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Langenfeld/Monheim: Autisten lernen, Signale anderer zu verstehen

Monheim: Autismus – eine Störung die das ganze Leben prägt : Wie Autisten Signale zu verstehen lernen

Jennifer Weber und Tabea Gall vom Intensivpädagogischen Dienst unterstützen Kinder und Jugendliche mit der Diagnose Autismus.  Am 14. Februar ist Autismus-Sonntag für Menschen mit dieser Entwicklungsstörung.

Die Diagnose „Autismus“ kann für Betroffene beides sein: Hiobsbotschaft oder enorme Erleichterung, endlich zu wissen, warum man so anders ist als die Klassenkameraden. Und, warum man keinen Kontakt zu ihnen bekommt, ihre Signale einfach nicht verstehen kann. „Autismus ist eine biologisch-genetische Krankheit. Sie ist nicht heilbar“, sagt die Sozialarbeiterin Jennifer Weber. Die 30-Jährige ist beim Intensivpädagogischen Dienst Bergisch Land – mit Hauptsitz in Langenfeld – Koordinatorin für die Autismustherapie. „Wir unterstützen Kinder und Jugendliche dabei, damit leben zu lernen“, ergänzt Standortleiterin Tabea Gall (25).

Bandbreite vom frühkindlichen Autismus bis Asperger Syndrom

Die Diagnose „Autismus“ deckt ein breites Feld ab. Sie reicht von frühkindlichem Autismus über den atypischen Autismus bis zum Asperger Syndrom. Deshalb sprechen die Fachleute heute auch von „Autismus-Spektrum-Störungen“, berichten Gall und Weber. Betroffen ist die Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung. Das wirkt sich auf die Entwicklung des sozialen Miteinander aus, auf die Kommunikation und das Verhalten.

In den Räumen an der Hardt 25 sind aktuell 21 Kinder und junge Erwachsene von sechs bis 17 Jahren in der Therapie. „Die Patienten aus Hilden, Monheim, Solingen und Langenfeld kommen zu uns, wenn ein Kinderpsychiater, die Autismus-Ambulanz der Uni Köln oder ein Sozialpädiatrisches Zentrum eine entsprechende Diagnose gestellt haben.“

Jennifer Weber schaut sich genau an, was jedes Kind kann und wo Defizite sind. „Dann wird ein ganzheitlicher Förderplan entwickelt.“ So wie bei Florian (Name geändert). Der zehnjährige Junge leidet unter frühkindlichem Autismus, hat aber keine intellektuelle Beeinträchtigung. Er kommt seit rund einem Jahr regelmäßig. Die 30-Jährige hat sich den Jungen in vielen alltäglichen Situationen angeschaut. Sein größtes Handicap sei es, mit anderen Kindern in Kontakt zu kommen. „Das schlägt sich auch auf die Psyche nieder.“ Und die Mitschüler ärgerten ihn, weil sie sein Verhalten seltsam fänden. Gemeinsam mit sechs weiteren Jungen im gleichen Alter lerne er in einem geschützten Rahmen seine Gefühle auszudrücken und mache gute Fortschritte. Er werde Emotionen zwar nie so fühlen wie andere, aber er übe, sie für sich zu übersetzen und angemessen zu kommunizieren, sagt Jennifer Weber. Gerade in der Schule stünden Kinder mit einer Autismus-Spektrum-Störung „permanent unter Stress, weil sie nicht verstehen, was die anderen von ihnen wollen“. Sie müssten sich deshalb dauernd in Acht nehmen. Jungen sind drei bis viermal häufiger betroffen als Mädchen. Sechs bis sieben Menschen von 1000 leiden unter einer der Autismus-Spektrum-Störungen. Asperger Syndrom kommt mit ein bis drei Personen auf 1000 eher selten vor.