Kaum Interesse: Langenfeld sagt Politik-Praktikum für Jugend ab

Kaum Interesse: Langenfeld sagt Politik-Praktikum für Jugend ab

Lediglich zehn Jugendliche hatten sich für das Format angemeldet.

Langenfeld. Die Erwartungen waren hoch, die Fallhöhe war es damit ebenso und der Aufprall ist schmerzhaft. Die kommunalpolitischen Praktika (Kopra) für 60 junge Langenfelder im Rathaus sind mangels Interesse abgesagt worden. „Wir hatten an Schulen und in Jugendeinrichtungen 2500 Flyer verteilt. Aber es kamen leider nur neun schriftliche und eine mündliche Anmeldung zustande“, berichtete der städtische Fachbereichsleiter Ulrich Moenen. „Bei dieser Teilnehmerzahl hätte der Aufwand in keinem Verhältnis gestanden.“

Das Praktikum mit Abschlusszertifikat hätte den 14 bis 21 Jahre alten Teilnehmern „kommunalpolitische Abläufe näherbringen“ sollen, sagte Ingrid Graser. Die in der Verwaltung seit August für stärkere Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Stadtpolitik zuständige Mitarbeiterin hatte das Kopra konzipiert. Vorgesehen waren seit letzter Woche bis zum 7. Juli insgesamt sechs mehrstündige Bestandteile. In Diskussionen und Rollenspielen sollten die jungen Leute die Mechanismen von Fraktions- und Ausschusssitzungen bis hin zu Stadtratsbeschlüssen kennenlernen.

Doch daraus wird erstmal nichts. „Offensichtlich hatte das erdachte Konzept nicht so das Herz und Interesse von Jugendlichen getroffen, wie wir uns dies erhofft hatten“, räumte Moenen ein. Er gehe davon aus, dass im kommenden Jahr ein neuer Versuch in dieser Sache unternommen werde. „Dann müssen wir aber schon bei der Werbung für dieses Angebot Jugendliche stärker einbinden.“

„Dass gerade mal zehn junge Menschen mitmachen wollten, ist sagenhaft enttäuschend“, meinte CDU-Chef Jürgen Brüne. „Ich hatte mit einem dreistelligen Rücklauf und einer Warteliste gerechnet, weil das von Frau Graser mit viel Herzblut ausgearbeitete Konzept sehr stimmig ist.“ Wie auch Politiker anderer Parteien sei er selber sehr gespannt auf die im Rathaus erwarteten jungen Langenfelder gewesen und auf deren Fragen etwa in einem geplanten Speed-Interview. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum die interessanten Themen und spannenden Einblicke auf solch ein geringes Interesse gestoßen sind“, merkte Brüne an, der Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses ist. Dieses Gremium hatte das Kopra auf den Weg gebracht.

Ähnlich ernüchtert äußerte sich Elke Hirsch-Biermann, die für die Grünen dem Jugendhilfeausschuss angehört. „Ich finde es traurig, dass die Praktika nicht zustande gekommen sind. Das Konzept, junge Leute in einzelnen Stufen an die Politik und die Abläufe im Rathaus heranzuführen, war grundsätzlich gut und umsetzbar.“ Warum die Nachfrage so gering war, sei ihr unverständlich. „Vielleicht hätte man die Schulen noch stärker einbinden sollen. Womöglich ist der Zeitpunkt im Frühjahr wegen der vielen Klausuren besonders ungünstig.“

Sven Lucht, der den Stadtjugendring im Jugendhilfeausschuss vertritt, hält die Absage des Kopra für eine falsche Entscheidung. „Uns wäre es lieber gewesen, es wenigstens den zehn Angemeldeten doch zu ermöglichen. Ingrid Graser hatte in der Kürze der Zeit wirklich super gearbeitet — dickes Lob für das von ihr erstellte Konzept.“ Aber solch ein Angebot müsse sich eben erst herumsprechen. „Vielleicht wären es nächstes Jahr dann 20 oder 30 Teilnehmer und später noch mehr.“ Aus Erfahrung beim Stadtjugendring wisse Lucht, dass Heranwachsende sehr schwierig für Dinge zu begeistern seien, für die sie sich über einen längeren Zeitraum verpflichten müssen. „Aber wenn sie dann von ihrem Freund hören, wie spannend das kommunalpolitische Praktikum für ihn war, sind sie vielleicht das nächste Mal selber mit dabei.“