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Immer schön langsam: Tai Chi ist die Entdeckung der eigenen Mitte

Immer mit der Ruhe : Beim Tai Chi entdeckt man die eigene Mitte

Lehrerin Sabine Wolfrum übt bei der Sportgemeinschaft Langenfeld die Langsamkeit ein.

Schwitzen, sich anstrengen, kämpfen und bis an die Grenzen gehen – so fühlt sich Sport oft an. Es geht aber auch anders. Tai-Chi-Lehrerin Sabine Wolfrum übt an diesem Morgen in den Räumen der Sportgemeinschaft Langenfeld (SGL) die Langsamkeit ein. Sechs Menschen unterschiedlichen Alters haben sich getroffen, um im Zeitlupen-Tempo anderthalb Stunden den chinesischen Kampfsport Tai Chi kennenzulernen. Nach den Sommer-Schulerien beginnt bei der SGL ein neuer Kursus, in den jeder einsteigen kann, der sich auf Schattenboxen einlassen mag.

Beim Tai Chi kommt man durchaus auch ins Schwitzen

Die einzelnen Figuren des Tai Chi sehen für den Laien zunächst kompliziert aus. „Ins Schwitzen kommt man bei uns auch“, erläutert Sabine Wolfrum – wenngleich Tai Chi bewusst nichts mit Anspannung und Verausgaben zu tun hat, sondern ganz im Gegenteil mit Entspannen und Loslassen. Darüber hinaus gehe es darum, dass die innere Mitte stabilisiert, die Balance verbessert und die Atmung vertieft werde. Man komme zu mehr Körperbewusstsein und Konzentration, erklärt Wolfrum. Früher im chinesischen Kaiserreich stand Tai Chi für den bewaffneten und unbewaffneten Nahkampf. Heute ist es eher Bewegungslehre oder Gymnastik – unter anderem bei der SGL.

„Erst mal ist das aber etwas ganz Komisches für uns, die Entspannung in der Bewegung zu suchen. Da muss man Geduld mit sich selbst haben, damit man sich eventuell nach einem halben Jahr daran gewöhnt hat und ein bisschen versteht“, berichtet die Trainerin. Ausgelernt habe man nie. Selbst Sabine Wolfrum weiß nach mehr als 34 Jahren Praxis und einer Zertifizierung durch den Deutschen Dachverbands für Qigong und Taijiquan zur Lehrer-Ausbilderin nicht alles. „Ich mache fünf Mal in der Woche Tai Chi und nehme mehrmals im Jahr an Fortbildungen teil, um mich zu verbessern“, betont Wolfrum. Sie ist sehr schlank, durchtrainiert und vital. Und sie steckt derzeit gerade mitten in der Ausbildung zur Heilpraktikerin. Die Kursteilnehmer Elke, Achim und Birgit sind unterschiedlich lange dabei, aber alle bereits seit Jahren. Sie üben so schöne Figuren wie „die Mähne des Wildpferdes teilen“, „Feuer annehmen, festhalten und abgeben“ oder „Den Regenbogen schwingen“. Es ist eine Mischung aus Tai Chi (Experten schreiben es Taijiquan) und Qigong, die Wolfrum lehrt. Es geht darum, Gewicht zu verlagern, die Knie und Füße richtig zu drehen oder in der Hüfte statisch zu bleiben und mehr. „Der Bauch ist bei uns in der Regel zu locker, die Schulter zu angespannt“, erläutert Wolfrum. Was mit ihrer Körperhaltung nicht stimmt, sollen die Kursteilnehmer mit der Zeit selbst erfahren und unter Anleitung verbessern.