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Langenfeld: Drei Stunden im Krankenhaus bis zur Herzinfarkt-Diagnose

Langenfeld : Herzinfarkt: Patient wartet drei Stunden

Ein Monheimer suchte mit stechenden Schmerzen in der Brust die Notfallambulanz des Richrather Krankenhauses auf.

. Kurz vor Weihnachten erlitt der Monheimer Matthias K. einen Herzinfarkt. Drei Stunden habe es im Richrather Krankenhaus St. Martinus gedauert, bis die Diagnose stand und eine Behandlung erfolgte, behauptet der 43-Jährige. Das Krankenhaus nimmt „aus Gründen der ärztlichen Schweigepflicht“ zu diesem Vorwurf nicht Stellung. Die im Hause erfolgte Behandlung von Herrn K. „war korrekt und ist als adäquat zu bewerten“, schreibt Marion Topola aus dem Büro des Verwaltungsdirektors. Es sei an dem Patienten eine umfangreiche Diagnostik durchgeführt worden. Nach Kenntnis aller Werte habe sich herausgestellt, dass eine Verlegung in eine Fachklinik notwendig war.

Auch um den Standort des St.-Martinus-Krankenhauses und der Notfallpraxis in Langenfeld zu erhalten, unterstützt die Stadt die Einrichtung einer Portalpraxis. Dort soll eine Ersteinschätzung der eintreffenden Patienten vorgenommen werden. In der zentralen Notaufnahme (ZNA) der Klinik werden die Patienten derzeit je nach Dringlichkeit der Behandlung in Kategorien mit maximalen Wartezeiten eingeteilt. Nach dem so genannten Manchester-Triage-System ordnet die Fachkraft am Tresen ausgehend von der Hauptbeschwerde, wie etwa Thoraxschmerz, und weiteren Indikatoren den Patienten einem „Präsentationsdiagramm“ zu.

Das klappt aber wohl nicht immer zuverlässig, wie besagter Patient aus Monheim feststellen musste. Der 43-Jährige leidet nach eigenen Angaben seit zehn Jahren unter Diabetes Typ II und sei schon des öfteren im St.-Martinus-Krankenhaus behandelt worden. Am Montag, 23. Dezember, um 6 Uhr morgens, suchte Matthias K. die ZNA wegen eines stechenden Schmerzes in der Brust auf. An der Empfangstheke gab er an, dass er die Schmerzen auf eine Lungenentzündung zurückführe. Nach 20 Minuten Wartezeit in der ansonsten leeren Ambulanz begab sich der beunruhigte K., wie er selbst es schildert, auf die Suche nach einem Arzt. „Ich habe mich so geschwächt gefühlt, dass ich mich kaum auf den Beinen halten konnte.“ Er sei dann angewiesen worden, sich zunächst in den OP-Wartebereich zu setzen, wo ihm ein Rollstuhl zur Verfügung gestellt wurde.

Etwa 45 Minuten nach seiner Ankunft sei er dann als Patient wahrgenommen, berichtet der Monheimer, in ein Behandlungszimmer gebeten und nach seinen Beschwerden gefragt worden. Ihm wurde Blut abgenommen, ein EKG gemacht. Es hieß, es könne bis zu einer Stunde dauern, bis die Ergebnisse der Blutuntersuchung vorliegen. Währenddessen sollte er sich für zwei Thoraxaufnahmen in die Radiologie begeben. Bei der externen Praxis 360° habe er weitere 30 Minuten warten müssen, berichtet der Monheimer. Zurück in der ZNA wurde er in einen Behandlungsraum gelotst, wo ihm mitgeteilt worden sei: „Da ist etwas mit Ihrem Herzen.“ Als ihm eröffnet wurde, dass er zur weiteren Beobachtung im Krankenhaus bleiben sollte, entstand dem Vernehmen nach ein Streit. Denn der Monheimer wollte mit einem bereits gelegten Zugang das Krankenhaus verlassen, um sich Übernachtungssachen zu besorgen. Der Patient sei wegen seiner „Maulerei“ zurechtgewiesen worden. Dieser beklagte sich, dass man ihn so aufrege und ging zur Klinikverwaltung, um sich über unfreundliche Behandlung und lange Wartezeit zu beschweren.

Erst um 9 Uhr, so berichtet K., lagen die Blutergebnisse vor, wonach seine Troponinwerte – Indikatoren für einen Herzinfarkt – sehr hoch waren. Daraufhin, so K., sei es um ihn herum sehr hektisch geworden. Er sei umgehend ins Benrather Krankenhaus gebracht worden, wo ihm noch am selben Tag ein Stent gesetzt wurde. Die Pumpfunktion des Herzens habe nur noch bei 35 bis 40 Prozent gelegen, so sagt er.

Die Schilderung sei ein krasses Beispiel dafür, wenn es richtig schief läuft“, findet Jürgen Brüne, Ratsfraktionschef der Langenfelder CDU. Von solchen Fällen höre man leider immer wieder. Er selbst habe schon mit seinem Vater, der in sehr schlechter Verfassung war, lange in der Notaufnahme ausharren müssen. „Die Situation in der Ambulanz hat sich seit der Schließung des Monheimer Krankenhauses verschärft“, so Brüne. Sie sei ständig überfüllt. Auf einen im Stadtrat beschlossenen CDU-Antrag hin gewährt die Stadt der Klinik einen Zuschuss für den Umbau zur Portalpraxis; das Krankenhaus müsse für ausreichend Personal sorgen. „Als Patient möchte man in einer Notsituation sicher beurteilt werden.“