Hilden: Ein verstaubtes Schätzchen

Besichtigung: Die Geschäftsführer der städtischen Infrastrukturgesellschaft nahmen am Mittwoch erstmals das Kolpinghaus in Augenschein.

Hilden. "Ein Schmuckstück." Noch bevor Thomas Lange das ehrwürdige, 100 Jahre alte Gebäude an der Kirchhofstraße betritt, ist der erste Eindruck positiv. Der Geschäftsführer der städtischen Infrastrukturgesellschaft und seine Kollegin Sabine Ellendt nahmen am Mittwoch erstmals das Kolpinghaus in Augenschein. Schließlich wird ihre Gesellschaft das denkmalgeschützte Gebäude für 400 000 Euro von der Kolpingsfamilie kaufen und anschließend für rund 800 000 Euro herrichten lassen.

Im Inneren setzt sich der gute Eindruck fort. Selbst Ralf Scheib, Leiter des städtischen Liegenschaftsamtes, ist über den guten Zustand des Gebäudes erstaunt: "Ich dachte, es wäre verfallener." Falsch gedacht. Der Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer (SKFM) als künftiger Hauptmieter des Gebäudes kann sich auf eine großzügige und nach der Renovierung moderne Unterkunft freuen.

Das gilt auch für den neuen Mieter der alten Gaststätte. Deren Nutzung wird zwischen der portugiesischen Gemeinde und dem spanischen Familienverein ausgelost. In der Gaststätte scheint die Zeit still zu stehen. Die Küche ist noch voll funktionsfähig, im Schankraum hängt noch der Sparkasten an der Wand und auf einem an die Wand gelehnten Schild werden WM-Fans zum gemeinsamen Fußball schauen eingeladen.

In einem Anbau ist die alte Kegelbahn. "Die kommt weg", sagt Hildens technischer Beigeordneter Horst Thiele. Daneben ist der ehemalige Clubraum der Gaststätte. Dort kann der SKFM die Ausgabestelle seiner Tafel einrichten. Dessen historische Fensterfront zum Innenhof bleibt erhalten. Alle anderen alten Fenster (außer an der Straßenfassade) werden ausgetauscht.

"Eine Topp-Lage, ich sehe sofort Chancen", schwärmt Lange, der zudem von einer "hübschen Sache" und einer "guten Immobilie" spricht. Und dabei hat er das Beste noch gar nicht gesehen: den alten Kolpingsaal. Dort sollen Büros eingerichtet werden. Parkettboden mit dem Staub, der sich seit der Schließung in den 1970er-Jahren angesammelt hat. Nichts ist seither verändert worden. Auf und hinter der Theke stehen noch die Kartons mit Flaschen voller Becherovka, Wodka und Martini. Selbst eine alte Speisekarte liegt noch herum: Jägerschnitzel auf Toast für sechsMark, Gulaschsuppe für 1,50Mark.

Höhepunkt der Besichtigungstour ist aber der Blick in den großzügigen Garten hinter dem Anbau von 1926: eine gut 1000 Quadratmeter große Idylle in bester Innenstadtlage. Allein dieses Grundstück ist den Kaufpreis wert.

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