Fährmann auf dem Piwipper Böötchen: Den Rhein fest im Blick

Fährmann auf dem Piwipper Böötchen: Den Rhein fest im Blick

Mehrere Ehrenamtler sorgen dafür, dass das Piwipper Böötchen am Wochenende und an Feiertagen nach Dormagen übersetzt.

Monheim. Der Rhein ist so grau wie der Himmel, es nieselt leicht. Schaukelnd nähert sich das Piwipper Böötchen von der Dormagener Rheinseite in Richtung Monheimer Ufer. Angekommen steigen drei Erwachsene und zwei Kinder aus und eilen sogleich auf den Damm, um dem ungemütlichen Wetter zu entkommen.

Zurück bleiben Wolfgang Hoffmann, der Fährmann des Piwipper Böötchens, und Wolfgang Eicker, der heute der Kassierer ist. „Bis heute Mittag war mehr los, jetzt ist der Betrieb eher mäßig“, sagt Eicker. Bis 18 Uhr wird an diesem Samstag gefahren, egal bei welchem Wetter.

Der Vorsitzende des Piwipper Böötchen Vereins, Heiner Müller-Krumbhaar, steigt noch zu, ansonsten geht es ohne Passagiere zurück auf die andere Rheinseite. Auf dem Rhein ist viel los. Das kleine Böötchen schwankt stark in den Wellen, die große Frachter aufkommen lassen.

Die Konzentration in den Augen des geübten Fährmannes Wolfgang Hoffmann steigt merklich, wenn wieder ein großes Schiff in der Nähe auftaucht. „Das Fahren macht mir sehr viel Spaß“, sagt er. „Das muss aber auch so sein, denn wenn man mit Widerwillen bei der Sache ist, wird man schnell unkonzentriert.“

Hoffmann bekommt für seine Arbeit eine kleine Entschädigung gezahlt. „Er hat eine große Verantwortung zu tragen, wenn er das Boot fährt“, sagt Müller-Krumbhaar. „Er kennt den Rhein in- und auswendig. Deswegen ist er der perfekte Fährmann.“

150 Mitglieder hat der Verein Piwipper Böötchen, der sich 2010 gegründet hat. 30 von ihnen teilen sich den Kassierdienst an den 70 Fährfahrten in 2013. Sie stehen freiwillig und auf Ehrenamtsbasis an drei ganzen oder sechs halben Tagen mit einer antiken Kassierertasche behangen an Deck und kassieren den Fahrtpreis ein.

Wolfgang Eicker hat heute nicht viel zu tun. Er gehört zu den Kassierern, die sich für den Ganztagsbetrieb entschieden haben. „Natürlich ist es langweilig, wenn man achteinhalb Stunden kaum Fahrgäste hat“, sagt er. „Doch das ist ja selten der Fall.“ Am Pfingstsonntag kassierte er 1208 Passagiere ab.

Auch das Tor auf der Dormagener Seite, das Planendach auf dem Boot und dem Anleger vor der Piwipp — alles wurde von einer Handvoll helfender Hände ohne Bezahlung gemacht. In der Überwinterungszeit hielt Fährmann Hoffmann stets ein Auge auf den Wasserstand und entfernte Treibholz, das sich im Böötchen verfangen hatte. Müller-Krumbhaar: „Bei Hochwasser wird das Boot an seinen Aalschokker an der Monheimer Seite gebunden.“

Diese Arbeit, die über den Fährbetrieb hinausgeht, ist für den Verein unerlässlich. Umso schöner sei es, zu sehen, wie gut das Böötchen angenommen wird: Trotz des wechselhaften Wetters setzten schon 9260 Passagiere in diesem Jahr über. „Deswegen ist es toll, dass wir jetzt 25 statt nur zwölf Fahrgäste mitnehmen können“, sagt Müller-Krumbhaar.

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