Heidstraße in Langenfeld: Künftig Tempo 30 anstatt Schrittgeschwindigkeit

Heidstraße in Langenfeld: Künftig Tempo 30 anstatt Schrittgeschwindigkeit

Die Erschließungsstraßen will die Stadt nicht mehr als „Spielstraße“ ausweisen.

Langenfeld. Wer an einer verkehrsberuhigten Straße wohnt, auf der maximal Schrittgeschwindigkeit gefahren werden darf, hat kein Interesse daran, dass künftig statt der sieben Stundenkilometer Tempo 30 erlaubt sein soll. Für viele Anwohner ist die seit Anfang der 1980er-Jahre verkehrsberuhigte Heidstraße aber längst zur "Heizstraße" geworden.

Eine Geschwindigkeitskontrolle im September 2009 ergab: 93 Prozent der gemessenen Autofahrer fahren dort unter 25 Stundenkilometer schnell. Das nimmt die Stadt zum Anlass dem Verkehrsausschuss am Donnerstag (18 Uhr, Rathaus) vorzuschlagen, die Heidstraße den Gegebenheiten anzupassen und diese als Tempo-30-Zone auszuweisen.

Für Susanne Zaß, Vertreterin der Grünen im Ausschuss, ist das ein Schlag ins Gesicht der Richrather. "In den vergangenen beiden Sitzungen wurde kontrovers über das Anliegen der Anwohner diskutiert, die Verkehrsberuhigung mit baulichen und anderen Maßnahmen besser durchzusetzen.

Jetzt will die Verwaltung in umgekehrter Richtung Fakten schaffen. Nach dem Motto ,Wenn die Autofahrer schneller fahren als erlaubt, muss die erlaubte Geschwindigkeit eben erhöht werden’", empört sich Zaß.

"Unser Ziel ist es, nicht jeden Autofahrer zu einer Ordnungswidrigkeit zu zwingen", sagt Wolfgang Honskamp, Leiter des Verkehrsreferats im Rathaus. Bei 450 Metern Länge sei die Heidstraße nach heutigen Maßstäben für eine "Spielstraße" viel zu lang.

"Ein Autofahrer würde von der Annastraße bis zum Rietherbach bei Schrittgeschwindigkeit vier Minuten benötigen. Das wird nicht akzeptiert", so Honskamp.

Darüber hinaus habe die Heidstraße mit Rietherbach und Augustastraße die Erschließungsfunktion für das Wohngebiet in Richrath-Nord. "Aber wer aus den Tempo-30-Zonen Elisabeth- und Dorotheenstraßen kommt, wird auf der Heidstraße nicht auf Schritt abbremsen", meint Honskamp. Auch die Polizei sei der Meinung, dass die Heidstraße eine gute Tempo-30-Zone ist.

Mit der Heidstraße verfolge die Verwaltung ein neues Prinzip: Sammelstraßen sollen künftig keine Chance mehr haben, ein verkehrsberuhigter Bereich zu werden.

Deshalb soll künftig auch auf der kompletten Parkstraße in Wiescheid Tempo30 gelten. Die Straßen im neuen Wohngebiet "Auf dem Bruch" sind dagegen verkehrsberuhigt vorgesehen. Honskamp: "Wir versuchen, einen Grundsatz zu schaffen, der der Realität nahe kommt."

Das dürfte 41 Bewohner des Neubaugebiets Dorotheenstraße/Franziskusweg freuen. Mit ihren Unterschriften fordern die Familien mit meist jungen Kindern die Stadt auf, aus der erst Anfang Oktober eingerichteten Tempo-30-Zone vor ihrer Haustür eine "Spielstraße" zu machen.

"Wenn ein Kind aus der Haustür oder hinter einem geparkten Pkw hervorrennt, hat es im Ernstfall keine Chance, da ein Tempolimit von 30 km/h bei weitem nicht ausreicht, um notfalls zu stoppen", heißt es in ihrem Schreiben. Der Wunsch soll bei den kurzen Nebenstraßen erfüllt werden.