Bebauung der Locher Wiesen: „Das ist versuchte Täuschung“

Bebauung der Locher Wiesen: „Das ist versuchte Täuschung“

Reusrather glauben nicht, dass das Problem der Überschwemmung auf den Locher Wiesen durch die Bebauung gelöst wird.

Langenfeld. Der Streit um die Locher Wiesen geht weiter, einen kleinen Erfolg konnten die Gegner der geplanten Bebauung nun jedoch einfahren: Zur Erläuterung der geänderten Pläne wird es eine erneute Bürgeranhörung geben. Das entschieden die Mitglieder des Planungsausschusses nun einstimmig.

Die umstrittene Siedlung wird nach den geänderten Plänen nun größer. Die katholische Kirchengemeinde gibt eine Fläche frei, die bisher für eine Friedhofserweiterung vorgesehen war. Doch nicht nur das allein sorgt bei den Anwohnern für Empörung: Auch die diskutierte Verkehrsführung wirft bei den Reusrathern Fragen auf.

Eine Variante schlägt die Öffnung des Locher Wegs vor. „Der Weg ist vor 20 Jahren für den Verkehr geschlossen worden, weil er als Schleichweg bei Rückstau genutzt wurde. Ihn jetzt zu öffnen würde bedeuten, dass wieder eine Rennstrecke entsteht“, gab Andreas Menzel, Anwohner und Sprecher der Bürgerinitiative „Erhalt der Locher Wiesen“, zu Bedenken.

Laut Stadtplaner Stephan Anhalt steht eine jetzige Entscheidung über die Verkehrsführung noch nicht an. „Wir haben bisher mit einem Gutachten prüfen lassen, welche Möglichkeiten es gibt — als Grundlage für die spätere Diskussion.“

Zu einer emotionalen Diskussion kam es beim Thema Überschwemmung. „Ein zweistündiger Starkregen reicht, und die Locher Wiesen werden geflutet — 15 Zentimeter über der Grasnarbe steht das Wasser“, so der Tenor der Anwohner.

Es sei unverständlich, dass die Verwaltung daran festhielte, auf „dem Problemgebiet Häuser bauen zu wollen“. „Allen, die da bauen wollen, sollte man sagen, dass sie Gefahr laufen, mindestens zweimal im Jahr geflutet zu werden. Alles andere ist versuchte Täuschung“, rief ein Anwohner.

Andere Reusrather fürchten um den Wert ihrer eigenen Immobilie. „Wenn da bald nur noch Bauruinen stehen, weil die Käufer von ihren Verträgen zurücktreten, sinken unsere Immobilien im Wert.“

Stadtplaner Stephan Anhalt versuchte, zu beruhigen: „Wir kennen die Gegebenheiten auf den Locher Wiesen und gehen damit auch offen um. Bauunternehmer müssen besondere Vorkehrungen treffen, wenn sie dort bauen, das stimmt. Aber das Gebiet ist nicht unbebaubar.“

Mehr noch: Durch den Bau von Häusern würde sich die Situation vor Ort verbessern. Denn: Dort, wo Häuser stehen, könne sich das Wasser nicht mehr sammeln. Außerdem werde dafür gesorgt, dass anfallendes Wasser durch ein neues Regenrückhaltebecken besser abgeleitet wird.

Die Kosten dieses Beckens würden jedoch nicht — wie zu Beginn der Planungen angedacht — vom Investor übernommen. Die Stadt müsse es bauen. Auch das führte bei den Reusrathern zu Empörung: „Dass der Investor das zahlt, wurde uns zu Beginn der Planungen als Vorteil einer Bebauung verkauft.“ Dieter Braschoss (CDU): „Das waren nur unsere Hoffnungen. Ich habe nichts versprochen.“

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