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Langenfeld Das Corona-Abitur war eine Reife-Prüfung der besonderen Art.

Langenfeld/Monheim : Ein unvergesslicher Abi-Jahrgang

Ein Schulleiter und zwei Abiturienten berichten vom „Corona-Abitur“: Termin-Chaos, Unsicherheiten und Isolation.

Der Abiturjahrgang 2020 hat schon jetzt einen Beinamen, mit dem gerade für die Betroffenen ein bitterer Beigeschmack einhergeht: der „Corona-Jahrgang“. Angesichts der schwierigen Begleitumstände hat sich der Deutsche Hochschulverband schon für einen „Corona-Bonus“ bei den zulassungsbeschränkten Fächern ausgesprochen, sollten die Abiturnoten im Schnitt signifikant schlechter ausfallen als in den Vorjahren.

Das Kultusministerium des Landes NRW hat den Abiturienten jedenfalls keinen Bonus gewährt. „Bezüglich des Schwierigkeitsgrades der Aufgabenstellungen hat es keine Unterschiede zum Vorjahr gegeben“, hat Stephan Wippermann-Janda, Leiter des Langenfelder Konrad-Adenauer-Gymnasiums, im Gespräch mit Kollegen ergründet. Die Aufgabenstellungen hätten voll den Lehrplänen entsprochen. „Als möglicher Arbeitgeber würde ich diesem Jahrgang in meinem Betrieb tatsächlich einen Vorrang einräumen, auf keinen Fall einen Nachteil“, sagt er.

Zum einen habe von Beginn an eine große Unsicherheit geherrscht, ob die Prüfungen überhaupt stattfinden. Zudem sei der Begriff „Durchschnittsabitur“ in dem Zusammenhang fast immer negativ verwendet worden, als hätten die Abiturienten nicht schon in den fast zwei Schuljahren zuvor den Hauptteil ihrer Leistungen erbracht, sagt er und ist sich sicher: „Allein diese beiden Vorbedingungen haben sicher stark auf die Motivation der Schüler gedrückt.“

Dazu sei dann die Terminverschiebung der Prüfungen gekommen, die Aussicht auf die enorm verkürzte Lernzeit für die anstehenden mündlichen Prüfungen, die Absage sämtlicher Feiern wie Mottowoche, Abiturverleihung und Abiball. „Ich habe eine große Bewunderung für diesen Jahrgang“. Dass schließlich mehr als 130 Schüler in der Sporthalle saßen und wacker ihr Abitur geschrieben haben, „das ist eine enorme menschliche Leistung, davor ziehe ich meinen Hut“.

„Das Schlimmste war, dass man nicht richtig Abschied nehmen konnte“, sagt Katja Tjarks (18), Abiturientin am Monheimer Otto-Hahn-Gymnasium. Am Freitag, 13. März, erfuhr sie erst gegen mittags, dass dies ihr letzter Schultag gewesen ist. „Seit der fünften Klasse bekommt man die Motto-Woche mit und stellt sich vor: Irgendwann sind wir das.“ Und dann ist einfach so Schluss. Philipp Winkelmann (18), der an diesem Tag eine Vorabiklausur nachgeschrieben hat, saß drei Stunden lang isoliert in einem Klassenraum, um dann zu erfahren, dass er nicht mal mehr seine Freunde sehen konnte. „Das war ein komisches Gefühl“.

Die anschließenden drei Wochen der Ungewissheit, ob und wann überhaupt die Prüfungen stattfinden, beschreibt Katja als besonders belastend. „Ich habe erst einmal so gelernt, dass ich zum ursprünglich gesetzten Termin bereit gewesen wäre.“ So hat es auch Philipp gehalten. Als dann plötzlich die Diskussion über ein „Durchschnittsabitur“ aufgekommen sei, habe er das als abwegig empfunden.

Als sehr hilfreich bezeichnet der OHG-Schüler den dreiwöchigen Online-Unterricht in den Abitur-Fächern. Vormittags habe er alte Abitur-Klausuren in seinen Leistungskursen Mathe und Physik durchgearbeitet und mit seinen Lehrern offene Fragen klären können. „Nachmittags hatte man noch Zeit für eigene Vorbereitungen, etwa um Lernzettel zu machen.“

Als dann am 2. April die Mitteilung kam, dass die Abiturprüfungen um drei Wochen nach hinten verlegt werden, habe sie das wie den Start zu einem Marathon empfunden, sagt Katja. „Die Vorstellung, jetzt noch fünf Wochen konstant und durchgehend durchlernen zu müssen, war erstmal stressig für den Kopf. Da war ein langer Atem gefordert.“ Diese Nachricht habe seine Motivation auch erstmal getrübt, sagt Philipp. Im Nachhinein hat er die verlängerte Vorbereitungszeit aber als nützlich empfunden, weil es ihm die Möglichkeit eröffnete, mehr zu üben.

„Geschadet hat es wohl nicht“, räumt Katja ein, zumal man so zwischendurch auch mal einen Tag Pause einlegen konnte. Mit den Freunden haben die Schüler über Social Media distanzierten Kontakt gehalten. In der Lernphase keine Ablenkung durch Treffen mit Freunden gehabt zu haben, habe vermutlich auch nicht geschadet, meint Philipp.

Für die beiden ehrgeizigen Schüler setzt sich der Lernstress ungebrochen fort, denn sie wollen den in den August verschobenen Mediziner-Test absolvieren. Die wohlverdiente Auszeit fällt wegen der Reiserestriktionen in Corona-Zeiten weg. Philipps Urlaubspläne – mit den Jungs nach Mallorca und den Duft der weiten Welt in New York schnuppern – gecancelt.

Immerhin soll an beiden Schulen aber nunmehr ein symbolischer Schlussstrich unter die Schulzeit gezogen werden.