Langenfeld/ Monheim: Hilfe für die Kinder von Bethlehem

Langenfeld/ Monheim: Hilfe für die Kinder von Bethlehem

Seit Jahrzehnten unterstützen Langenfelder und Monheimer das Baby-Hospital in der Geburtsstadt Jesu.

Langenfeld/ Monheim. "Wir hier im sicheren Westen können uns gar nicht vorstellen, wie das Leben dort unten ist", sagt Jürgen Steinbrücker. "Bei den Leuten reicht es vorne und hinten nicht. Sie leben in Kellern, es herrscht chronischer Wassermangel, die Arbeitslosigkeit ist enorm. Vor allem Kleinkinder leiden an Krankheiten. Und obendrauf kommt der Nahost-Konflikt."

Wenn der Langenfelder von Bethlehem im Westjordanland spricht, wird seine Stimme schlagartig ernst. Zu sehr hat er die Bilder von Not, Elend und Angst vor Augen, die er bei seinen Besuchen in der Geburtsstadt Christi gesehen hat. "Die Menschen wünschen sich nichts so sehr wie Frieden. Mehr als alles andere."

Seit Jahrzehnten schon sorgen Steinbrücker, zahlreiche Langenfelder und Monheimer Privatleute und die Evangelische Kirchengemeinde Reusrath mit Pfarrer i.R. Werner Köhl an der Spitze dafür, dass die Situation in dem von den Israelis besetzten Landstreifen für die Menschen ein wenig erträglicher wird. Ihr Hauptaugenmerk legen sie auf das Baby-Hospital vor den Toren der Stadt. Seit 1952 gibt es das von der Caritas betriebene Krankenhaus - das einzige im Westjordanland und im Gaza-Streifen.

"Wir reisen wenigstens einmal im Jahr in die Westbank, haben Medikamente im Gepäck, Kleidung, Decken und natürlich Geldspenden", sagt Pfarrer Köhl, der diese Fahrten seit 1987 initiiert und erst Ende Oktober, Anfang November mit einer Reisegruppe vor Ort war.

Dinge, die dringend gebraucht werden - für die Versorgung der kleinen Patienten, für medizinisches Material und für den nötigen Ausbau der Einrichtung. So soll bis Ende 2010 die Ambulanz erweitert werden. "Dann könnten statt der bisher 30.000 bis zu 50.000 Kinder jährlich behandelt werden", so Steinbrücker, der mit diesen Zahlen das ganze Ausmaß der Krise deutlich macht.

"Die Ärzte und Pflegerinnen erleben bei ihrer täglichen Arbeit die Folgen des Nahost-Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern. Armutskrankheiten werden dabei am häufigsten diagnostiziert."

Es gibt kaum eine Stadt, die Frieden nötiger hätte als Bethlehem, hieß es kürzlich in einer Mitteilung der Kinderhilfe Bethlehem, die ihren Sitz in Freiburg hat und über die der Spendenfluss aus Langenfeld und Monheim geleitet wird.

Doch der Ort der "frohen Weihnachtsbotschaft" sei vom Frieden weiter entfernt denn je. "Bis 2005 herrschte Intifada, Aufstand", erzählt Köhl. "Viele Jahre konnten wir gar nicht einreisen. Im vergangenen Monat waren wir seit 2000 das erste Mal unten."

Wie zu hören ist, will sich die Reusrather Kirchengemeinde im nächsten Jahr zwar aus Bethlehem zurückziehen, um ihren Schwerpunkt in Richtung Westen zu verlagern - zu den Müll-Kindern von Südamerika. "Aber ich mache in Israel weiter", sagt Pfarrer Köhl. "Am Palmsonntag geht’s wieder runter in die Westbank."