Hospizbewegung: „Mein Psychologe ist Jesus“

Hospizbewegung: „Mein Psychologe ist Jesus“

Vor 15 Jahren wurde die Hozpizbewegung St. Martin gegründet. Eng damit verbunden ist Schwester Mediatrix. Sie erinnert sich im WZ-Gespräch noch genau.

Langenfeld. „Eigentlich wollte ich heiraten und mindestens fünf Kinder haben“, sagt Schwester Mediatrix Nies. „Ich wollte nie Nonne werden — aber dann habe ich gemerkt, dass ich ohne die Kirche nicht leben kann und will.“ 1964 trat die heute 68-Jährige in den Franziskanerorden ein, vor 15 Jahren gründete sie die Hospizbewegung St. Martin.

„Ich wollte mich für andere einsetzen, und das geht in einer geistlichen Gemeinschaft besser, als wenn man an die Familie gebunden ist“, erläutert sie ihre Entscheidung für die Kirche. „Natürlich gibt es Zeiten des Zweifels, Krisen, schlechte Tage, wie in jeder Ehe auch.“ Aber genau wie in einer guten Ehe gehen solche Tage vorbei. Und dann sei sie wieder da, die feste Überzeugung: Ich bereue die Entscheidung nicht.“

Ob es unter Nonnen auch mal Zickenalarm gibt? Da bricht ein fröhliches, junges Lachen aus Schwester Medatrix heraus: „Und wie! Deshalb wollte ich ja nie Nonne werden.“ Aber dann hat sie sich doch dafür entschieden. 46 Jahre ist diese Entscheidung jetzt her. Der Schritt war zu dieser Zeit gar nicht so ungewöhnlich. „Damals wurde der Glaube ja noch viel mehr in der Familie gelebt. Er gehörte einfach dazu — darüber gab es keine Diskussion.“

Junge Frauen, die Krankenschwester oder Lehrerin werden wollten, mussten in die Schwesternschaften eintreten — die Schulen und Krankenhäuser wurden von den Orden unterhalten. Als Außenstehende hatte man kaum Chancen, aufgenommen zu werden.“ Das sei heute anders. Der Orden kämpft mit Nachwuchsproblemen. „Vor 40 Jahren gab es mehr als 1000 Schwestern deutschlandweit. Heute sind wir gerade noch 150.“

Schwester Mediatrix lernte zunächst Krankenpflegerin, wurde später Krankenhausseelsorgerin. Während dieser Zeit reifte langsam die Idee, eine Hospizbewegung zu gründen. „Es gab so viele Menschen, die nicht zu Hause sterben konnten, die allein im Krankenhaus lagen und niemanden mehr hatten. Oder es gab Familien, die damit überfordert waren. Da wollte ich helfen.“

Fünf Jahre lang reifte die Idee, dann schrieb sie einen Brief an potentielle Helfer und stieß auf ein positives Echo: 1995 wurde die Hospizbewegung St. Martin gegründet. Viele denken bei dem Begriff an ein Haus, in das Menschen zum Sterben kommen. „Wir sind aber eine Hospizbewegung“, erläutert Schwester Mediatrix. „Wir bewegen uns zu den Menschen hin, mit den Menschen, für die Menschen. Wir können unsere Arbeit frei gestalten — und die beschränkt sich nicht darauf, einem Sterbenden die Hand zu halten. Manchmal liegt sie im Gegenteil darin, genau das nicht zu tun. Und zu erkennen, wann das eine und wann das andere gewünscht ist.“

St. Martin bietet nicht nur Sterbebegleitung, sondern auch Trauerarbeit an. „Trauer ist so vielfältig und unterschiedlich, wie es die Menschen sind. Damit umzugehen ist es, was wir unseren Helfern vermitteln.“ Für Schwester Mediatrix ist es der Glaube, der ihr hilft. „Es hat viel mit meiner eigenen Einstellung zum Tod und zum Sterben zu tun. Wenn man die Überzeugung hat, dass der Tod nicht das Ende ist, dann kann man damit umgehen. Manche gehen zum Psychologen, um damit klar zu kommen — mein Psychologe ist Jesus.“