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Langenfeld: Günter Herweg tritt als Bürgermeisterkandidat an

Langenfeld : Herweg fordert Klimabilanz

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen sitzt seit 20 Jahren im Stadtrat und kämpft dort für Klimaschutz, Digitalisierung und bezahlbare Wohnungen.

Günter Herweg nutzt für kurze Wege in die Innenstadt am liebsten das Fahrrad. Von Berghausen, wo der Fraktionsvorsitzende der Grünen lebt, sind es nur wenige Minuten. Und deshalb freut er sich, wenn die Fahrradstreifen in der Stadt überall so gut ausgebaut würden wie auf dem Teilstück der Richrather Straße zwischen Theodor-Heuss-Straße und Fahlerweg. Das ist aber oft nicht so. Und leider hört die Markierung dann auch unerwartet auf, Autos parken als Hindernis am Straßenrand. „Wenn man in Langenfeld die Verkehrswende will, kann man es nicht allen Recht machen“, sagt der 71-Jährige. Doch selbst Autofahrer hätten Probleme, sich mit der unübersichtlichen Situation an der Richrather Straße zurecht zu finden. Herweg tritt am 13. September bei der Kommunalwahl als Bürgermeisterkandidat für die Grünen in Langenfeld an. Ein besseres Verkehrskonzept, Klimaschutz, bezahlbare Wohnungen und der Ausbau der Digitalisierung gehören zu seinen Schwerpunktthemen.

 Der promovierte Chemiker, der freiberuflich als Datenschutzbeauftragter und in der Qualitätskontrolle arbeitet, zog 1986 nach Langenfeld und fühlt sich hier sehr wohl. „Ich schätze die Übersichtlichkeit, die kurzen Wege, und der Verkehr ist nicht so stark wie in der Großstadt.“ Er genießt das für eine Stadt dieser Größenordnung „sehr gute“ kulturelle Angebot im Schauplatz. Kabarettisten und Comedians wie Wilfried Schmickler, Herbert Knebel oder Carolin Kebekus gehören dort zu seinen Favoriten. Aber er bedauert, dass die Stadt hinter ihren Möglichkeiten zurück bleibe. Herweg vermisst bei Amtsinhaber Frank Schneider innovative Ideen. „Ich habe das Gefühl, im Rathaus wird nur noch verwaltet“ und wenig Neues angestoßen.

Die Stadt brauche eine Wohnungsbaugesellschaft, „die unabhängig von Investoren agieren kann“. In der Stadt fehlten bezahlbare Wohnungen. 2010 habe es noch über 1400 Sozialwohnungen gegeben, 2016 seien es 1200 gewesen, und der Landesbetrieb it nrw schätze, dass die Anzahl bis 2030 sogar noch auf 620 falle. „Wir brauchen aber mindestens 1200.“ Es reiche nicht, dass der Bürgermeister städtische Grundstücke günstig an Investoren abgebe, die dort nur eine geringe Anzahl von Sozialwohnungen errichteten.

Auch der Digitalausbau geht dem Bürgermeisterkandidaten der Grünen zu langsam voran. Das sei ein Problem für die Kommunikation zwischen Rathaus, Bürgern und Unternehmen. „Man kann Formulare herunterladen, mehr nicht“, kritisiert er. „Das ist kein wirklicher Austausch.“ Beim Klimaschutz passiere ebenfalls zu wenig. „Es gibt kaum konkrete Maßnahmen, außer vielleicht Elektro-Autos für die Verwaltung anzuschaffen“, sagt er und stellt fest: Da kann man viel mehr machen.“ Er schlägt beispielsweise vor, endlich eine Klimabilanz für die städtischen Gebäude zu erstellen. „Wir haben schließlich seit 2012 ein Klimaschutzkonzept.“

Förderung für Solaranlagen
und Altbausanierungen

Außerdem wünscht sich der Fraktionsvorsitzende, der seit 20 Jahren im Stadtrat Politik mitgestaltet, Förderprogramme für Solarinstallationen sowie Altbausanierungen. Solche Programme müsse die Stadt endlich anstoßen und auch die Stadtwerke mit ins Boot holen. Ziel sollte es außerdem sein, Neubauten klimaneutral zu ­errichten.

Wenn Herweg Bürgermeister wäre, würde er die Kinderbetreuung und den offenen Ganztag an den Grundschulen ausbauen. Die Schulen, so sagt er, „sind baulich gut aufgestellt“. Doch für die Nachmittagsbetreuung gebe es lange Wartelisten. „Jeder vierte Schüler hat keinen OGS-Platz.“ Ähnlich sehe es bei den Kindertagesstätten aus: „Die sind gut, decken den Bedarf aber nicht ab. Uns fehlen noch drei bis vier Einrichtungen.“ Er kann sich vorstellen, wie beim Kinderzentrum Kunterbunt geschehen, weitere Freie Träger mit ins Boot zu holen. Das Kinderzentrum betreibt zwei Kitas in der Stadt.

Obwohl die Grünen viele ihrer Anträge im Stadtrat wegen der CDU-Mehrheit nicht haben durchsetzen können, „haben wir uns immer wieder aufgerappelt und sind motiviert bei der Sache geblieben“, zieht der Politiker eine Bilanz der zu Ende gehenden Ratsperiode. Durchgesetzt habe sich aber nach einer längeren Anlaufphase der Grünen-Antrag, einen Fußgängerüberweg an der Stadthalle einzurichten. Und auch der Schnellbus von der Turnerstraße bis zur Universität in Düsseldorf sei von seiner Fraktion angeregt und jetzt umgesetzt ­worden.