Einblick in die Monheimer Unterwelt

Das Monheimer Kanalnetz ist 135 Kilometer lang. Jedes Jahr wird ein Kilometer erneuert, die Stadt investiert dafür Millionen.

Monheim. Auf dem Spielplatz an der Fichtestraße ist das hölzerne U-Boot Nautilus zwischen allerlei Meerestieren im Sand aufgetaucht. Doch was kaum jemand weiß: Unter den Klettergeräten steckt ein riesiges Wasserreservoir. Die Spielanlage in Baumberg entstand über einem 2010 gebauten Regenrückhaltebecken, das bis zu „2000 Kubikmeter Wasser in zwei Kammern fassen kann“, erklärt Rainer Fester, zuständig für die Abwasserbeseitigung und den Hochwasserschutz in Monheim erklärt.

Zwar konnte es die riesigen Wassermassen, die am 10. Juni punktuell über Baumberg niedergingen, nicht bewältigen, doch bei einem Starkregen kurz nach der Inbetriebnahme im Frühsommer 2010 lief das Becken wie erhofft voll. Die „Generalprobe“ verhinderte, dass Keller in Baumberg unter Wasser standen, erinnert sich der Fachmann.

Insgesamt gibt es in der Stadt Monheim vier Regenrückhaltebecken, in denen das Wasser aus den Kanälen gesammelt und anschließend kontrolliert wieder abgelassen werden kann. Ein weiteres großes Becken, in das sogar 7000 Kubikmeter passen, befindet sich am Steglitzer Platz im Berliner Viertel, ein anderes ist an der Sandstraße/Ecke Monheimer Straße.

Doch zunächst fließen Toilettenspülungen, Duschwasser und Regen durch den Kanal in die Klärbecken, die einen Überlauf haben. Sieben solcher Anlagen gibt es in der Stadt. Dort wird das ankommende Mischwasser aus der Kanalisation gereinigt. Danach geht es „ab in den Rhein“. Hochleistungspumpen können 7,4 Kubikmeter pro Sekunde in den Fluss befördern, ergänzt Fachbereichsleiter Andreas Apsel. Nur bei sehr starkem Regen wird das Wasser in die Rückhaltebecken geleitet. Reichen die nicht aus, werden die Wassermassen in den Rhein „abgeschlagen“. Zehnmal pro Jahr kann das vorkommen.

Die zentrale Kläranlage für Langenfeld und Monheim ist im Knipprather Busch. Der Bergisch-Rheinische Wasserverband betreibt diese Anlage und auch die Klärbecken, die Rückhaltebecken und das Pumpwerk. Für den Kanal ist größtenteils die Stadt zuständig. Es gibt aber auch private Abschnitte, wie beispielsweise im Berliner Viertel. Baumberg und Monheim verfügen über zwei eigenständige Entwässerungsnetze. „Wir haben beim Kanal in Monheim vornehmlich ein Mischsystem“, sagt Fester. Das bedeutet, Schmutz- und Regenwasser fließen durch ein Rohr. „Das Abwasser ist dabei 1000-fach verdünnt.“ In den Neubaugebieten wie am Waldbeerenberg in Baumberg kommen jetzt aber Trennsysteme in den Boden, wie sie etwa auch in Langenfeld üblich sind. Das heißt, es gibt jeweils ein Rohr für Regenwasser, das versickert wird, und ein anderes Rohr für Schmutzwasser. Das wiederum wird in die Kläranlage geleitet.

Von den 135 Kilometern öffentlichem Kanalnetz in Monheim sind inzwischen etwa zehn Kilometer im Trennsystem gebaut (davon werden jeweils fünf Kilometer für Regenwasser und fünf Kilometer für Schmutzwasser vorgehalten). Hinzu kommt in etwa die gleiche Länge private Rohrleitungen.

Seit 2000 erneuert die Stadt ihr System. Bis 2010 wurden die Abschnitte erster Priorität und das Rückhaltebecken an der Fichtestraße gebaut. „Wir haben die Leistungsfähigkeit teilweise verdoppelt und Rohre mit Durchmessern zwischen 1,60 bis 1,80 Metern verlegt“, berichtet Fester. So geschehen an der Berghausener Straße, der Monheimer Straße und der Kirchstraße.

Bis 2024 investiert Monheim 24 Millionen Euro in den weiteren Ausbau (zweite Priorität). Beispielsweise am Sportplatz (1,3 Millionen Euro), am Heerweg (1,2 Millionen Euro), an der Lindenstraße (5,5 Millionen Euro und an der Weddinger Straße (2,85 Millionen Euro). In einem dritten Schritt widmen sich die Fachleute danach Rohren, die nur „etwas zu klein“ bemessen und gering überlastet sind. „Das nehmen wir in Angriff, wenn wir Straßen sanieren“, merkt Apsel an. Pro Jahr wird in Monheim etwa ein Kilometer Kanal erneuert. Seit 2000 kommen so 20 Kilometer zusammen.

Und damit alles gut in Schuss bleibt, wird das Rohrsystem regelmäßig gereinigt und im 15-Jahres-Rhythmus mit einer Kamera durchfahren. Bei Neubau ist eine Druckprüfung eingeschlossen. „In Monheim sind wir fertig. Für Baumberg habe ich gerade den Auftrag vergeben“, sagt Fester.

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