Hilden: Reise in die Vergangenheit

Hilden: Reise in die Vergangenheit

Beim Tag des offenen Denkmals gibt es für die Besucher Spannendes hinter Backstein und Fachwerk zu entdecken.

Hilden. Mächtig und würdevoll erscheint das rote Backsteingebäude der Essenzenfabrik Reinarzt. Gespannt betrachten die 100 Besucher das hohe Bauwerk von oben bis unten. Und fast wirkt es, als seien sie alle mehr als 100 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt worden.

"Ich bin völlig überwältigt über den Ansturm", muss Karin Herzfeld zugeben. Damit hat die Architektin und Beauftragte für Denkmalpflege nicht gerechnet.

Am Tag des offenen Denkmals heißt das Motto: "Historische Orte des Genusses". Da trifft die Essenzenfabrik mit der Produktion von Aromen natürlich den Nagel auf den Kopf. 1906 nahm die Fabrik in der Lindenstraße ihren Betrieb auf. "Da sah die Straße noch nicht so aus wie heute", erklärt Herzfeld.

Im Gegenteil: An der Stelle der heutigen Familienhäuschen zierten weite Plantagen mit Himbeeren und Kirschen das Landschaftsbild. Aus den Früchten fertigte die Gründungsfamilie Reinarzt Aromen für Speisen und vor allem erfrischende Getränke.

"Eigentlich müsste man sogar die Familie unter Denkmalschutz stellen", sagt Herzfeld schmunzelnd. Denn noch heute leiten Martin, Markus und Andreas Reinarzt das Unternehmen. Nun steht das Gebäude unter Denkmalschutz, während im Inneren aber noch immer viele verschiedene Essenzen destilliert werden.

Besucherin Marlies Hock ist angenehm überrascht von der Historie der geschichtsträchtigen Fabrik. "Ich bin Drogistin und hätte die Arbeit hier drinnen wirklich sehr gerne miterlebt", sagt sie.

Nicht minder geschichtsträchtig ist das Kückeshaus an der Eisengasse. Das Fachwerkhaus prägte bereits im 15. Jahrhundert die Gasse. 1594 wurde es allerdings bei einem Großbrand völlig zerstört. Heute ist das Kückeshaus ein Neubau - wenn man bei einem stolzen Alter von mehr als 242 Jahren überhaupt von "neu" sprechen kann.

Heutiger Besitzer des Hauses ist Wolfgang Breuers. Die Instandhaltung des Hauses hört aber niemals auf. "Es ist wie beim Kölner Dom. Es gibt hier immer etwas zu flicken", schmunzelt Breuers.

im Jahre 1767 wurde ein Armenhaus in den Mauern eingerichtet, in dem Hungernde versorgt wurden. Die Besucherin Monika Evers ist völlig fasziniert. "Ich würde auch gerne in einem Haus mit so viel Geschichte wohnen", sagt sie begeistert. Bis auf einige moderne Installationen erinnert im Kückeshaus fast alles an früher. "Hier werde ich auf jeden Fall nicht ausziehen", sagt Wolfgang Breuers bestimmt. Es sei eben ein ganz besonderes Wohnklima.

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