Der Landesmeister: „Karate macht süchtig“

Kampfsport : Der Landesmeister: „Karate macht süchtig“

Der 13-jährige Langenfelder Tobias Schälte gewann jetzt die NRW-Meisterschaft im Karate. Nun nimmt er sogar an den Deutschen Meisterschaften teil.

Wenn Tobias Schälte mit der Handkante die Luft durchschneidet, dass es pfeift, und die Fäuste blitzschnell nach vorne schnellen lässt, mag man ihm nicht in die Quere kommen. So kraftvoll, präzise und voller Körperspannung führt er die Figuren aus. Wer den 13-Jährigen beim Training in der Reusrather Alfred-Kranz-Halle bebachtet, weiß zudem rasch, warum Schälte in Oberhausen NRW-Landesmeister der Karate-Jugend wurde und sich damit für die Deutschen Meisterschaften am 19. Mai in Erfurt qualifiziert hat. Tobias ist der Stolz der Sportgemeinschaft Langenfeld Karate Reusrath. Und erst ist ein gelehriger Schüler seines Karate-Meisters Michael Gans, der ihn seit dem fünften Lebensjahr trainiert.

Schälte gibt selbst zweimal
in der Woche Training

„Ohne Karate geht nichts“, sagt Tobias mit einem Strahlen in den Augen. Dreimal pro Woche übt er seine Katas (stilisierte Kämpfe/meist gegen imaginäre Gegner). Einmal in der Woche fährt ihn Mutter Melanie nach Duisburg zum Stützpunkttraining. In einer weiteren Einheit nimmt er an Kaderlehrgängen teil. Darüber hinaus gibt der Jugendliche den Karate-Kindern im Alter zwischen sechs und neun Jahren zweimal in der Woche selbst Unterricht. Eine Frage drängt sich auf: Und was ist, wenn mal eine Freundin auftaucht? Dafür bleibt doch gar keine Zeit mehr. Die Antwort des 1,80 Meter großen Gymnasiasten kommt verblüffend ehrlich und prompt: „Die ist schon da. Sonntags und dienstags nachmittags habe ich genug Zeit.“ Sie sei übrigens keine Karate-Sporlerin.

Fürs Training hat Tobias schon als kleiner Junge auf jeden Geburtstag verzichtet. Heute steht Karate für ihn immer noch an erster Stelle und 2018 wurde Schälte Vizemeister beim „Goju-Ryu-Cup“ in Baden-Württemberg. Goju-Ryu ist ein Karate-Stil mit einer langen Tradition, der besonders viele Elemente des ursprünglichen chinesischen Boxens in sich trägt. Er zielt auf Selbstverteidigung ab, die in Bewegungen versteckt wird.

Was einen guten Karate-Kämpfer ausmacht? „Seine Präsenz. Man darf nicht ängstlich und klein sein. Dann braucht man Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Disziplin“, sagt Tobias. „Und ganz viel hartes Training“, ergänzt Michael Gans, „Ausgelernt hat man nie. Auch in 30 oder 40 Jahren nicht. Man muss immer dranbleiben.“ Genau das wünscht sich Tobias Schälte: Nie aufhören. „Karate macht süchtig“, gibt er zu.

Den Start in den Karate-Sport forcierten die Eltern damals aus pädagogischen Gründen. Ihrem Kindergartenkind mangelte es an Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen. „Daran kann ich mich nicht mehr erinnern“, sagt Tobias lachend. Und mit dem Selbstbewusstsein hat er keine Probleme mehr. Das Bewusstsein, sich jederzeit körperlich wehren zu können, gibt ein gutes Gefühl.

An diesem Trainingsabend geht der Kampf gegen den unsichtbaren Gegner weiter. Verschiedene Verteidigungstechniken und Schläge in Bewegung übt Schälte immer wieder. Die eigene Energie und Kraft richtig einzusetzen, erfordert Konzentration und stetiges Training. Der Landesmeister gehört zu den Jüngsten der Gruppe. Beeindruckend: Tobias‘ setzt seine Bewegungen so souverän und schnell, dass sie mit Blicken kaum zu verfolgen sind.

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