Das vergessene Schloss auf dem Monheimer Katzberg

Das vergessene Schloss auf dem Monheimer Katzberg

Stadtgeschichte: Das Gebiet rund um den Langenfelder Bahnhof gehörte früher zu Monheim. Es gab ein Schloss und eine Baronin mit rätselhaftem Kontakt zum belgischen Hof.

Monheim/Langenfeld. Wer in diesen Tagen auf dem Langenfelder Bahnhof die S-Bahn erwartet, der denkt sicher nicht daran, dass das Gebiet früher einmal zu Monheim gehörte. Und der Name Katzberg hat mit dem Schmusetier auf Samtpfoten rein gar nichts zu tun. Mit ziemlicher Sicherheit kommt er von dem Begriff Kacks oder Katsch - beides alte rheinische Wörter für Pranger (Schandpfahl). Vieles deutet darauf hin, dass der Katzberg in früheren Zeiten eine Monheimer Hinrichtungsstätte war. Es gibt noch heute dort die Straßenbezeichnung Am Galgendriesch.

Über den Katzberg gibt es aber noch ganz andere fast vergessene Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel gab es dort bis 1928 ein Schloss. Baronin Arkadie von Eppinghoven hatte es 1863 errichten lassen, berichtet der Heimatforscher Rolf Müller in der 1992 erschienenen Stadtgeschichte Langenfelds. Und um jene Baronin rankt sich eine besondere Legende. Demnach pflegte sie engen Kontakt zum belgischen Hof.

Es gibt sogar Gerüchte, wonach sie ein Verhältnis mit einem hohen Adligen des Nachbarlandes hatte. War es gar der König? "Abwegig sind die Gerüchte nicht. Aber es gibt keinen Beweis", so Monheims Stadtarchivar Michael Hohmeier. Die Baronin starb 1897, der Besitz fiel an die Söhne.

Als deutsche Truppen 1914 bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges die Neutralität Belgiens verletzten, "stellte der belgische Hof seine Geldzuwendungen ein", so Rolf Müller. Schloss Katzberg wurde verkauft, 1928 abgetragen.

Um es vorweg zu nehmen: Der Katzberg samt Bahnhof wurde 1938 Langenfeld zugeschlagen. Doch vorab gab es über lange Zeit einen Streit darum. "Die Ursache für das zähe Ringen über Jahrzehnte lag nicht nur in Prestigefragen, sondern tatsächlich in der großen Wirtschaftskraft und im hohen Steueraufkommen begründet", schildert es der Heimatforscher Rudolf Pohlmann. Hauptmagnet war der 1845 eröffnete Bahnhof. Monheims Territorium reichte hinter den Gleisen sogar noch einige hundert Meter weiter nach Osten. Das Gebiet wurde nach einer alten Flurbezeichnung Langes Feld genannt. Im Laufe der Zeit wurde daraus Langenfeld. Den Namen bekam dann auch der Bahnhof. So weit war das für Monheimer kein Problem. Denn der "böse Nachbar" hieß noch Gemeinde Richrath-Reusrath. Doch das aufstrebende Städtchen übernahm den Namen Langenfeld 1936 offiziell.

Bahnhof: Der Bahnhof auf dem Katzberg wurde 1845 eröffnet, und hatte schnell eine Magnetwirkung auf Betriebe. In der Gemeinde Richrath-Reusrath begriff man das auch schnell. Am Rhein fühlte man sich offensichtlich ziemlich sicher, dass der Katzberg immer Monheimer Gebiet bleiben würde. Der Regierungspräsident entschied 1938 anders.

Verbindung: Vom Bahnhof in den Ortskern Monheims gab es erst ab 1904 eine öffentliche Verkehrsverbindung.

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