Hilden: Acht Heilige in Blei gefasst

Hilden: Acht Heilige in Blei gefasst

Malerei: Beim Blick auf die Kirchenfenster von St. Jacobus geraten nicht nur Kunsthandwerker ins Schwärmen.

Hilden. Fast schon trutzig steht die St. Jacobus-Kirche da und blickt auf das Leben zu ihren Füßen herab. Als ob sie gar nicht dorthin gehört - dort, am Rande der Fußgängerzone. Statt eines romantischen Kirchplatzes umrahmen Geschäfte, Kneipen und Cafés das Gotteshaus. Ständig eilen Passanten über die Mittelstraße, werden Lieferungen an- und abgefahren. Waren das noch Zeiten, als St. Jacobus in den 1880er-Jahren auf den Grundmauern zweier Vorgängerbauten errichtet wurde.

Sobald jedoch der erste Schritt ins Innere getan ist, herrscht andächtige Stille. Durch die dicken Mauern dringt kein Mucks von außen herein, nur das leise Murmeln einiger weniger Betender ist zu hören. Der erste Blick fällt unweigerlich auf die meterhohen, bunten, bleiverglasten Kirchenfenster. "Sie bilden einen geschlossenen Zyklus", betont Elisabeth Harsewinkel, die ehemalige Vorsitzende des Museums- und Heimatvereins. "So etwas gibt es in Hilden kein zweites Mal."

Die 77-Jährige hat sich intensiv mit St. Jacobus beschäftigt und vor einigen Jahren zum "Tag des offenen Denkmals" ein Faltblatt rund um das Gotteshaus herausgegeben. "Wir hatten als Verein schon so oft etwas mit der Reformationskirche gemacht", erinnert sie sich. "Daher war einfach mal die katholische Kirche an der Reihe. Zumal es damals um sakrale Bauten ging, und sich die denkmalgeschützte Kirche St.Jacobus geradezu anbot."

"Die Fenster sind zwischen 1895 und 1902 entworfen und ausgeführt worden", weiß die Frau mit dem Faible für Heimatgeschichte. "Verantwortlich war damals die königlich sächsische Hof-Glasmalerei Hertel & Lersch aus Düsseldorf." Echte Profis also, Kunsthandwerker der alten Schule. Beim Betrachten der von ihnen hergestellten imposanten Heiligenbilder fällt vor allem ihre Strahlkraft auf - also ob der Zahn der Zeit niemals an ihnen genagt hätte.

"Das stimmt natürlich nicht ganz", sagt die ehemalige Museums- und Heimatvereinsvorsitzende: "Zwischen 1992 und 1998 sind sie von Hein Derix, einer Werkstätte für Glasmalerei in Kevelaer, grundlegend saniert und restauriert worden. Außerdem wurden sie teils neu verbleit und mit einer Schutzverglasung versehen." Aber nicht zuletzt sei genau das die hohe Kunst der Glasmalerei: gläserne Kunstwerke, deren Farbenpracht die Jahrhunderte überdauert.

Im Mittelpunkt des Zyklus’ links und rechts des Kirchenschiffs stehen Heiligendarstellungen. In Altarrichtung links thronen Aloysius von Gonzaga (1568 - 1591), Bernhard von Clervaux (1090 - 1153) und der Heilige Sebastianus († um 288), auf der rechten Seite sind es Vinzenz von Paul (1581 - 1660), die Heilige Caecilia (* um 200 - 230), Maria Magdalena (eine Weggefährtin Jesu), Franz von Sales (1567 - 1622) und Franziskus von Assisi (1181/82 - 1226).

Weitere prachtvolle Darstellungen von der Kreuzigung, dem Abendmahl, der Anbetung der Heiligen Drei Könige, Herz-Jesu und der Marienkrönung befinden sich im Altarraum, über dem Seitenaltar und im nördlichen Seitenschiff. Mit den Darstellungen der Heiligen bilden sie ein Gesamtkunstwerk, das wahrlich seinesgleichen sucht.

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