50 Jahre Städtepartnerschaft: Langenfeld und Senlis feiern lange Liebe

Langenfeld : Liebeserklärung an ein vereintes Europa

Am Wochenende hatten die Langenfelder einen guten Grund zum Feiern: 50 Jahre erfolgreiche Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Senlis.

Kann es so kurz vor der Wahl ein schöneres Statement für Europa geben als das Zusammentreffen der Menschen aus Senlis und Langenfeld an diesem Wochenende, um eine 50-jährige Freundschaft zu feiern? Soviel Herzlichkeit zwischen Franzosen und Deutschen, so viele Bekenntnisse von beiden Seiten, diese Beziehung fortzuführen und vertiefen zu wollen – heftiger kann das Herz von Europa wohl nicht schlagen.

Schon der Empfang einer achtköpfigen Radler-Delegation am Freitag aus der 480 Kilometer entfernten französischen Kleinstadt war auf Seite des deutschen Willkommens-Spalier geprägt von freudiger Erwartung. Bereits am Montag hatten sich französische Radler in Begleitung von zwei Wohnwagen auf den Weg nach Langenfeld gemacht. Unter ihnen Corinne Briot und Gérard Bayard. 250 Kilometer habe er insgesamt zurückgelegt, sagte Gérard nicht ohne Stolz. Das Senlis-Team hatte eine Art Staffel-Tour mit wechselnden Fahrern organisiert. Am Langenfelder Rathaus wurden die Ankömmlinge mit Original-Tour-de-France-Winkehand von Gabriele Pfläging vom Partnerschaftskomitee empfangen und die ersten französischen Luftküsschen ausgetauscht.

Corinne Briot aus Senlis ist zum ersten Mal in Langenfeld

„Ja, ich bin das erste Mal hier“, sagte Corinne noch außer Atem, „und gespannt auf die Stadt, die Menschen und die Feier.“ Dass die Langenfelder ihre Freunde aus Senlis regelrecht lieben, hat sie schon gehört. In der wunderbaren Fotodokumentation einer 50 Jahre dauernden Freundschaft von Uwe Augustin im Rathaus machten sich unter den 50 Besuchern bei der Eröffnung auch die ein Bild, für die Städtepartnerschaft und Langenfeld Neuland waren.

Es seien vor allem die Vereine – die Sportler, die Künstler und die Chöre – die für den Zusammenhalt der beiden Nationen sorgten, waren sich Bürgermeister Frank Schneider und Bürgermeisterin Pascale Loiseleur einig. Beide setzen auf die Jugend, die diese Freundschaft im Sinne der Kultur und des Friedens fortführt. Eines bedauerten die beiden Bürgermeister allerdings: dass die Franzosen kaum Deutsch lernen und die Deutschen kaum Französisch. Daran müsse man arbeiten.

Die Gäste kamen trotz des eher üblen April-Wetters zahlreich

Was passt nun noch besser zu Frankreich als Luftküsschen und Radfahrer? Die legendäre Ente beispielsweise, der so genannte Citroen Deux-Chevaux, der zu Beginn der Beziehung von Langenfeld und Senlis vor 50 Jahren vor allem in Studentenkreisen noch weit verbreitet war. Am Samstag erlebten nicht nur die französischen Gäste ein Wiedersehen mit diesen eigenwilligen wunderbaren Autos. Die Düssel-Ducks waren mit ihren gut gepflegten historischen Wägelchen angerückt. Ein Stück Heimat bot auch die Musikschule Langenfeld. Sandor Pergel spielte mit seinen Cello-Proms ein Stück aus dem Musical „Les Miserables“. Und Anja Marcovic kredenzte in ihrem niedlichen Wohnwagen mit Häkelgardinen und Blumenkästen vor dem Fenster bretonische Crêpes.

Ansonsten ging es beim Food-Truck-Festival auf dem Markt eher international zu: Churros aus Spanien, Lachs-Burger aus einem alten Fischerboot, Sandwiches und Espresso aus Italien und Bio-Fritten aus Holland präsentierten ein Küchen-Crossover. Trotz üblem April-Wetter kamen die Gäste. „Das sind die Langenfelder. Die lassen sich von keinem Wetter vom Feiern abhalten“, sagten Janet und Marcus Mokhtari, selbst Langenfelder, die mit einem Sandwichwagen dabei waren. Von 12 bis 22 Uhr harrten sie am ungemütlichen Samstag aus. „Beim Hagel waren die Gäste ein paar Minuten weg. Danach kamen sie sofort wieder und drängten sich unter unserm Vordach.“

Mächtig ins Zeug gelegt hatte sich auch der Kunstverein Langenfeld (KVL). Er hatte für drei Tage eine Ausstellung mit elf Künstlern aus Senlis gehängt. Seit 35 Jahren tauschen sich die Maler und Bildhauer beider Städte aus. Bewusst hatte die KVL-Vorsitzende Beate Domdey-Fehlau zwei Werke von Claude Sindezingue gewählt. Er gehörte zu den ersten, die in Langenfeld ausstellten. Seine Witwe war zum Partnerschaftsjubiläum angereist. Sein naturalistisches Werk zeigt Senlis im Winter, ein charmantes uraltes gepflegtes Städtchen, das sich im Gegensatz zum modernen Langenfeld in 50 Jahren optisch nicht verändert hat. Und auch den jüngsten Kontakt hat Domdey-Fehlau in die Ausstellung genommen: Loic Flament mit zwei eigenwilligen Schwarz-Weiß-Fotos.

Fazit: eine einzige Liebeserklärung zur Goldhochzeit an die französische Partnerstadt.

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