Hilden: Minijob an der eigenen Schule

Hilden: Minijob an der eigenen Schule

Sven Kummetz und weitere Schüler sind als Administrator auch Angestellte des Bonni.

Hilden. Wer als Außenstehender einem Gespräch zwischen Sven Kummetz mit seinen Mitschülern Frederick Mathiak und Michael Wolz zuhört, versteht zunächst nur Bahnhof. Sätze wie "Wolltest du nicht ’nen Bluescreen machen?" oder "Mach’ doch shell-execute und dann shutdown" sind für Computerlaien kaum zu verstehen. Für Kummetz sind sie alltäglich. Der 17-jährige Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums arbeitet dort als Administrator und schreibt gerade ein neues Schul-Computerprogramm.

Der Elftklässler gehört zu einem Team, das sich um die Netzwerke, Soft- und Hardware der Schule kümmert. Neben Sven und seinem Freund Frederick Mathiak sind das noch die Lehrer Jürgen Anderssohn und Martin Braukmann sowie eine Studentin. Die Schule hat zwei Netzwerke. Sven und Frederick betreuen das Bonni-Netz, das die Schüler benutzen. Die Lehrer kümmern sich um das Verwaltungssystem, das die Lehrer zum Beispiel für Schulnoten nutzen. "Wir dürfen da nicht rein und kommen da auch nicht rein", sagt Kummetz.

Seit den Sommerferien arbeitet Sven als Minijobber für das Gymnasium. "Wir können ja im Gegensatz zu städtischen Schulen die Schüler als Arbeitskraft beschäftigen", sagt Schulleiter Ulrich Göbeler. Zweimal in der Woche trifft sich das Administrator-Team und kümmert sich um die großen und kleinen technischen Probleme der 150 Rechner des Bonni-Netzes.

Zurzeit arbeitet Sven aber an einem anderen Projekt - sein bisher größtes, wie er sagt. "Ich schreibe gerade an einem Programm für den Mitteilungsbildschirm." In der Schule gibt es bisher schon einen elektronischen Vertretungsplan. Er zeigt auf zwei Bildschirmen zum Beispiel an, ob ein Lehrer krank ist. "Auf dem Mitteilungsbildschirm soll dann stehen, wann Andacht oder eine Klasse auf Klassenfahrt ist.Dort stehen aber auch Mitteilungen der Schulleitung an die Schüler", sagt Sven.

Dafür musste er eine Benutzerverwaltung schreiben, damit die Lehrer sich in das System einloggen können. Noch ist er mit einem anderen Schülern mit der Programmierung beschäftigt. "Wir wollen jetzt die erste Version zum Laufen bringen. Anfang Februar möchten wir die Geräte installieren", sagt Sven.

Mehrere hundert Programme hat der 17-Jährige bereits selbst geschrieben. "Die ersten 200 Programme, die man schreibt, sind nur zur Übung. Das dauert auch nicht lange, nur ein paar Minuten", sagt er. "Hallo Welt" hieß sein erstes, selbst geschriebenes Programm. "Das macht jeder Programmierer als erstes. Das ist ein Windows-Pop-up, in dem ,Hallo Welt’ steht." Um das Fenster, das auf dem Computerbildschirm erscheint, zu programmieren, seien nur wenige Minuten notwendig.

Überhaupt findet der 17-Jährige das Programmieren gar nicht so schwer. "Man muss sich da ein bisschen einlesen. Aber ich denke, das kann jeder in drei Stunden machen", sagt der Gymnasiast. So war es bei ihm auch. Angefangen hat er als Siebtklässler in der Informatik-AG der Schule. "Da haben wir gelernt, wie man Internetseiten macht." Nachdem sich die Gruppe aufgelöst hat, half er im Administratorraum aus - bis er nun die bezahlte Stelle erhielt.

Doch Sven kann nicht nur Hard- und Software-Probleme lösen und neue Programme schreiben. Er ist an seinem Rechner auch künstlerisch aktiv. Mit dem Programm Blender schafft er 3D-Bilder. "Momentan mache ich viel im Bereich Architektur, Fotorealismus und Surrealismus", sagt Sven. Seit drei Wochen leitet er an der Schule eine neue Arbeitsgemeinschaft (Blender-AG). Was er da macht? "Aus Daten Kunst."

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