Hilden: 70000 Vögel und ein nie geklärter Brand

Hilden: 70000 Vögel und ein nie geklärter Brand

Vor 25 Jahren brannte die Station für Vogelberingung Schönholz komplett nieder – und wurde wieder aufgebaut. Die Arbeit ist bis heute höchst erfolgreich.

Hilden. Verkohlte Balken, Spanplatten und Nistkästen, verbrannte und vom Regen aufgeweichte Akten mit wichtigen wissenschaftlichen Aufzeichnungen waren alles, was von der Vogelberingungsstation Schönholz übrig blieb. In der Nacht zum 12. April 1985 brannte die Holzhütte vollkommen nieder. Bis heute ist die Brandursache nicht geklärt.

Die 1952 gegründete Vogelberingungsstation Schönholz lag unterhalb des Jaberges zwischen Hilden und Haan. Alle Versuche der Feuerwehr, die Beringungsstation zu retten, scheiterten. Netze im Wert von damals 5000 Mark wurden vernichtet, Stahlgerüste im Wert von 4000 Markt schwer beschädigt.

Die Mitarbeiter fanden keine Erklärung für den Brand. Schließlich war der Ofen seit Jahren nicht benutzt worden, Strom gab es nicht. Die Propangasflaschen, die durch das Feuer explodierten, seien nicht angeschlossen gewesen, so die Aussage. Die Kriminalpolizei schloss deshalb Brandstiftung nicht aus. Bis heute wird gerätselt.

Versichert war die Station nicht - sie finanzierte sich durch Spenden, ihre Mitarbeiter engagierten sich ehrenamtlich. Sie waren es auch, die die Station nach dem Feuer sofort wieder aufbauten. Heute arbeiten dort noch immer drei Beringer, die sich für den Vogelschutz einsetzen und besonders bedrohte Vögel untersuchen. Sie fangen diese zunächst mit Hilfe von Netzen ein, registrieren dann ihre Daten wie etwa Geschlecht, Alter, Rasse, Gewicht und Flügellänge, versehen sie mit einem Aluminiumring und lassen sie dann wieder frei.

Die Station Schönholz arbeitet im Auftrag der Vogelwarte Helgoland - eine von zweien in ganz Deutschland. Ist der bedrohte Vogel untersucht und beringt worden, werden die Daten in die dortige Zentralkartei übermittelt. Weil die Beringungssation Schönholz an einer Vogelfluglinie liegt, konnten deren Mitarbeiter zwischen 1952 und 1985 rund 70000 Vögel aus 125verschiedenen Arten beringen. Dabei stellten sie fest, dass einige Vögel Tausende von Kilometern zu anderen Beringungsstationen zurückgelegt hatten.

Für ihre engagierte Arbeit wurde die Beringungsstation in der Vergangenheit bereits mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem bekam sie von der Stadt Solingen den Umweltschutzpreis verliehen. Nachdem den Vogelschützern das 20000. Tier ins Netz gegangen war, bescheinigte der Leiter der Helgoländer Warte der Station Schönholz sogar den Titel der "erfolgreichsten und besten Beringungsstation Mitteleuropas".

Das motiviert die Mitarbeiter bis heute. Denn die Kraft, die einst den Wiederaufbau möglich machte, soll auch in Zukunft ganz im Zeichen des Vogelschutzes stehen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung