Langenfeld: Kerstin Mühlhausen bietet Erste Hilfe für Familien in Not

Langenfeld: Kerstin Mühlhausen bietet Erste Hilfe für Familien in Not

Der Rat der Sozialpädagogin des SkF ist gefragt. Sie versteht sich als Anwältin der Kinder.

Langenfeld. Die Trennung von ihrem Mann hat Tina S. (Name geändert) aus der Bahn geworfen. Mit ihrer knapp zwei Jahren alten Tochter und dem dreijährigen Sohn stand die junge Frau plötzlich ganz alleine da.

Wie nahezu jede zweite alleinerziehende Mutter ist sie auf Hartz IV angewiesen. Doch mit dem Geld kam S. nur jeweils bis zur Monatsmitte aus. Das ist jetzt anders. Seit September steht ihr Kerstin Mühlhausen (45) von der Familienhilfe des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) zur Seite.

"Ich habe ihr erklärt, warum es wichtig ist, Quittungen zu sammeln, und wie man ein Haushaltsbuch führt", sagt die Sozialpädagogin und Familiensozialtherapeutin. Tina S. habe alle Ratschläge, auch die zum Vorlesen und festen Essens- und Schlafenszeiten für die Kinder, übernommen.

"Das passiert nicht so oft", sagt Mühlhausen. Sie arbeitet seit zehn Jahren beim SkF und hilft jährlich rund einem Dutzend Familien auf den Weg zur Selbsthilfe. "In der Regel begleite ich sie eineinhalb bis zwei Jahre", so die Mutter eines 16-jährigen Sohnes.

Mühlhausen kommt zum Einsatz, wenn Familien und Alleinerziehende mit der Erziehung der Kinder oder der Bewältigung des Alltags überfordert sind und sich deshalb an den Allgemeinen Sozialen Dienst der Stadt oder des SkF wenden. Das Jugendamt, das Diakonische Werk Leverkusen und der SkF finanzieren Mühlhausens Arbeit.

Ausschlaggebend für den Wunsch nach professioneller Hilfe können Konflikte nach Trennung und Scheidung, aber auch Überschuldung, Schwierigkeiten mit der Haushaltsführung und bei der Wohnungssuche sein.

"Häufig handelt es sich um Schulprobleme bis hin zur Vernachlässigung der Kinder", sagt Mühlhausen. Für sie geht mit der steigenden Arbeitslosigkeit ein wachsendes Konfliktpotenzial einher. "Derzeit gibt es zwei Familien, die sich noch etwas gedulden müssen, bis ich sie besuchen kann", deutet Mühlhausen ausgeschöpfte Kapazitäten an.

"Als erstes bespricht man die Probleme, danach wird gemeinsam nach Lösungen gesucht. Dabei ist viel Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt. Es geht um kleine Schritte, Wunder darf man nicht erwarten", so Mühlhausen.

Beispielsweise könnten Mütter und Väter beim Kuchenbacken und Spielen mit ihren Sprösslingen leicht erkennen, dass Liebe und Vertrauen die Basis für eine positive Entwicklung darstellen. Mühlhausen: "Ich arbeite mit den Eltern daran, ihre Kinder besser zu verstehen." Dafür müssten die Eltern lernen, aktiv zuzuhören.

Obwohl sie erkannt hätten, dass sie Hilfe benötigen, falle es den Familien schwer, diese anzunehmen. Erst recht, wenn mit Kleidung und Lebensmitteln ausgeholfen werde. Manchen Kindern würde die Teilnahme an Kursen ermöglicht. "Das können wir aber nur mit Spenden leisten", so die Familienhelferin.

Sie ist nun auch als "Verfahrensbeistand" anerkannt. Das heißt, dank einer Zusatzausbildung tritt Mühlhausen beim Ringen ums Sorgerecht vor Gericht als Anwältin der Kinder auf. "Eltern verlieren im Streit oft den Blick für die Interessen ihres Kindes", sagt sie.

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