In der WG der alten Herren geht es amüsant und liebestrunken zu

In der WG der alten Herren geht es amüsant und liebestrunken zu

Zum Langenfelder Österreich-Jahr wurde jetzt die Erfolgskomödie „Butterbrot“auf die Bühne gebracht.

Langenfeld. Zugegeben: Die Männer kommen hier überwiegend super weg. Obwohl freiheitsliebend und frauenlos, sind sie doch fair, verträglich, zugewandt, tolerant, verständnisvoll, geduldig, können gönnen und sind ehrlich — zumindest dem eigenen Geschlecht gegenüber. Im Theaterstück des österreichischen Autors und Schauspielers Gabriel Barylli geht es harmonisch zu — bis eine Frau auftaucht.

Mehr als 150 Bühnen haben bisher die Erfolgskomödie „Butterbrot“ gespielt. Nun hat sich auch der Langenfelder Regisseur Constantin Marinescu mit seinem Stadttheater-Ensemble zum Österreich-Jahr des Drei-Personen-Stücks angenommen. In Woldemar Hesse, Manfred Knoke und Michael Wachten hat er ein gediegenes Amateur-Ensemble auf die Bühne des Freiherr-vom-Stein-Hauses gestellt, das mit viel Freude am Spiel drei ältere Herren darstellt, die die Nase voll haben von der Ehe und sich zumindest vorübergehend in ihrer Männer-WG wie „im Paradies“ fühlen.

Besonders in der zweiten Hälfte nimmt das unterhaltsame Bühnenstück so richtig Fahrt auf. Die Darsteller haben sich freigesprochen und gespielt. Der Höhepunkt, auch spielerischer Qualität, ist zweifelsohne, als Manfred Knoke als Architekt Martin seinen Freunden entrückt gesteht, dass er verliebt ist und heiraten will. Es sind besonders die Szenen, in denen Knoke am Telefon turtelt und sich liebestrunken gibt, in denen er sein Talent ausspielen kann.

Michael Wachten gibt einen wundervollen gehörnten Ehemann ab, der von männlicher Überheblichkeit (O-Ton: Frauen können nicht denken. Sie tarnen sich nur mit denkenden Äußerungen) schnell auf Zerknirschtheit und Wehleidigkeit umschalten kann. Und Woldemar Hesse passt mit seiner schlaksigen Figur herrlich in die Rolle des Schauspielers Stefan, der als Schöngeist im passenden Moment Klassiker zitiert, aber auch ordentlich granteln kann, als sein Freund die ach so harmonische WG verlassen will, um in den Armen einer Frau glücklich zu werden.

Constantin Marinescu hat die drei Protagonisten deren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt und so ein charmantes Bühnenstück über Männer und (abwesende) Frauen inszeniert. Den Text, ursprünglich ein Roman, in dem die Hauptpersonen erheblich jünger sind, hat er auf seine Darsteller umgeschrieben.

Die WG der alten Herren hat durchaus ihren Reiz. Für das passende Bühnenbild sorgt wieder Donna Dragné. Fantasie und Engagement des Ensembles zeigen einmal mehr, wie man auch mit beschränkten Mitteln kleines, feines Theater machen kann.

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