Langenfeld: Don-Bosco-Schule - Ein Krückenlauf auf Probe

Langenfeld: Don-Bosco-Schule - Ein Krückenlauf auf Probe

Die Grundschüler versetzten sich auf Einladung der Weik-Stiftung in die Lage von Menschen mit einer Behinderung.

Langenfeld. Der "ganz normale Tag" war keiner. Denn die knapp 300 Kinder der katholischen Don-Bosco-Schule erfuhren gestern, wie sich Gehandicapte fühlen. In der Turnhalle sahen sie auch einen Mitschüler mal mit ganz anderen Augen: Samuel Küppers aus der Klasse 4a. Vor zwei Jahren war der Junge verunglückt. Seitdem sitzt er im Rollstuhl. "Das kann ja richtig Spaß machen", entdeckte Lukas aus der 1a. Er meinte das gemeinsame "Um-die-Wette-fahren" im Rollstuhl. Die Kinder erlernten es unter Anleitung von Samuels Mutter Marion. So wusste Lukas bald, dass Rollstuhlfahrer sein Mitleid nicht nötig haben. Nur manchmal seine Hilfe.

"Ein ganz normaler Tag" heißt die Aktion der "Elisabeth und Bernhard Weik-Stiftung". Im vergangenen Jahr wurde sie ins Leben gerufen, um Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen abzubauen. Grundschüler sollen ferner eine Ahnung erhalten, wie sich das Körpergefühl durch ein Handicap verändert. "Dann hören Hänseleien auf", hofft Stiftungsgründer Bernhard Weik.

An der Don-Bosco-Schule wurden die Klassen eins bis vier von ihren Lehrern auf diesen Tag vorbereitet. "Wir haben das Buch ‚Helen lernt leben’ gelesen", sagte beispielsweise Ulrike Zeitz, Klassenlehrerin der 1a. "Es handelt von einem Mädchen, dass durch eine Krankheit blind und taubstumm wird." Die Kinder hätten viele Fragen gestellt. "Sie wollten etwa wissen, wie Helen über die Straße kommt, wenn sie nichts hört und sieht."

Eine der zwölf verschiedenen Stationen des "normalen Tags" beantwortete die Frage, ob Helen etwas lesen kann. Sie kann: Dank der Blindenschrift Braille. Mit Hilfe der sechs Punkte in 63 Kombinationen lässt sich gut schmökern. Die Schüler erhielten einen "Schnupperkurs".

Ein Vertrauensparcours, auf dem man sich mit verbundenen Augen - also als "Blinder" - ganz auf die Führung eines Mitschülers verlassen musste, demonstrierte, wie man sich ohne Sicht im Straßenverkehr bewegt.

Und an einer anderen Station wurde den Kindern ein Bein hochgebunden. Dann ging’s nur noch auf Krücken weiter - wie "beinamputiert" sozusagen.

Einige Ideen konnten wegen des Regenwetters nicht im Freien umgesetzt werden. Schade, denn nach dem gelungenen Start der Aktion im vergangenen Spätsommer an der Brüder-Grimm-Schule kam der "normale Tag" in der Fröbelstraße ebenfalls bestens an. Die Aktion soll an allen Langenfelder Grundschulen durchgeführt werden.

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