Kirche hat ein Auge auf Besucher

Diebstähle und Vandalismus haben dazu geführt, dass immer mehr Kirchen in Monheim und Langenfeld Videokamers anbringen.

Monheim/Langenfeld. Mal eben außerhalb der Messfeier in die Kirche gehen? Das ist schwierig geworden. Gläubige, die ein kurzes Gebet sprechen möchten oder Touristen, die ein Gotteshaus besichtigen wollen, stehen meist vor verschlossenen Türen. Mit wenigen Ausnahmen sind die Kirchen im Südkreis nur während der Gottesdienste geöffnet. Die Gründe sind nachvollziehbar: Diebstähle und Vandalismus lassen den Verantwortlichen wenig Spielraum.

Bis Ende 2016 sorgte in Baumberg fast 20 Jahre lang eine Gruppe von durchschnittlich 30 „Wächtern“ dafür, dass die katholische St.-Dionysius-Kirche werktäglich wenigstens eine Stunde zugänglich war. „An manchen Tagen kam niemand“, räumt Heinz Wessendorf ein, der die ehrenamtlichen Wächter seit 2010 leitete. Schon damals waren die Öffnungszeiten halbiert worden.“

Manche Besucher nutzten das Angebot für ein stilles Gebet, oder um eine Kerze anzuzünden. Andere wollten Gästen die Kirche zu zeigen oder dort einfach zur Ruhe kommen“, erinnert sich Gisela von der Heiden-Bertram, die seit den Anfängen dabei war und mindestens einmal monatlich für Schließdienst, Beleuchtung, meditative Musik und das Hinweisschild an der Straße sorgte. Auch fehlender Nachwuchs führte nun zum Ende dieses Angebots.

Eine Alternative, um den Kirchenbesuch auch an den Wochentagen zu ermöglichen, sind Video-Überwachungen, wie sie bereits seit Frühjahr 2016 an St. Gereon in Monheim praktiziert werden. Der Kirchenvorstand St. Gereon und St. Dionysius beschloss daher in der Vorwoche, zukünftig auch den Innenraum von St. Dionysius per Videokamera überwachen zu lassen.

Pfarrer Burkhard Hoffmann

In der Monheimer Altstadt ist das Gotteshaus täglich von 9 bis 20 Uhr, im Winter bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet. „Die Leute werden nicht beim Gebet beobachtet“, versichert der Pfarrer. Die Kamera überwache nur den Eingang, die Aufzeichnungen würden nach rund 36 Stunden wieder überspielt. Ex-Wächter Wessendorf sieht die Neuerung kritisch: „Eigentlich reicht es, wenn die Kirche bei Gottesdiensten etwas länger geöffnet ist“. Die evangelischen Kirchen in Monheim sind nur bei Veranstaltungen geöffnet. Im Vorfeld der umfassenden Renovierung der Altstadtkirche war angekündigt, das Thema „Offene Kirche“ erneut zu beraten, sicherlich abhängig von der Zahl möglicher Helfer.

Ausnahme und tatsächlich „Offene Kirche“ im Sinne des EKD-Labels ist die älteste evangelische Kirche in Langenfeld, die Martin-Luther-Kirche in Reusrath. Dort wird die Kirche morgens auf- und abends abgeschlossen, für eine Video-Überwachung sieht man dort keinen Anlass. Pfarrerin Annegret Duffe räumt ein, dass die räumliche und personelle Situation in Reusrath ungewöhnlich ist. „Es ist immer jemand da.“ Das Wohngebäude befinde sich direkt an der Kirche. Außerdem seien die Messingleuchter außerhalb der Gottesdienstzeiten weggeschlossen und „die Orgel kann niemand wegschleppen“.

Bei den Langenfelder Katholiken haben St. Josef und St. Martin feste Öffnungszeiten. St. Josef öffnet an Werktagen um 9 Uhr und schließt montags, mittwochs und freitags um 12 Uhr, dienstags und donnerstags um 17 Uhr. Vor allem an den Markttagen, also dienstags und freitags, nutzten zahlreiche Gläubige die Gelegenheit für eine Einkehr. St. Martin in Richrath öffnet Dienstag und Mittwoch zwischen 9 und 12 Uhr und Freitag von 15 bis 17 Uhr, zu eben jenen Stunden, in denen auch das Pfarrbüro besetzt ist. Dessen Mitarbeiter können per Videoanlage sehen, was im Kirchenraum passiert.