regelrecht der Hut hoch: Man rede hierbei über ein Pflanzenschutzmittel, das überhaupt nur im Notfall eingesetzt werde, betont er. Heutzutage strebe man eine pfluglose Bodenbearbeitung an, um nicht wichtige Mikroorganismen und Bodenfauna zu zerstören. Zur Vorbereitung der neuen Saat werde der Boden zur Unkrautbeseitigung nur gestriegelt, die unerwünschten Kräuter werden dadurch mit Erdreich verschüttet oder
ausgerissen.

Wenn sich dann nach der Aussaat wegen feuchter Witterung eine neue Krautschicht bildet, werde Glyphosat eingesetzt, gerade mal ein Liter pro Hektar, um den Pflanzensamen so einen Wachstumsvorsprung zu geben. Nicht nennenswert also verglichen mit den riesigen Mengen, die in Argentinien per Flugzeug über den Feldern mit genmanipuliertem Soja ausgebracht werden, sagt Aschenbroich. Oder der Deutschen Bahn, die als größter Einzelverbraucher 75 Tonnen Glyphosat im Jahr einsetzt, um ihr Schienennetz unkrautfrei zu halten. „Aber alles Übel wird auf die Landwirte geschoben“, ärgert er sich. Auch in Langenfeld sei das Thema Glyphosatverbot mal gesprächsweise hochgekommen, aber auch wegen der einwandfreien Wasserwerte des Verbandswasserwerks wieder „vom Tisch“, sagt er. Ohnehin sei es schwer, die städtischen Flurstücke mitten im Feld zu identifizieren.

Die Stadt Monheim besitzt „nur in untergeordnetem Maße“ Flächen, die für landwirtschaftliche Zwecke verpachtet werden können, teilt Michael Lobe, zuständig für Liegenschaften, mit. Inwieweit in die langfristig laufenden Pachtverträge eingegriffen werden könnte, müsste juristisch geprüft werden. Lobe betont, dass ihm jedoch derzeit kein Auftrag des Stadtrates vorliege, das zu prüfen. Neuverpachtungen stünden derzeit absehbar nicht an.