Hilden: Der Fortschritt hat schon lange Tradition

Hilden: Der Fortschritt hat schon lange Tradition

Vor 50 Jahren begann der Bau des heute größten europäischen 3M-Werkes.

Hilden. Manchen sieht man das Alter nicht an. Darin schwingen Lob, Respekt und manchmal möglicherweise auch Neid mit. In jedem Fall sind die Worte als Lob gedacht. Darum kann Gert Behling, Mitglied der Geschäftsleitung von 3M Deutschland, stolz auf die Feststellung sein, dass dem Hildener 3M-Werk sein Alter nicht anzusehen ist. Dort wurde 1960 die Produktion aufgenommen. Die Grundsteinlegung war vor 50 Jahren.

Alle Eltern sind stolz auf ihre Kinder. Da bildet die Konzernmutter im US-Bundesstaat Minnesota keine Ausnahme. Die suchte seinerzeit nach einem Gelände für eine Produktionsstätte in der Nähe ihrer damaligen Verwaltung in Düsseldorf-Reisholz. "Damals war schon angedacht, dass es ein bedeutender Standort werden soll", sagt Behling. Dass es das größte 3M-Werk in Europa werden sollte, war nicht geplant.

GertBehling, Hildener und Mitglied der Geschäftsleitung von 3M Deutschland

Bewegung hält jung, sagen Mediziner. "Innovationen halten jung", sagt der Mann aus der Wirtschaft. Deshalb sind zwar die Mauern der Gebäude gealtert, nicht aber das Geschehen im Inneren. Dort wurden zunächst nur Klebebänder für den regionalen Markt produziert. Anfang 1963 kam eine neue Halle zur Herstellung von Reflexfolien hinzu. Drei Jahre später wurde eine dritte Halle errichtet, in der von 1967 bis 1969 Kopiergeräte hergestellt und montiert wurden. Aber daran kann sich kaum noch jemand im 3M-Werk an der Düsseldorfer Straße erinnern.

"Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit." Als Neil Armstrong am 21. Juli 1969 diesen legendären Satz als erster Mensch auf dem Mond sagte, bestand ein Teil seiner Ausrüstung aus 3M-Produkten. Auch die Hildener hatten ihren Teil dazu beigetragen, denn "wir sind im Konzern ein Musterbeispiel für Innovationen", so Behling.

"Schau’n mer mal" pflegt Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer zu sagen. Für Behling heißt das: "Der Standort Hilden ist kein Auslaufmodell. Wir werden von der Konzernmutter nach wie vor bei Investitionen berücksichtigt." Gerade in wirtschaftlich schweren Zeiten ist das keine Selbstverständlichkeit - aber Tradition an der Düsseldorfer Straße. So wurde dort 1997 für zehn Millionen Dollar eine Anlage errichtet, dessen Produkte kaum ein Elternteil missen möchte: Die Anlage produziert Verschluss-Systeme für Windeln.

Die Grundlage dazu lieferte 1973 ein Team windelerfahrener Väter im Hildener Werk. Um dessen Zukunft macht sich Behling keine Sorgen. "Neue Projekte stehen an, die den Standort stärken werden", sagt er. Und obwohl nächstes Jahr das 50-jährige Bestehen des Werkes gefeiert wird, steht für ihn fest: "Wir sind nicht in der midlife crises."