Hilden: Schulexperiment - Varus-Schlacht in Sneakers

Hilden: Schulexperiment - Varus-Schlacht in Sneakers

Die HGH-Schüler haben mit einem Experiment ihr Schuljubiläum gefeiert: Sie wandelten auf den Spuren römischer Krieger.

Hilden. Wenn sich römische Feldherren wie Schüler benommen und sich gegenseitig mit Schwertern und Speeren angegriffen hätten - sie wären nie bis zum Teutoburger Wald vorgedrungen. Auch bei ihrer Marsch-Aufstellung dürfte kein so großes Chaos geherrscht haben, wie es die Schüler-Legionen des Helmholtz-Gymnasiums an den Tag legten. 2001 Jahre nach dem Einfall römischer Legionen in Germanien haben sich die HGH-Schüler gestern auf deren Spuren begeben.

Sie wollen bei dem historischen Experiment den wahren Grund für die Niederlage der Römer im Osnabrücker Land herausfinden. Immerhin hatten dort einige schlecht bewaffnete Germanen eine Berufsarmee mit 20 000 Soldaten vernichtet. "Vielleicht, weil sich der Tross der Römer zu weit auseinandergezogen hat", vermutet Geschichtslehrer Axel Meyer, der die Idee zu dem Experiment hatte.

So zogen gestern mehr als 1000 Schüler, Lehrer und Ehemalige im Auftrag der Wissenschaft durch den Stadtwald. Alle feierten mit diesem besonderen Wandertag das 100-jährige Bestehen ihrer Schule - Anachronismen inklusive: Mit Sneakers und Kapuzenpulli waren die Römer wohl kaum unterwegs. Auch hakten sie sich weder unter, noch schlenderten sie gemächlich durch den Wald.

Dennoch waren die Schüler um Authenizität bemüht. Sechstklässler hatten sogar ein Holzpferd auf Rollen als Lasttier dabei. Johanna Schilbach (11) aus der 6e hatte eine Legionärs-Uniform aus einer Fleecedecke samt Gipshelm mit Borsten gebastelt. Auch Sara Weber und Sarah Unfried (beide 11) aus der 6a zeigten viel Einsatz. Der Glaubwürdigkeit wegen waren sie vor der Wanderung über den Waldboden gerutscht: "Die Römer sind oft hingefallen, weil sie über Steine gestolpert sind", ist Sarah überzeugt.

Den Hildener Stadtwald haben die Römer im 9. Jahrhundert nach Christus wohl nicht passiert. "Die Römer sind über den Main und die Lippe nach Germanien eingedrungen. Aber es ist denkbar, dass sie auch in unserer Gegend Strafaktionen gemacht haben - weil die Germanen sie öfter überfallen haben", weiß der Geschichtslehrer.

Auch die HGH-Römer blieben von Überfällen nicht verschont: An Kilometer 1,8 und 3,2 lauerten ihnen germanische Dreizehntklässler auf und griffen mit Wasserpistolen an. Derweil maßen Schüler der Jahrgangsstufe 12 die Länge des HGH-Heeres, um die Werte später auf das Römer-Heer hochzurechnen. Mitte September werden sie bei Projekttagen die Aufzeichnungen auswerten. "Dann steht auch der Jubiläums-Ball an", sagt Meyer. Ein Heer von 2500 Gästen, Schülern und Ehemaligen wird dazu erwartet.

Mehr von Westdeutsche Zeitung