Hilden: Mehrheit für Wohnbebauung

Hilden: Mehrheit für Wohnbebauung

Auf einer Mitgliederversammlung sprachen sich 130 von 180 Anwesenden für das Vorhaben des Bauverein-Vorstandes aus.

Hilden. 160 neue Wohnungen zwischen Ohligser Weg, Kirschenweg und An den Linden, darunter 36 Neubauten auf einer Gesamtfläche von 5700 Quadratmetern, Baubeginn 2012/2013. Das sind die Eckdaten, die der gemeinnützige Bauverein für seinen städtebaulichen Rahmenplan im Hildener Süden abgesteckt hat. Doch das Vorhaben birgt Zündstoff. Die Anwohner des betroffenen Gebietes, die sich mittlerweile zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben, laufen Sturm. Deshalb hat der Bauverein seinen Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplans sogar vorläufig zurückgezogen.

Am Dienstagabend trafen sich beide Parteien in der Stadthalle. Die Meinungen über Erfolg und Misserfolg der Veranstaltung gehen dabei allerdings weit auseinander. Während Lars Dedert vom geschäftsführenden Vorstand des Bauvereins von einer "erfreulichen Veranstaltung, der Aufklärung und Beseitigung von Missverständnissen" sprach, monierte Peter Gerarts, Sprecher der Bürgeriniative LOK: "Wir wurden erneut über den unveränderten städtischen Rahmenplan nur informiert. Mehr nicht. Es gab bisher keine aktive Beteiligung der unmittelbar betroffenen Anwohner. So etwas nennt man wohl, jemanden vor vollendete Tatsachen stellen." Außerdem seien die meisten der von den Anwohnern gestellten Fragen entweder vage, ausweichend oder gar nicht beantwortet worden.

Eine Annäherung der Positionen ist nicht in Sicht. Während der Vorstand des Bauvereins das Projekt weiter als "Investition in die Zukunft" sieht, fürchten die Betroffenen, dass die vom Bauverein geplante "behutsame Verdichtung" das Aus der Häuser bedeutet, in denen bereits ihre Eltern und Großeltern lebten.

Der Befürchtung, dass Mietern möglicherweise sogar gekündigt werde, widersprach Dedert. "Das stimmt nicht. Die alten Siedlungshäuser werden erst durch Neubauten ersetzt, wenn die heutigen Mieter ausziehen und keine weiteren Ansprüche, zum Beispiel Miet-Erbrecht, mehr bestehen." Daher werde sich die Realisierung über einen langen Zeithorizont erstrecken. "Wir rechnen mindestens mit 20bis 30 Jahren." Doch schon jetzt, so Dedert, gäbe es eine lange Warteliste: "Darauf stehen aktuell 308 Interessenten, die nicht bedient werden können. Darüber hinaus gibt es eine Tauschliste mit weiteren 52 Mitgliedern."

Dem Vorwurf, dass der Bauverein seine alten Bestände aufgegeben habe, begegnete der Vereinsvorstand mit einer Kostengegenüberstellung: "Eine sach- und fachgerechte Sanierung der maroden Bausubstanz kostet rund 1600 bis 1800 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Bei Abriss und Neubau liegen wir bei 1400 bis 1600 Euro." Unter wirtschaftlichen Aspekten sei daher einzig die zweite Variante vertretbar. "Jetzt", so Dedert, "hoffen wir auf einen ebenso positiven Austausch mit der Politik und der Verwaltung."

Am Ende stimmten 130 Mitglieder für und 50 gegen den Rahmenplan. "Ein gutes Ergebnis", sagt Dedert. "Die Nein-Stimmen machen deutlich, dass es innerhalb des Bauvereins noch immer erhebliche Zweifel an der genossenschaftlichen Ausrichtung des Bauvorhabens gibt", sagt Gerarts.

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