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Ausstellung beim Kunsetverein Langenfeld: Thomas Agriniers Kunst spielt mit Verwirrung

Langenfeld : Verwirrung als originelles Kunstelement

Bis zum 31. Oktober stellt der Pariser Thomas Agrinier im Kulturzentrum Langenfeld aus.

Auf einem großformatigen Bild ist eine Frau zu sehen, die mit aufgerissenen Augen davonläuft. Hinter ihr ein gesichtsloser Mann, der hinter ihr her rennt. Ein weiterer Mann fällt auf die Erde und schaut mit erschrockenem Gesichtsausdruck und weit gespreizten Händen auf die Frau. Die Gruppe scheint in ihrer Bewegung eingefroren zu sein. Die Bilder von Thomas Agrinier, die jetzt anlässlich des lokalen Frankreichjahrs beim Kunstverein Langenfeld (KVL) ausgestellt sind, folgen keiner üblichen Sehgewohnheit. Die Menschen, meistens in Zweier- oder Dreiergruppen, sind nur ansatzweise, oftmals ohne Hände und Füße gemalt. Und sie sehen aus als wären sie einem Comic
entsprungen.

Bilder hinterlassen beim Betrachter ein Unwohlsein

Fast alle Bilder hinterlassen beim Betrachten ein Gefühl des Unwohlseins. Ein weiteres Bild mit dem Titel „Benvenuti!“ zeigt ein schaukelndes Boot, in dem sich eine blonde Frau mit angstverzerrtem Gesicht befindet. Ein Mann versucht sie festzuhalten, ein anderer Mann, der am Strand im Wasser steht, schaut sie hilflos mit offenen Händen an. Das Bild mit dem Schaukelboot in einer paradiesischen Landschaft erinnert an einen missglückten Bootsausflug. Es lässt zugleich aber auch an strandende Flüchtlinge aus dem Fernsehen denken, die panisch versuchen, das Ufer sicher zu erreichen. Der Künstler spielt mit den Bildern in den Köpfen der Betrachter. „Ich habe Bilder von Flüchtlingen im Fernsehen gesehen. Meine Eindrücke habe ich in diesem Werk verarbeitet“, bestätigt Agrinier. Dennoch, so betont er, hätten seine Werke stets mehrere Seiten. „Alles ist immer ein Spiel. Es kann böse oder gut enden, wie im wahren Leben. Ich lege mich nicht fest und überlasse es dem Betrachter, was er darin sehen will.“

Es ist genau das, was Agriniers großformatige Bilder ausmachen: Sie passen in kein Schema. Sie beschäftigen den Betrachter, da sie viele Fragen offen lassen. Der Maler vereint verschiedene Stile und macht daraus seine ganz eigene Kunst. Agrinier fängt immer mit einer offenen Fläche an, um die herum er seine Motive zeichnet. Die Gesichter bearbeitet er farblich mit seinen Fingern. Zum Schluss malt er die Landschaften um die jeweilige Szene herum.

Agrinier hatte Physik und Jura studiert, bevor er sich für die Malerei entschied. „Ich habe immer gemalt und wollte die Malerei schließlich zu meinem Beruf machen“, sagt der 43-Jährige. Der Lyoner hat seine Wahlheimat in Paris gefunden. „Hier werde ich täglich durch viele Dinge und Menschen inspiriert.“ Seit 2008 stellt er in Frankreich, in der Schweiz und in Deutschland aus. Vizebürgermeister Dieter Braschoss lobte die Originalität dieser Schau.

(viha)