Langenfeld/Monheim : Getreideernte verschiebt sich weiter nach vorne

Im dritten Jahr hintereinander macht Trockenheit den heimischen Landwirten zu schaffen. Es wird immer noch Spargel gestochen.

Die Wintergerste auf Josef Aschenbroichs (61) Feldern an der Wolfhagener Straße ist reif. Sohn Jens fährt jetzt mit dem Mähdrescher die Ernte ein. „Früher haben wir das erst in der zweiten Juliwoche gemacht“, sagt der Langenfelder Landwirt. „Die Getreideernte schiebt sich wegen des Wetters immer weiter nach vorne.“ Und das sei kein gutes Zeichen: Die außergewöhnliche Trockenheit im dritten Jahr hintereinander macht Aschenbroich zu schaffen, drückt die Erträge und drückt aufs Gemüt. Auch dem Monheimer Spargel- und Erdbeerbauern Robert Bossmann (51) machen die trockenen Jahre zu schaffen. „Das ist in unserer Region schon ­extrem.“

„Mangels Regen dörren die Böden aus“, sagt Aschenbroich, der auf seinem Hof an der Kronprinzstraße etwa 15 000 Hühner hält und zusätzlich rund 200 Hektar gepachtete Felder und Äcker bewirtschaftet; überwiegend im Langenfelder Grüngürtel, teils auch in Solingen. Schon in den vergangenen beiden Jahren seien statt der zuvor üblichen 900 nur 700 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. „Auch wenn im vergangenen Winter bis März einiges runterging, wurden im Boden gerade mal die Reserven einigermaßen wieder aufgefüllt. Aber seit März ist es leider wieder viel zu trocken.“

Es wird ein niedrigerer Ertrag
als im Vorjahr erwartet

Das bestätigt Andrea Hornfischer vom Rheinischen Landwirtschafts-Verband (RLV) auch für andere Regionen, in denen jetzt Mähdrescher zur Gerstenernte über die Felder rollen. Aufgrund der Regenfälle während der Aussaat im Herbst und der langen Trockenphase ab Mitte März mit starken Tag-/Nacht-Temperaturschwankungen werde „insgesamt ein niedrigerer Ertrag als im Vorjahr ­erwartet“.

Nach Josef Aschenbroichs Einschätzung wird 2020 „das schlimmste von diesen drei trockenen Jahren hintereinander sein. Vor allem, wenn der Boden sehr sandig ist“. Der Langenfelder, der als Ortslandswirt auch für Monheim zuständig ist, hat nach eigenen Angaben bereits bei der Aussaat der Gerste im September die Trockenheit einberechnet. „Damit sich die Halme später nicht gegenseitig das Wasser im Boden wegnehmen, kommen auf den Quadratmeter Feld weniger Saatkörner als früher.“ Gleichwohl sei auf einem etwa zwei Hektar großen Gerstenfeld in Richtung Garather Wald die Ernte komplett ausgefallen.

Mit Blick auf die zunehmenden Trockenperioden pflügt Josef Aschenbroich auch seit Jahren nicht mehr seine Felder um, weil sonst das ganze Wasser in den oberen Bodenschichten verdunste. Bewässerungsanlagen hat der Langenfelder Landwirt und „Im April haben wir die Zuckerrüben gesät. Da war der Boden stellenweise so trocken, dass die Samen schlecht gekeimt sind.“ Die Erde sei nur minimal mit der Walze verdichtet worden, so dass möglichst wenig Feuchtigkeit entweicht, so Aschenbroich.

Als das A und O bei der Bestellung seiner Felder bezeichnet Aschenbroich die Fruchtfolge mit Zwischengrün, damit die Nährstoffe im Boden bleiben. Nach eigenen Angaben setzt er „so wenig Chemie wie möglich“ ein. Am besten gedeihen auf Aschenbroichs Feldern Sojabohnen.

Zum Ende der Spargelsaison zieht der Monheimer Bauer Robert Bossmann unter den erschwerten Bedingungen er Corona-Krise ein „zufriedenstellendes Fazit“. Von den aus Südosteuropa erwarteten Erntehelfern seien viele zu spät, 21 Helfer seien überhaupt nicht gekommen. „Aber auch mit weniger Leuten wurde die Arbeit weitestgehend ­geschafft.“

Auf einem Teil seiner insgesamt fünf Hektar großen Spargelfelder würden indes auch nach dem üblichen Saisonende am Johannistag (24. Juni) immer noch Stangen gestochen. Im Gegensatz zum Spargel hat Robert Bossmann wegen der Trockenheit seine zwölf Hektar Erdbeerfelder reichlich gewässert. „Die Erntemenge war zwar geringer, aber die Nachfrage gut“, sagt der 51-Jährige. „Jetzt ist gerade die späte Sorte Lambada reif. Wohl noch bis Mitte Juli läuft bei uns die ­Erdbeersaison.“