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Intensivstation am St. Martinus-Krankenhaus in Langenfeld ist voll

St. Martinus-Krankenhaus in Langenfeld : Covid-Patienten erschweren seriöse OP-Planungen

Covid-Patienten machen derzeit eine seriöse OP-Planung im Langenfelder St. Martinus-Krankenhaus schwierig. Politische Schnellschüsse erschweren zusätzlich den Krankenhausalltag.

Die vierte Coronawelle lenkt den Blick neuerlich auf die medizinische Versorgung. Die Nachrichten aus den Krankenhäusern, insbesondere von den Intensivstationen beherrschen die Nachrichtenlage. Wie erleben die Verantwortlichen die beim St. Martinus-Krankenhaus die Situation?

Dr. Reinhard Rüschner, Chefarzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin, und Sven Mitteldorf, der Kaufmännische Direktor des St. Martinus Krankenhauses, beantwortet Fragen erst nach der Task Force-Runde, in der allmorgendlich die aktuelle Situation im 180-Betten Haus analysiert wird, um die notwendigen Entscheidungen für Ärzte, Pflegepersonal, Hygienekonzepte zu treffen.

Schmerzpatienten und Unfallopfer werden vorgezogen

Dabei geht es auch um die Verschiebung nicht dringender Eingriffe. Bei akuten Schmerzen, kritischen Tumorpatienten oder Opfern akuter Unfälle wird natürlich schnell reagiert. „Aber das ist schon eine stille Triage“, räumt Rüschner ein. Jede Neuaufnahme wird zunächst mit Schnell- oder PCR-Test auf Covid-19 getestet; und „wir versorgen jeden, prüfen genau den Impfstatus, wobei die Behandlung unabhängig vom Impfstatus erfolgt“. Besonders zeitaufwändig ist im Tagesgeschäft die Rückverlegung von pflegebedürftigen Patienten in Heime oder ihre häusliche Umgebung.

Acht Intensivbetten stehen im Martinus-Krankenhaus zur Verfügung, die sind alle belegt, zwei Covid-19-Patient werden aktuell beatmet. Neben der absoluten Zahl der Intensivbetten ist der konkrete personelle Aufwand für die Patienten entscheidend. Die Betreuung der Patienten an Beatmungsgeräten ist so enorm, dass bei unveränderter Personalkapazität nicht alle Plätze belegt werden können. Die Kräfte arbeiten dort stundenlang unter Vollschutz, eine enorme körperliche Herausforderung. „Wir haben dort ein junges, dynamisches Pflege-Team, das zwar an der Belastungsgrenze arbeitet, aber noch nicht resigniert hat“, berichtet Sven Mitteldorf. Allerdings sind auch immer wieder coronabedingte Ausfälle beim Personal aufzufangen.

(Nur) für die Pflegekräfte gab es in 2020 zweimal eine Sondervergütung, obwohl auch Ärzte und Verwaltung seit dem Frühjahr 2020 enormen zusätzlichen Belastungen ausgesetzt sind. Alle plagt die Frage: „Wie konnte die vierte Welle solche Ausmaße annehmen, wieso fehlten die politischen, die überregionalen Konzepte?“

„In der ersten Welle waren die Verläufe schwieriger, weil erst wenige Menschen geimpft waren. Jetzt erleben wir auf den Normalstationen zwar Patienten mit Impfdurchbrüchen, deren Covid-Infektion aber meist milde verläuft. Es bleibt festzuhalten: Den Nicht-Immunisierten, Ungeimpften, drohen schwere Verläufe, bis hin zum Tod des Patienten“, appelliert Reinhard Rüschner an die Impfskeptiker.

Der Markt für
Schnelltests ist leergefegt

„24 Stunden nachdem die Regierung das tägliche Testen am Arbeitsplatz anordnete, war der Markt für Tests leergefegt, auch Krankenhäuser haben Mühe, an Nachschub zu kommen“ erklärt Mitteldorf an einem praktischen Beispiel die Sprunghaftigkeit und praktischen Auswirkungen politischer Entscheidungen. „Einen Tag später reichen zwei Tests pro Woche“.

Ihm fehlen eine vorausschauende Planung und einige praxistaugliche Vorgaben. „Bei uns als Betriebsleiter werden die Regelungen hinterfragt, und unsere Glaubwürdigkeit leidet“. Das aktuelle, absolute Besuchsverbot im Martinus-Krankenhaus ist unvermeidbar, „die meisten haben Verständnis, aber vielfach bedarf es intensiver Gespräche an der Pforte“, erklärt Reinhard Rüschner auch die Auswirkungen dieser bedauerlichen Einschränkung für die Angehörigen oder auch andere Krankenhausbesucher.