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Langenfeld: Der große Knall: Mack-Stele stürzt bei der Montage ab

Langenfeld: Der große Knall: Mack-Stele stürzt bei der Montage ab

Halterung reißt unter dem Gewicht der zwölf Tonnen schweren Konstruktion ab. Wie durch ein Wunder wird niemand verletzt.

Langenfeld. Das von dem weltbekannten Bildhauer-Professor Heinz Mack (77) entworfene Kunstwerk "Großer Vertikaler Rhythmus" könnte das weithin sichtbare Symbol dafür werden, dass für Langenfeld mit dem Erreichen der Schuldenfreiheit goldene Zeiten anbrechen.

Am Montag sollte die rund 16 Meter hohe Stahlstele auf ihren Sockel vor der Sparkasse gehoben werden. Geplant war, das gut 600 000 Euro teure Geschenk der Sparkassen-Bürgerstiftung zum 60. Stadtgeburtstag am Freitagabend- feierlich zu übergeben. Doch daraus wird nichts.

Gegen 9Uhr erschüttterte ein Knall die Langenfelder Innenstadt, der viele an eine Explosion glauben ließ. Tatsächlich war es der Absturz der zwölf Tonnen schweren Stele, der für die Schrecksekunde sorgte. Zwei Autokräne hatten von der halbseitig gesperrten Solinger Straße aus das Kunstwerk vom Tieflader gehievt und gerade damit begonnen, es in der Schwebe aufzurichten, als an der Spitze sich die fest mit der Konstruktion verschraubte Halterung löste.

Die dicken Schrauben wurden samt Gewinde unter der Belastung einfach herausgerissen. Dann krachte die Stele aus etwa zehn Metern Höhe auf den Lkw-Anhänger. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Minutenlang blieb der betroffene Kranführer in seiner Kanzel regungslos sitzen. Doch der Schreck saß vielen noch länger in den Knochen.

Auch Christa Kaffsack, die als Kultur-Sprecherin der CDU, den großen Moment der Montage eines Werks von Rang selbst mit der Kamera festhalten wollte. "Ich stand vor dem Eingang der Sparkasse, und war völlig überrascht, als sich die Spitze zu neigen begann. Gleich danach gab’s schon den fürchterlichen Knall und ich habe nur noch gerufen: Oh, nein! Oh, nein! Oh, nein!", sagt die Augenzeugin. Das Kunstwerk am Boden liegen zu sehen, habe ihr weh getan. "Wie geht es jetzt weiter?", fragt sich Kaffsack.

Eine Frage, die sich auch Juliane Kreutzmann stellt. Die Leiterin der VHS und des Kulturbüros hatte sich auf den Weg zum Platz gemacht, als sie die Stele quasi vor ihrem Bürofenster vorbei schweben sah. Wenig später stand auch sie in der Traube der etwa 100 Schaulustigen. Die wollten sehen, welchen Schaden das gute Stück genommen hat.

Der "Große Vertikale Rhythmus" wirkt rein äußerlich betrachtet erstaunlich intakt: eine dicke Beule, ein paar Kratzer, und der Fuß hat sich ein Stück ins Pflaster gebohrt. "Ob das vor Ort repariert werden kann oder das Kunstwerk zurück in die von Herrn Mack beauftragte Werkstatt in Süddeutschland muss, werden jetzt Gutachter prüfen", sagt Kreutzmann. Für sie ist die Stele nun etwas ganz Besonderes.

Wie an jedem Ersten eines Monats führte der Weg auch gestern viele Rentner zur den Kontodruckern der Sparkasse. Die haben die Stele schnell umgetauft: "Das ist der Mack mit Macken", sagte einer von ihnen.

Auch Sparkassendirektor Lotahr Marienhagen nahm es nach etwas Abstand mit Humor: "Aus dem großen vertikalen ist ein horizontaler Rhythmus geworden", sagte er der WZ. Dass das Kunstwerk versichert ist, hofft er. "Wir als Bürgerstiftung sind außen vor, weil es noch nicht abgenommen worden ist", fügte Marienhagen hinzu.

Mit Heinz Mack und Bürgermeister Magnus Staehler schaute er sich den Schaden an. "Mack war entsetzt, weil ihm so etwas noch nie passiert ist", sagte Marienhagen im Anschluss. Und der bekannte Kunstprofessor habe mit seinen Spezialisten schon höhere Stelen in gleicher Technik errichtet. Zum Beispieldie 42Meter hohe Stele vor der Daimler-Verwaltung in Stuttgart.

Während Juliane Kreutmann noch von einer Pressekonferenz mit Heinz Mack am Nachmittag ausging, kam nach dem Gespräch des Künstlers mit dem Bürgermeister im Rathaus nur eine knappe Mitteilung. "Wir sind dankbar, dass bei dem Herabstürzen des Kunstwerks kein Mensch zu Schaden gekommen ist", wurde darin Staehler zitiert. Der Bürgermeister sei weiter guten Mutes, dass die Stele an einem Termin in Nähe zum Stadtgeburtstag stehen werde.

Lothar Marienhagen- hält es für möglich, dass das moderne Wahrzeichen erst in Monaten gefeiert werden kann: "Gibt es Stauchungen, lassen die sich bei den verschweißten Stahlplatten nicht einfach so herausziehen. Dann muss eine neue Stele her."