Hilden: Grundwasser wird entgiftet

Hilden: Grundwasser wird entgiftet

An der Reisholzstraße wurde am Montag eine spezielle Reinigungsanlage in Betrieb genommen.

Hilden. Leichtflüchtige Chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW) sind berüchtigt, denn sie belasten das Grundwasser. Dorthin gelangen sie vor allem aus alten Industrieanlagen. Auch Teile des Hildener Grundwassers sind davon betroffen. Deshalb wurde am Montag an der Reisholzstraße eine spezielle Reinigungsanlage in Betrieb genommen. Damit soll eine drei Kilometer lange und bis zu 800 Meter breite so genannte Grundwasserfahne saniert werden.

Das Gebiet reicht bis nach Düsseldorf-Benrath. Obwohl das Hildener Grundwasser mit LCKW belastet ist, ist das hiesige Trinkwasser davon nicht betroffen. Das kommt von ganz woanders. Und eine Vermischung schließt Stadtwerke-Sprecher Oliver Schläbitz aus.

50 Prozent des hiesigen Trinkwassers werden aus Grundwasserbrunnen in Karnap im Hildener Südwesten aus der Tiefe geholt. Die andere Hälfte kommt aus dem Wasserwerk Baumberg im gleichnamigen Monheimer Ortsteil. Dabei handelt es sich um so genanntes Rheinuferfiltrat. Es wird aus mehr als 20 Metern Tiefe gewonnen.

Die Brunnen stehen etwa 100 Meter vom Ufer entfernt. Dadurch ist garantiert, dass 70 Prozent Grundwasser sind. Bei den übrigen 30 Prozent handelt es sich aber keineswegs um direktes Rheinwasser. Auf seinem Weg in die Tiefe sickert das Wasser durch dicke Erdschichten, ist deshalb schon gefiltert, bevor es nach oben geholt wird.

Allein 2008 sind 3,33 Millionen Kubikmeter Trinkwasser durch die 10 000 Hildener Anschlüsse gelaufen. Ein Leitungsnetz von 158 Kilometern Länge muss dafür vorgehalten sein. An deren Ende fließt Wasser erster Güte aus dem Hahn, denn "unser Trinkwasser hatte eine hervorragende Qualität", betont Schläbitz. Denn bevor das kühle Nass auf die Reise in die Leitungen geschickt wird, gibt es erst einmal Qualitätsmessungen und Aufbereitungen.

Dabei sind die Grenzwerte im Trinkwasser strenger als beim Mineralwasser im Geschäft. Der Natriumgehalt darf beispielsweise beim Trinkwasser bei maximal 200 Milligramm liegen. Es gibt Sprudelwasser mit mehr als 300 Milligramm.

Besagte Reinigungsanlage an der Reisholzstraße, die seit Montag im Westen der Stadt nahe der Düsseldorfer Stadtgrenze eingesetzt wird, um die Chlorierten Kohlenwasserstoffe aus dem Wasser zu ziehen, ist der erste von insgesamt drei Sanierungsabschnitten. Zwei weitere Anlagen werden noch von der Stadt Düsseldorf gestartet.

Der Kreis Mettmann lässt sich die Säuberung des Grundwassers rund 4,5 Millionen Euro kosten. Zwei Millionen davon stammen aus Landesmitteln. Es werden mehrere Jahre vergehen, bis das belastete Wasser wieder eine gute Qualität hat.

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