Jugendschutzbeauftragter Rainer Kiewe: „Facebook ist kein Fluch“

Jugendschutzbeauftragter Rainer Kiewe: „Facebook ist kein Fluch“

Wie Kinder und Eltern sich vor den Gefahren des Internets schützen können, weiß Jugendschutzbeauftragter Rainer Kiewe.

Langenfeld. Facebook — noch nie war es einfacher mit seinen Freunden zu kommunizieren. Ein Klick genügt, und die Zusage zur nächsten Party ist gemacht. Schnell ist das Bild vom Sommerurlaub hochgeladen, das alle neidisch macht. Doch dass das soziale Netzwerk im Internet nicht nur positive Seiten hat, zeigt der Fall von Amanda Todd:

Im Oktober vergangenen Jahres nahm sich die 15-jährige Kanadierin das Leben, nachdem sie dem Cybermobbing nicht mehr standhalten konnte. Auch in Wuppertal hat es vor kurzem einen Fall von Mobbing im Internet gegeben, der aktuell von der Staatsanwaltschaft verfolgt wird. Rainer Kiewe ist in Langenfeld für den Jugendschutz zuständig und weiß um die Gefahren des Internet.

Herr Kiewe, hat es ähnliche Fälle auch schon in Langenfeld gegeben?
Rainer Kiewe:
Ich selbst habe solch einen Fall noch nicht mitbekommen, aber ich gehe davon aus, dass es auch hier bei uns Mobbingfälle über das Internet gibt. Meistens werden die Sachen dann in den Schulen intern behandelt und nicht an uns herangetragen.

Aber ist Internetmobbing generell ein Thema?
Kiewe:
Mobbing ist ein uraltes Thema, das es schon immer gegeben hat. In der letzten Zeit ist das Mobbing im Internet präsenter geworden, weil sich dort immer mehr abspielt. Und Cybermobbing ist natürlich einfacher.

Wie meinen Sie das?
Kiewe:
Im Gespräch hat man die Reaktion des Gegenübers sofort vor Augen. Da merkt man dann schnell, wenn eine Aussage vielleicht nicht in Ordnung war. Das ist beim Cybermobbing anders. Ein gemeiner Kommentar ist schnell geschrieben und ein Klick schnell gemacht. Oftmals passiert so etwas unbedacht.

Was kann man tun, wenn man Opfer von Internetmobbing geworden ist?
Kiewe:
Man sollte in jedem Fall schnell reagieren, denn je länger man wartet, desto schlimmer kann es werden. Den betreffenden Kontakt sollte man möglichst schnell sperren und unter Umständen zu Hause und in der Schule Bescheid sagen. Ein Screenshot des Facebookeintrages wäre auch gut, damit man im Fall der Fälle die Beweise hat.

Und wie kann man sich schützen?
Kiewe:
Es ist generell wichtig, zu überlegen, welche Daten man ins Internet stellt und welche nicht. Je mehr ich von mir preisgebe, desto angreifbarer bin ich. Viele Schüler haben bei Facebook hunderte von Freunden, da kann es schnell passieren, dass da auch die Falschen drunter sind. Die Schüler sollten ihre Freundeskreise eingrenzen und dann wirklich überlegen, was sie ins Netz stellen. Denn generell ist Facebook keine schlechte Sache. Es ist kein Fluch.

Welche Präventionsmaßnahmen gibt es von Seiten der Stadt?
Kiewe:
Ich habe Referenten an der Hand, die ich bei Bedarf weitergebe. Im Jahr 2011 gab es eine Aktionswoche zum Thema Gewalt, in der auch das Internetmobbing ein Thema war. Man muss die Schüler informieren und ihnen die Gefahren des Internets ins Bewusstsein rufen. Das geht zum Beispiel durch Unterrichtseinheiten, Aktionswochen oder Elternabende zum Thema.

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