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Die Herausforderung des digitalen Lernens

Die Herausforderung des digitalen Lernens

An Monheimer Schulen gibt es Tablets für die Schüler. Das eröffnet neue Möglichkeiten, schafft aber auch Probleme, wie Eltern berichten: Youtube und Vokabel-App trennt nur ein Wisch.

Monheim. Anton (Name geändert) soll Vokabeln lernen. Für Französisch. Siebte Klasse am Otto-Hahn-Gymnasium. Er sitzt zu Hause am Schreibtisch. Anton ist in einem Alter, in dem Eltern bei Hausaufgaben nicht mehr daneben sitzen müssen. Eigentlich. Die Mutter guckt im Vorbeigehen, was der Sohn macht. Anton nutzt ein schuleigenes Tablet zum Vokabellernen. Dann verlässt die Mutter den Raum. Anton wechselt von der Vokabel-App zu Youtube. Heimlich.

Wie viele andere weiß auch Antons Mutter, wie leicht Kinder und Jugendliche von Smartphones und Tablets abhängig werden. Sie sorgt sich um ihren Sohn und versucht zu kontrollieren, wie viel Zeit er am Tag im Netz verbringt. Seit er das Schul-iPad hat, sei das aber nur noch schwer möglich. „Theoretisch müsste man die ganze Zeit daneben sitzen“, sagt sie. Die Versuchung nämlich sei immer da und groß. Vokabeln und Videos bei Youtube, die seien nur einen Wisch voneinander entfernt.

Hagen Bastian, Schulleiter des Monheimer Gymnasiums, hat von solchen Schwierigkeiten gehört. In vielen Familien laufe es aber auch problemlos. Der OHG-Direktor ist vom Nutzen des Tablet-Einsatzes an seiner Schule überzeugt. Digitales Lernen sei eine Herausforderung, aber gesellschaftlich und politisch gewollt. Die Computer, sagt er, seien ein Werkzeug für den Unterricht — so wie Tafel und Overhead-Projektoren. „Sie bieten die Chance, die Medienkompetenz zu erhöhen. Die Schüler lernen, dass man mit Smartphones und Co. nicht nur spielen, sondern auch lernen und etwas Sinnvolles tun kann.“ Zudem bedeute so ein Schul-Tablet Chancengleichheit. „Gerade in Monheim ist das soziale Gefälle groß. Manche Eltern können sich ein iPad leisten, andere nicht“, sagt Bastian.

Das Problem mit der Sucht nimmt aber auch er ernst, sieht es aber eher woanders: „90 bis 95 Prozent der Fünftklässler haben ein Smartphone.“ Anders als auf dem Schul-Tablet sind darauf Spiele zugänglich. Auf den Schulcomputern hingegen sind bestimmte Seiten gesperrt. Bastian rät Eltern: Absprachen treffen und maximale Nutzungszeiten festlegen. Wenn es trotzdem Probleme gibt, würden die Lehrer, die das Tablet-Projekt am OHG betreuen, beraten und helfen.

Ziel sei es am OHG, „Schüler gemeinsam so stark zu machen, dass sie selbst erkennen, wann es Zeit ist, das Gerät wegzulegen — und das dann auch tun.“ Genau das ist auch immens wichtig, denn in Deutschland gelten fast 300 000 Jugendliche als internetsüchtig. So steht es einer aktuellen Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die Zahl habe sich binnen vier Jahren nahezu verdoppelt; Mädchen seien offensichtlich anfälliger als Jungs.

Medienpädagogin Kristin Langer sagt: „Es ist ratsam, ein eigenes Smartphone erst im Alter von elf oder zwölf Jahren anzuschaffen.“ Bei Kindern ab dem Grundschulalter empfiehlt die Expertin eine maximale Medienzeit (Computer, Handy, Tablet) von zehn Minuten pro Lebensjahr am Tag.

Schulleiter Bastian findet bei Fünft- und Sechstklässlern 30 Minuten digitale Spielzeit okay, bei älteren Schüler auch 60. Horst Stolzenburg, Oberstufenleiter der Peter-Ustinov-Gesamtschule und Tabletklassen-Koordinator, sagt: „Wir haben mit der Oberstufe begonnen, die iPads einzuführen, weil die Schüler älter sind und die Gefahr nicht so groß ist, dass die Schüler nur noch an den Geräten sitzen.“ Dies sei auch nicht der Fall.