Bürger protestieren im Ratssaal: Gegenwind für die Windkraft

Bürger protestieren im Ratssaal: Gegenwind für die Windkraft

Bei der Bürgerbeteilung gab es keinesfalls nur Zuspruch. Auch aus Langenfeld fanden viele den Weg in den Ratssaal, um ihrem Unmut Luft zu machen.

Monheim/Langenfeld. Vogelschredderanlage! Geldmacherei! Eine Wand, die man noch vom Busbahnhof sehen kann! Die Kritikpunkte, die gegen die geplanten Windräder kommen, sind laut und vielschichtig. Bei der frühzeitigen Bürgerbeteiligung zum Bau der Windkraftanlage am Montagabend wurde deutlich, dass nicht alle begeistert sind von der Idee. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, beruhigte Bürgermeister Daniel Zimmermann die rund 60 Besucher im gut gefüllten Ratssaal — viele aus Langenfeld.

„Bisher wurden nur die möglichen Flächen für die Windräder geprüft“, erläuterte Zimmermann. Dafür wurde die Firma BBB Umwelttechnik beauftragt. Mit einer Windpotenzialstudie sollte sie herausfinden, welche Flächen man überhaupt nutzen könnte.

Insgesamt neun Flächen im Stadtgebiet seien für Windkraftanlagen nutzbar, die meisten sind jedoch zu klein. Andere beinhalten von vornherein zu viel Krisenpotenzial, wie etwa der Rheinbogen mit Blick auf beispielsweise Vogelvielfalt und Naherholung.

Am verträglichsten sei letztendlich eine Fläche entlang der Autobahn 59, die gemeinsam mit Langenfeld genutzt werden würde. Rund sieben Windkraftanlagen könnten dort in Zukunft stehen, davon drei bis vier im Besitz der städtischen Energietochter Mega.

Bevor jedoch das erste Windrad seine Rotorblätter dreht, muss noch einiges überprüft werden. Holger Pieren von der Biologischen Station Haus Bürgel mahnte: „Ich habe nichts gegen Windräder. Man sollte jedoch die Vogelsituation beachten.“ Nicht nur Vogelwechsel finde auf der Nord-Süd-Achse zwischen Monbag-See und dem Langenfelder Klingenberger See statt, auch Fledermäuse würden das Gebiet überfliegen.

Das Landschaftbild werde durch die Windkraftanlagen ebenfalls beeinträchtigt. „Wir haben hier ein Naherholungsgebiet, das man nicht zerstören sollte“, warnte Johannes Sühs, Betreiber der Wasserskianlage in Langenfeld. Denn auch, wenn Autobahn und das Umspannwerk die Landschaft sowieso nicht verschönern, sei es doch irgendwann auch mal genug, so die Meinung mancher.

„Eine konfliktfreie Fläche gibt es nicht“, so Robert Ulrich, Abteilungsleiter Stadtplanung im Rathaus. Er betonte: „Die Betroffenheit ist bei der gewählten Fläche aber für alle Anwohner recht gering.“ Das sah auch Besucher Gerd Kötter so: „Ich finde es schlimm, wenn man sich gegen Dinge sperrt, die sinnvoll sind. Natürlich ist ein Windrad vor der Haustür nicht das schönste, aber besser als Atomkraft ist es allemal. Und schließlich müssen sie ja irgendwohin gebaut werden.“

Im nächsten Schritt setzen sich die Stadtverwaltung und der Planungsausschuss zusammen und denken über die mögliche Realisierung der Windanlage nach. „Dabei werden wir alle Wortmeldungen und Bedenken berücksichtigen“, versprach Zimmermann.

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