Häuser oder Grüngürtel

Im ländlichen Reusrath könnten an den Locher Wiesen 70 Wohneinheiten entstehen.

Langenfeld. Die große Wiese ist noch satt grün, im Hintergrund ist die Kirche in Reusrath zu erkennen. Eine ländliche Idylle. Die Locher Wiesen sind ein Naherholungsgebiet, wo man Spaziergänger antrifft, wo Kinder am Bach spielen, wo Hundebesitzer die Vierbeiner laufen lassen.

Doch wie lange bleibt das Gelände unbebaut? Im August tauchten Pläne auf, dort auf dem großen Gelände etwa 70 frei stehende und Doppelhäuser zu bauen. Das Areal liegt zwischen Virneburgstraße, Barbarastraße und Locher Weg, Ein schönes Stück Grüngürtel, das aufgegeben werden könnte. „Dabei gibt es in Langenfeld ausreichendes Bauland“, sagt Andreas Menzel, Sprecher der Bürgerinitiative, die sich im September gründete. Die Initiative spricht sich gegen die Bebauung aus. „Reusrath soll seinen ländlichen Charakter behalten“, so der Tenor der 15 Mitglieder der Initiative.

Doch nicht nur sie sind verwundert über die Bebauungspläne, die erst vor Wochen bekannt wurden. Am vergangenen Samstag wurden an einem Infostand der Initiative 400 Flyer verteilt. 270 Bürger sprachen sich gegen das Bauvorhaben aus und unterschrieben auf einer Liste. „Viele hatten von den Plänen noch nichts gehört. Die anderen hielten das Vorhaben für überdimensioniert“, sagt Menzel. Die Besucher am Infostand seien vor allem überrascht gewesen, dass der Informationsfluss seitens der Stadt Langenfeld so sparsam gering sei.

Baurat Hans-Otto Weber stellt klar, dass seit 30 Jahren die Neubauten im Flächennutzungsplan vorgesehen sind. Im Zielkonzept 2010 waren die Bauten aber nicht enthalten. „Das Konzept ist nun abgearbeitet“, sagt Weber, jetzt kämen die Neubauten wieder auf den Plan.

Langenfeld sei bis in die 1990er Jahre stets gewachsen. Bis dahin wurde viel gebaut. Doch dann stagnierten die Zahlen. Langenfeld will aber wieder wachsen. „Wir wollen aber Familien nach Langenfeld holen. Wenn 100 Wohneinheiten gebaut werden, hätte man 250 neue Einwohner“, sagt Weber.

Nahe der vorgesehenen Bebauung hat sich das Gewerbegebiet Reusrath Nordwest angesiedelt. Die Verwaltung wünscht sich, dass dort auch die Firmenchefs sich für Haus und Grund in der Nähe entscheiden. „Das bindet die Firmen eher an den Standort Langenfeld“, so der Baurat.

Seit 2009 beschäftigt sich die Bauträger-GmbH Zeibig mit den Möglichkeiten der Erschließung und Bebauung. Durch die Firma Zeibig beauftragte Ingenieurbüros haben Untersuchungen zu Erschließungsmöglichkeiten durchgeführt. Ein neues Regenrückhaltebecken soll Wasser aus Teilen des Erschließungsgebietes und Regen aus der überlasteten Kanalisation B 8 aufnehmen. Die Situation in Reusrath ist angespannt. Im Sommer lief das Gebäude der Stadtsparkasse voll.

Der Sprecher der Initiative, Andreas Menzel (44), wohnt seit fünf Jahren in Reusrath. Er ist dorthin gezogen, weil ihm das Ländliche zusagte. Auch die Infrastruktur sei in Ordnung. Es gibt einen Kindergarten, eine Schule, einen SB-Markt.

Langenfeld ist als Wohnstadt attraktiv. Keiner will den Zuzug von Neubürgern verhindern. „Aber muss es Reusrath sein, wo so viel anderes Bauland zur Verfügung steht“, fragt sich Menzel. Etwa 500 Meter vom vorgesehenen Baugebiet Locher Wiesen werden bereits etwa 26 neue Häuser gebaut.

„In Langenfeld wird derzeit so wenig gebaut wie lange nicht mehr“, sagt Weber. „Wir müssen aber als Stadt attraktiv bleiben“. Auch wer von der Innenstadt in Außenbezirke ziehen will, soll ein Angebot vorfinden.“

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