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Nachbarschaften: RP-Serie in Zusammenarbeit mit Stadtwerken und Verbandswasserwerk (8): Im Duett bilden Städte starken Südkreis

Nachbarschaften: RP-Serie in Zusammenarbeit mit Stadtwerken und Verbandswasserwerk (8) : Im Duett bilden Städte starken Südkreis

Mal blickt eine Stadt neidisch auf den Nachbarn, mal ergänzen sich Langenfeld und Monheim. In jedem Fall ist das Duo ein starkes Stück Südkreis.

Erst wenige Jahre ist es her, dass das gerade schuldenfrei gewordene Langenfeld mit seinem neuen Zentrum auf die klamme Nachbarstadt hinabschaute. Doch die Zeiten haben sich mit Monheims immer stärker sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen geändert. Die beiden Nachbarn sind auf Augenhöhe und im Mettmanner Kreisgebiet bilden sie zusammen einen überragend starken Südkreis – mit der Einwohnerzahl einer Großstadt. In einigen Punkten stehen die Nachbarn im Wettbewerb zueinander, in anderen profitieren sie gegenseitig von der Nähe – in Form eines zusätzlichen und ergänzenden Angebots vor der Haustür.

Finanzkraft

Beide Städte sind schuldenfrei, im Vergleich zu anderen Kommunen im weiten Umkreis sogar wohlhabend. A und O der Finanzkraft und dadurch möglichen Investitionen sind die Gewerbesteuereinnahmen. In Langenfeld zahlen ansässige Unternehmen in diesem Jahr mehr als 60 Millionen Euro. Monheim erreicht mit 315 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen in diesem Jahr gar einen Höchststand. Zwar werden die Monheimer Stadtverantwortlichen um Bürgermeister Daniel Zimmermann (Peto) wegen des seit Jahren immer weiter abgesenkten Hebesatzes auf aktuell 250 Prozentpunkte als egoistische Steueroase verschrien, aber der Erfolg gibt ihnen in Form von etlichen neu angesiedelten Firmen und Firmenadressen Recht. Langenfeld zieht nach und wird sich mit der von Bürgermeister Frank Schneider (CDU) vorgeschlagenen und im Stadtrat noch zu beschließenden Gewerbesteuersenkung drei Jahre lang hintereinander ebenfalls in der kommunalen Familie unbeliebt machen.

Strahlkraft

Mit der Lage am Rhein und der vielfältig gestalteten Uferlanschaft hat Monheim innerhalb des Kreisgebiets ein Alleinstellungsmerkmal. Dazu ist die Altstadt ein echter Pluspunkt. Sie öffnet sich zum Rhein hin. Der Alte Markt ist neu gepflastert. Die Kneipenszene wieder mit Leben gefüllt. In Langenfeld gibt es nichts Vergleichbares, auch nicht im tagsüber belebten Alt-Richrath rund um die Kirche St. Martin. Regionale Strahlkraft hat dafür die Wasserskianlage Berghausen, die vor allem junge Leute aus ganz NRW und darüber hinaus anzieht.

Kultur

Hier ergänzen sich die Angebote. Für Kulturfreunde sind Besuche der Nachbarstadt gang und gäbe. Langenfeld hat bei Kunstausstellungen die Nase vorn. Im Freiherr-vom-Stein-Haus, beim Kunstverein Langenfeld und in der Wasserburg Haus Graven sind beachtliche Kunstausstellungen und Exponate zur Stadtgeschichte zu besichtigen. Der Schauplatz bespielt Stadthalle und die Kleinkunstbühne Schaustall vor allem mit Kabarettisten und Comedians, betreibt außerdem das Rex-Kino. Das Kinder- und Jugendtheater „Blinklichter“ füllt mit jährlichen Neuinszenierungen die Stadthalle. Die Monheimer Kulturwerke legen im Bühnenprogramm der OHG-Aula ebenfalls den Schwerpunkt auf Kleinkünstler, holen zudem immer wieder auch Tourneetheater dorthin. Das Archäologische Museum in Haus Bürgel legt den Schwerpunkt auf die Vergangenheit als – damals noch linksrheinisches – Römerkastell.

Shoppen

Die Einkaufs-Tempel rund um den Langenfelder Marktplatz bieten das klassische Center-Sortiment. An Haupt- und Solinger Straße sowie in der Schoppengasse sind noch inhabergeführte Geschäfte mit attraktiven und hochwertigen Angeboten zu finden. Der Langenfelder Wochenmarkt ist unschlagbar. Future-City-Projekte versuchen, den Handel zu stärken. In Monheim hilft die Stadt dem Handel auf die Sprünge, wird die erworbenen Einkaufszentren Monheimer Tor und Rathaus-Center aufhübschen und unterstützt die Händler-Plattform Lokalhelden auf dem Weg ins digitale Zeitalter. Der Markt ist klein, aber fein.

