Film bringt Kulturen zusammen

Projekt dokumentiert den Austausch von Schülern und Geflüchteten.

Monheim. Ein wenig angespannt wirken die Gesprächspartner in den ersten Momenten vor der Kamera. Nach und nach jedoch entwickelt sich unter den „Talkshow-Gästen“, die an einem kleinen Tisch Platz genommen haben, ein munteres Frage- und Antwortspiel: „Was wusstet Ihr über Deutschland, bevor Ihr hergekommen seid?“ fragt eine Schülerin ihren Sitznachbarn. „Es ist ein sehr fortschrittliches Land“, antwortet der junge Mann und schiebt mit einem verschmitzten Lächeln hinterher: „Die meisten Autos auf unseren Straßen kommen aus Deutschland.“

Kurz darauf wird es ernst: „An welchem Punkt wusstest Du, dass Du fliehen musst?“, will eine Jugendliche wissen. „Das war, als ich auf dem Weg in die Uni festgenommen wurde“, erinnert sich der Angesprochene.

13 Schüler eines Oberstufen-Projektkurses an der Peter-Ustinov-Gesamtschule treffen an diesem Nachmittag im Monheimer „Haus der Chancen“ für einen Filmdreh auf zwölf Flüchtlinge. Unter dem Arbeitstitel „Warum Deutschland? Warum, Deutschland?“, tauschen sie vor der Filmkamera ihre persönlichen Geschichten, Sorgen und Vorbehalte aus. „Ich dachte, dass es größere Verständigungsprobleme gibt, und bin überrascht, dass ihr so gut deutsch könnt“, gesteht eine Schülerin ihrem syrischen Gegenüber. „Es ist eben wichtig, die Sprache zu lernen und die Regeln zu respektieren“, gibt er zurück. Während sich die Gesamtschüler in ihrem Kurs derzeit mit Fluchtursachen und den Herausforderungen der Integration befassen, nehmen ihre Gesprächspartner mit Fluchtgeschichte wiederum am Projekt „Same same but different“ unter Federführung des Beratungs-Centrum zum Thema Wertevermittlung teil. „Wir haben uns schon in der Schule getroffen und einige Einblicke erhalten“, berichtet die 17-jährige Schülerin Doga. Gemeinsame Aktivitäten wie Bowlen oder das Backen von Weihnachtsplätzchen brachten die jungen Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen einander näher. Der Film, in dem sie sich gegenseitig interviewen, ist der vorläufige Höhepunkt der Kooperation zwischen der Schule und der sozialen Einrichtung.

„Bei den Interviewfragen wollten wir den Teilnehmern möglichst wenig reinquatschen“, erzählt Projektleiterin Hevi Kutlay vom Beratungs-Centrum, das sich auch in der Flüchtlingsbetreuung engagiert. Sie holte das Filmteam Borderless.tv mit ins Boot, das selbst zum Teil aus Geflüchteten besteht. „Es ist uns wichtig, ein stärkeres Bewusstsein für das Thema bei Jugendlichen herzustellen“, erklärt Kutlay.

Viele Flüchtlingshelfer stammten aktuell eher aus älteren Generationen und hätten zum Teil selbst noch einen Bezug zu Flucht und Vertreibung. „Die krassen Erfahrungen haben uns sehr berührt“, schildert die 18-jährige Alina das Gespräch mit den Geflüchteten aus Ländern wie Syrien oder Afghanistan.

Den Film, für den Schüler und Flüchtlinge einen Drehtag lang vor der Kamera standen oder saßen, soll es bald auf Youtube und den Web-Seiten von Schule und Centrum zu sehen geben — kurz vor den Sommerferien auch im Rahmen einer öffentlichen Aufführung.