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Haus Wagner in Langenfeld feiert 100-Jähriges

NRW : Das „Haus Wagner“ hat turbulente Jahre erlebt

Im Oktober 1921 bekam die „Wirtschaft zum alten Rathaus“ ihren neuen Namen. Den trägt sie bis heute, auch wenn sie offiziell La Plaza heißt.

. Das hätte sich Wilhelm Wagner wohl vor 100 Jahren nicht träumen lassen, dass in seiner Gastwirtschaft einst „Chiperones plancha“ und „Pulpo ajillo“ serviert werden würden, dass sie aber trotz dem schicken Namen „La Plaza“ den Beititel „Haus Wagner“ auch heute noch tragen würde. Die wenigsten Gäste im La Plaza werden wissen, dass der Name „Haus Wagner“ an jenen Wirt erinnert, der am 15. Oktober 1921 die „Wirtschaft zum alten Rathaus“ übernahm. Zuvor war sie 50 Jahre im Besitz der Familie Neuss gewesen, bis diese sie aus Krankheitsgründen aufgeben musste.

Der damals neue Gastwirt Wilhelm Wagner bat in der Opladener Zeitung vom 6. Oktober 1921 „die geehrten Bewohner von Langenfeld und Umgebung das Vertrauen, welches dem Hause Neuss stets geschenkt wurde, auch mir entgegen bringen zu wollen“, so der Original-Text. 

Im Laufe seines Daseins als Gasthaus für Reisende und Postillione der „Hochfürstlich Thurn und Tax’schen Posthalterei“ bis in die Jetztzeit hatte das Wirtshaus viele Namen, ab 2007 bis 2013 „Krügers“, 2014 bis 2018 „History“ und seit 2018 nun „La Plaza“, aber für alle alten Langenfelder weiterhin „Haus Wagner“.
So lukullisch und abwechslungsreich wie heute war die Speisekarte damals aber nicht. Aber es gab es Bier für die müden Reisenden. Schweinefleisch, Kartoffeln, Most und Kaffee verfeinerten das Angebot im 19. Jahrhundert. Erste Posthalter und Gastwirte waren Hermann Braches und sein Schwager Johann Peter Lungstraß, der später zum Kaiserlichen Reichposthalter und Bürgermeister ernannt wurde. Beim Verkehrsposten im „Langen Feld“ taten laut Verkehrs- und Verschönerungsverein 24 Postillione Dienst. In den Remisen standen zwölf Wagen „Chaisen“, und in den Ställen waren stolze 96 Pferde.
Ab 1806 bis 1885 war das Gebäude Rathaus zunächst der „Munizipalität Richrath“, dann der Gemeinde Richrath-Monheim. Ab 1845 verdrängte die Eisenbahn allmählich den Postverkehr, der der Gaststätte an exponierter Stelle viele Gäste beschert hatte.

Doch nicht nur zur Rast müder Reisender diente das Gebäude. Laut Heimatforscher Rolf Müller wurde 1879 im Haus Wagner von Dr. med. Meunier aus Hitdorf eine erste armenärztliche Praxis für Langenfeld eingerichtet. Damit wurden die Anstrengungen der Gemeinde belohnt, die sich seit etwa 1849 um die Niederlassung eines Arztes bemüht hatte. Mitte August 1946 wurde im Haus Wagner der Ortsverband der FDP gegründet.