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Langenfeld Das Hilfsprogramm des Landes nehmen bisher nur wenige Heimatvereine in Anspruch.

Langenfeld/Monheim : Heimatvereine bekommen Hilfe vom Land NRW

Nur wenige nehmen die Hilfen bisher in Anspruch. Die Karnevalisten sind trotz Corona in den Verkauf der Sitzungskarten eingestiegen und haben noch genug Geld.

. Nicht nur Gastronomie und Gewerbe kommen durch Corona an ihre Existenzgrenze. Auch die gemeinnützigen Vereine leiden. „Pacht fürs Grundstück, Strom, Gas, Wasser, Versicherungen, das Honorar für den Dirigenten“ – all das läuft beispielsweise weiter für den Quartettverein Gladbach und sein Sängerheim am Jansenbusch. Doch die Einnahmen sind gleich Null, weil Feste und Vermietungen ausfallen. Für solche und ähnliche Fälle können Vereine beim Land Anträge auf Hilfen stellen.

Für Laien-Musikvereine gibt es ein Sonderhilfsprogramm in Höhe von 500 000 Euro. Chöre erhalten 400 Euro, Instrumentalvereine 800 Euro und größere Oratorienchöre bis zu 2500 Euro. Die Mittel müssen über die ­Dachverbände beantragt werden. „Uns fehlen uns 12 000 bis 15 000 Euro“, so der Kassierer des Quartettvereins, André Sersch. Zustande kommt das Defizit durch fehlend Vermietungen des Sängerheims, ausgefallenes Sommerfest des Vereins, ausgefallenes Stadt- und Familienfest, beschreibt er das Dilemma in Corona-Zeiten.

Über die vielen Einzelförderungen in Corona-Zeiten hilft vor allem auch das Sonderprogramm „Heimat, Tradition und Brauchtum“. Mehr als 23 Millionen Euro sind in diesem Topf. Maximal 15 000 Euro können Vereine bekommen. Der Quartettverein Gladbach hat einen Antrag auf Unterstützung gestellt. „Wir wissen, dass hinterher genau abgerechnet wird und wir zu viel gezahltes Geld zurückgeben müssen“, sagt André Sersch. Da geht es ihm offenbar anders als vielen Gastwirten in der Vergangenheit, für die die Teil-Rückzahlungen der Corona-Hilfe nach eigenen Aussagen überraschend kamen. „Wir hoffen, dass alles schnell geht“, sagt Sersch, „wir brauchen das Geld.“

Der Kleingartenverein Im Bärenbusch in Langenfeld ist ebenfalls finanziell in der Bedrängnis. „Zwar zahlen die Mitglieder Pacht und Nebenkosten für ihre Gärten selbst“, sagt Vorsitzender Nikolaus Baum. Aber ausbleibende Vermietungen und ausgefallene Feste, bei denen der Verein mit seinen Ständen zumindest kleine Summen einnimmt, lassen das Budget gegen Null tendieren. Kürzlich erst habe man zu einem neuen Klettergerät auf dem Spielplatz 1400 Euro dazu getan, so Baum. Da wusste man noch nicht, dass eine Pandemie die Einnahmen kräftig schmälern würde. Früher habe man aus den Einkünften kleine Treffen untereinander finanziert. Das gehe jetzt nicht mehr, so Baum. Die Kleingärtner für die Teilnahme an Kaffeetrinken und Party extra zahlen lassen, mag er nicht. „Einige sind arbeitslos oder in Kurzarbeit oder konnten wegen ihrer Kinder kein Geld verdienen“, so Baum. Die Heizung im Vereinsheim müsse auch erneuert werden. „Ein zweites Jahr Corona wäre sehr schlecht für uns“, gibt er zu. Einstweilen komme aber auch die Stadt dem Verein entgegen. Auch sie hat ein kleines Hilfsangebot aufgelegt.

Wenn niemand hilft, springt die Stadt ein, so der Kämmerer

200 000 Euro sind für Vereine im Stadtsäckel, deren Bestand gefährdet ist. „Wenn niemand mehr hilft, dann springen wir ein“, verspricht Stadtkämmerer Thomas Grieger. Bis jetzt hätten sich aber nur zwei Vereine gemeldet. Der Stadtverband Monheim am Rhein der Kleingärtner sieht seine Situation „noch nicht so tragisch.“ „Größere Maßnahmen schieben wir erst mal nach hinten“, sagt Monika Dierdorf, Vorsitzende des Verbandes. „Wir haben auch ein kleines Polster, von dem wir zehren.“ Einen Antrag auf Zuschüsse des Landes stellen die Kleingärtner vorerst nicht. „Ich glaube, das ist auch alles sehr kompliziert“, meint Dierdorf.

Von der Substanz und von der Hoffnung leben die größeren Vereine offenbar. Die Gromoka (Große Monheimer Karnevalsgesellschaft) hofft, dass Karneval stattfindet. „Vielleicht ist bis dahin ein Impfstoff gefunden“, sagt Sitzungspräsident Moritz Peters. Der Verkauf für die Karten der Damensitzung ist wie gewohnt angelaufen. Und zwar gut wie immer. Es gibt diesmal zwei Sitzungen, sagt er. „Wir wollen erst einmal noch Zuversicht verbreiten und glauben an Karneval.“ Die Veranstaltung „Spielmann hol über“ ist mit einem Hygienekonzept entsprechend vorbereitet worden. „Wir sind in Gesprächen mit der Stadt und haben auch Hygiene-Fachleute im Vorstand. Alles andere ist einfach nicht seriös voraussagbar“, so Peters. Da die vergangene Session noch bombig lief, ist die Kasse der Gromoka gut gefüllt. Auch der Säckel der Sebastianus Schützenbruderschaft in Monheim scheint prall voll zu sein. „Bei uns fallen ein günstiger und ein ungünstiger Umstand zusammen“, sagt Vorsitzender Holger Klenner, „wir haben seit Pfingsten Geld für die Renovierung des Vereinsheimes zurückgelegt und gleichzeitig schon mit weniger Einnahmen durch Vermietung kalkuliert. Und schädigt Corona finanziell weniger. Wir sind liquide und würden eh kein Geld aus dem Heimatfonds bekommen.“ Natürlich beschränkt sich der Verein auf unbedingt nötige Ausgaben. „Alles andere wird nach hinten geschoben. Wir hoffen, mit einem blauen Auge davon zu kommen“, sagt Klenner.