Anwältin wegen Betrug verurteilt

Anwältin wegen Betrug verurteilt

Die Angeklagte hatte 20 000 Euro eines Mandanten behalten.

Langenfeld. Im Prozess kamen der Angeklagten immer wieder die Tränen. „Ich hatte keine Bereicherungsabsichten. Ich arbeite jeden Tag sehr hart“, sagte die 50-Jährige. Ihr Beruf: Anwältin. Laut Anklageschrift wurde ihr gestern vor dem Langenfelder Amtsgericht vorgeworfen: Betrug wegen zwei nicht zurückgezahlter Darlehen in Höhe von je 2000 Euro und die Veruntreuung von etwa 20 000 Euro, die sie als Anwältin für Mandanten treuhänderisch verwaltet hatte. Sie sei damals in einer finanziell angespannten Lage gewesen, sagte die Angeklagte, eine alleinerziehende Mutter. Eine Zeugin berichtete, sie habe für die Angeklagte Kontakt zu einem Bauunternehmer hergestellt. Der habe der Angeklagten dann zweimal 2000 Euro geliehen, das Geld sei in bar übergeben worden. Die Zeugin sei daraufhin einmal im Mai und einmal im August 2015 bei der Bank gewesen und habe für die Anwältin Geld eingezahlt. Es sei in die private Hausfinanzierung geflossen. Die Angeklagte soll bei der Zahlung der Raten in Verzug gewesen sein.

Während der Verhandlung gab es mehrere Unterbrechungen. Richter, Staatsanwalt und Strafverteidiger zogen sich zu Gesprächen zurück. Für den Fall, dass die Angeklagte weitgehend gesteht, einigten sie sich vorab auf einen möglichen Strafrahmen — eine Freiheitsstrafe zwischen zwölf und 15 Monaten. Schließlich gestand sie. Um einen ihrer Mandanten ging es auch bei den rund 20 000 Euro. Eine Krankenkasse hatte auf das Konto der Anwältin insgesamt mehr als 200 000 Euro zum behindertengerechten Umbau des Hauses eines Mandanten überwiesen. Davon bezahlte die Anwältin unter anderem Handwerkerrechnungen, behielt aber auch 20 000 Euro ein. Auch wenn sie das Geld inzwischen ausbezahlt hat, wurde sie dafür jetzt bestraft.

Das Strafmaß lautete schließlich ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung. Begründung des Richters: Die Angeklagte sei in einer schwierigen Lage und überfordert gewesen. Es sei ein Unterschied, ob jemand so etwas tut, um in Wohlstand zu leben oder um Lücken zu stopfen.