Gastronomie

Neben Kneipen und Cafés in der Altstadt ist in Monheim auch der Blick auf den Rhein ein Pfund, mit dem in Monheim und Baumberg Gastwirte wuchern können – und den etliche Besucher aus der Nachbarstadt schätzen. In Langenfeld verteilen sich Restaurants übers Stadtgebiet. Wer zu Fuß von Kneipe zu Kneipe ziehen möchte, muss mitunter weite Wege zurücklegen. Vor allem im Sommer zeigt sich: Freiluftgastronomie ist in Langenfeld deutlich ausbaufähig.

Feste und Brauchtum

Hier liegen unter den beiden Nachbarn Besuch und Gegenbesuch auf der Hand. Im Karneval kommen sich der Monheimer Rosenmontagszug und der samstägliche Langenfelder Zoch nicht in die Quere – auch mit dem regional einmaligen Reusrather Lichterzug gibt es keine Terminkollision. Im Sommer animieren die sieben sommerlichen Langenfeld-Live-Rockkonzerte auf dem Marktplatz oder die Schlemmermeile ebenso zum Besuch beim Nachbarn wie das Monheimer Stadtfest mit dem Gänselieselmarkt oder das Festival im Spiegelzelt. Weitere Straßenfeste, Schützenwesen und Chorgesang tragen ebenso zu einem regen Austausch bei.

Sport

Attraktive Laufstrecken und Radtouren führen durch Wälder, Felder und am Rhein entlang, dazu gibt es für Bewegungsfreudige gratis nutzbare Spielfelder aller Art im Freizeitpark Langfort, Skate-Anlagen und die Wasserski- Seilbahn. Wer beim Fußball nur zugucken möchte: Die zwei höchstklassigen Fußballvereine sind beide in der Gänselieselstadt: die Sportfreunde Baumberg und der FC Monheim sind Oberligisten, die drei besten Langenfelder Clubs kicken in der Bezirksliga.

Öffentlicher Nahverkehr

Da ist die Stadt Langenfeld mit zwei S-Bahnhöfen (Berghausen und Langenfeld) gut ausgestattet. Bürger beklagen jedoch zu wenige Busverbindungen in den Stadtteilen zur Innenstadt. Monheim setzt dagegen auf gute Busanbindungen mit hoher Taktzahl zu eben den S-Bahnhöfen, setzt aber zugleich auch auf gute Verbindungen innerhalb der Stadt. Monheim plant, künftig fahrerlose Busse pendeln zu lassen. Monheim hat in den BSM (Bahnen der Stadt Monheim) einen eigenen Verkehrsbetrieb, kooperiert wie Langenfeld aber auch mit der Düsseldorfer Rheinbahn, Langenfeld darüber hinaus noch mit der Wupsi (Wupper-Sieg). Beide Städte setzen auch aufs Fahrrad, wobei Monheim deutlich den stärkeren Akzent setzt; etwa mit einem neuen Verleihsystem und einer Satzung, die auch Parkplätze für Fahrräder und Tickets für Mieter/Mitarbeiter unterstützt.

Kinderbetreuung

Hier gibt es aus Langenfelder Sicht vermutlich nachbarschaftlichen Neid. In Monheim zahlen Eltern nämlich keine Gebühren für den Besuch ihrer Sprösslinge in einer Kindertagesstätte. Beschlossen ist dort eine Investition in Höhe von 24,5 Millionen Euro für den Bau sechs neuer Kitas in der Stadt. Damit soll bis 2022 für Kinder unter drei Jahren eine 70-prozentige Platzgarantie geschaffen werden. Alle Eltern, die einen Kitaplatz vor August 2019 benötigen, haben eine Platzzusage für die neue neungruppige Kita, die im Frühjahr 2019 in Betrieb gehen wird. In Langenfeld öffnen im nächsten Jahr drei neue Kitas mit insgesamt 16 Gruppen. Sie können bis zu 320 Plätze bieten und Kinder ab vier Monaten betreuen. Die Gebühren kosten in Langenfeld ab einem Jahreseinkommen von 28 000 von 16 bis 260 Euro im Monat.

Rathauspolitik

Das Langenfelder Rathaus ist seit vielen Jahren fest in CDU-Hand (50,9 Prozent seit 2014). Frank Schneider steht dort seit 2009 (nach dem umtriebigen Magnus Staehler) an der Spitze. In Monheim ist zeitgleich Daniel Zimmermann (nach Thomas Dünchheim, CDU) ins Amt gekommen, als damals jüngster Bürgermeister in NRW. Ausgestattet sind Zimmermann und seine junge Partei Peto mit einer satten Mehrheit von 65 Prozent und können so die Visonen für die Stadt vorantreiben. In beiden Städten ist der Frust bei den anderen Parteien groß, da sie kaum eine Chance haben, direkt mit ihren Ideen durchzudringen.